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Russisches Verteidigungsministerium
Bei Sokol in Nischni-Nowgorod wurden MiG-31 für die russische Kriegsmarine modernisiert. 13 Bilder

MiG-31: Das Schlachtross ist noch längst nicht müde

MiG-31-Nachfolger? Das Schlachtross ist noch längst nicht müde

Seit 40 Jahren verteidigt die Mikojan-Gurewitsch MiG-31 als Abfangjäger Russlands Luftraum. Dank eines umfangreichen Upgrades wird der kraftstrotzende Fighter noch viele Jahre weiterfliegen – auch wenn Gerüchte um einen Nachfolger immer wieder Nahrung erhalten.

Mit einem einzigen kleinen Absatz, versteckt am Ende eines Texts über die MiG-31, versetzte Russlands staatlicher Rostec-Konzern Medien auf der ganzen Welt in Aufruhr. Der Artikel, erschienen zum "Tag der russischen Luftverteidigungsstreitkräfte" am 22. Januar, sollte seinen Lesern die "einzigartigen Eigenschaften des legendären Abfangjägers" näherbringen. Seine Ode an die MiG-31 beendete Rostec jedoch mit einem Ausblick in die Zukunft – und das wiederum heizte die Diskussion darüber an, wie es denn wohl um den geheimnisumwitterten Nachfolger der MiG-31 bestellt sei. "Die Entwicklung der nächsten Generation von Abfangjägern hat bereits begonnen", schrieb Rostec. "Das Projekt des Advanced Long-Range Interception Aviation Complex (PAK DP) befindet sich in der Entwicklungsphase." Die Tatsache, dass Rostec selbst diesen PAK DP in einer früheren Textversion "MiG-41" nannte, diese Bezeichnung jedoch später wieder strich, machte die Legendenbildung perfekt.

Was ist dran an der "MiG-41"?

Denn das Mysterium "MiG-41" geistert seit Jahren immer wieder durch die Presse – und kam auf seinem Weg durch den Blätterwald auch schon in Deutschland an: Anfang Januar stilisierte der stern die MiG-41 zum "gefährlichsten Stealth-Jäger der Welt", der schon 2025 abheben und "alles Bestehende deklassieren" solle. Er könne scheller als Mach 4 fliegen und "sogar im nahen Weltraum operieren." In der Tat halten sich derlei Mythen um das Projekt PAK DP hartnäckig. Sie fußen jedoch größtenteils auf Schnipseln und Halbsätzen, die (nicht nur) von russischen Medien sorgsam zusammengetragen und teils kräftig aufgeblasen wurden. Beleuchtet man die wenigen harten Fakten, so bleibt vom Mythos MiG-41 nicht sehr viel übrig – bis auf die Tatsache, dass das Flugzeug Hyperschallwaffen mitführen soll. Der Luftfahrtjournalist Piotr Butowski prophezeit dem PAK DP in einem Beitrag für Aviation Week eine eher düstere Zukunft: "Aktuelle Trends in der russischen Wirtschaft und in der Luftfahrtindustrie deuten darauf hin, dass sich Russland ein solches Flugzeug nicht leisten kann."

Mit der MiG-31BM in die Zukunft

Allerdings ist der Bedarf für einen Nachfolger der MiG-31 bei Lichte betrachtet auch nicht besonders dringlich. Zwar steht der Abfangjäger schon seit 1981 im Dienst, wurde jedoch in den zurückliegenden Jahren immer wieder modernisiert und leistet mit über 3.000 km/h Höchstgeschwindigkeit und fast 21 Kilometer Dienstgipfelhöhe schon von Haus aus Erstaunliches. Nach wie vor läuft das Upgrade vorhandener MiG-31 auf die Version BM. Erst Ende letzten Jahres wurde eine weitere Charge modernisierter MiG-31BM in Sokol an das Militär übergeben. Gemäß bekannter Verträge sollen insgesamt 114 MiG-31 auf diesen Standard hochgerüstet werden.

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Als modernisierte Version MiG-31BM geht die MiG-31 in die nächsten Einsatzjahre.

Tests zur Satellitenabwehr

Das hochmoderne Zaslon-AM-Radar erlaubt der MiG-31BM, Ziele in bis zu 320 Kilometern Entfernung zu erfassen und, dank der Rakete R-37M, über 280 Kilometer hinweg zu bekämpfen. Die MiG-31BM ist in der Lage, sechs Luftziele gleichzeitig zu bekämpfen und bis zu zehn Luftziele zu verfolgen. LCD-Bildschirme, auf denen Taktik-, Navigations-, Radar- und andere Informationen angezeigt werden, erhielten Einzug ins Cockpit der MiG-31BM. Mit der Luft-Boden-Rakete Kinschal gibt es außerdem bereits eine Hyperschallwaffe im Repertoire der MiG-31 und es laufen seit geraumer Zeit Tests mit einem System zur Bekämpfung von Satelliten – Codename "Burewestnik". "Die neue Ausrüstung erweitert die Fähigkeiten der MiG-31BM und verwandelt sie von einem hochspezialisierten Abfangjäger in eine multifunktionale Kampfeinheit, die effektiv mit Flugabwehr-Raketensystemen der Luftverteidigung interagiert", ergänzt Rostec.

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Die Lebensdauer der MiG-31BM könnte abermals verlängert werden. Die Ressourcen dahingehend sind laut Rostec "praktisch unerschöpflich".

Lebensdauer "praktisch unerschöpflich"

Mit dem Upgrade auf die Version MiG-31BM erhält das alte Schlachtross zudem eine Verjüngungskur. Die Lebensdauer des Abfangjägers solle um mehrere tausend Flugstunden verlängert werden, was mindestens noch weitere zehn Jahre Einsatzdauer bedeute, schreibt Rostec. "Darüber hinaus könnten die Russen die Lebensdauer erneut verlängern und die derzeitige MiG-31-Flotte aufrüsten, um sie weit über 2030 hinaus in Betrieb zu halten", führt Piotr Butowski an. Zumindest laut Rostec ist die Grundlage hierfür gegeben, denn dank ihrer teilweise aus Titan gebauten Zelle seien die Ressourcen der MiG-31 in dieser Hinsicht "praktisch unerschöpflich".

Patrick Zwerger
Auf Basis der Suchoi Su-57 will Russland eine ganze Flugzeugfamilie entwickeln. Möglich wäre auch ein Abfangjäger, der zumindest teilweise in die Rolle der MiG-31 schlüpfen könnte.

Su-57 als Abfangjäger?

Das dürfte den Russen auf jeden Fall zusätzliche Zeit verschaffen, um sich intensiver mit dem Projekt PAK DP auseinanderzusetzen. Ob am Ende dieser Auseinandersetzung tatsächlich die sagenumwobene "MiG-41" herauskommt, bleibt dahingestellt. Immerhin besitzt Russland mit der Suchoi Su-57 bereits einen hochmodernen Kampfjet, der bei Bedarf womöglich auch als Plattform für einen Abfangjäger herhalten könnte. Ohne Hyperschallfähigkeit und Weltraumflug zwar, dafür aber mit modernen Luft-Luft-Lenkwaffen wie der Langstreckenrakete "Izdeliye 810", und möglicherweise auch mit einem zweiten Mann im Cockpit - oder sogar unbemannt.