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Millionengrab? Israels neue "Air Force One" steht in der Wüste

Millionengrab? Israels neue „Air Force One“ steht jetzt in der Wüste

Der Umbau einer gebrauchten Boeing 767-300 zum Regierungsjet hat den Staat Israel 208 Millionen Euro gekostet. Seit über zwei Jahren ist das Flugzeug fertig – benutzt wurde es nie. Das dürfte auch so bleiben: Die Regierung hat ihre "Air Force One" eingemottet.

Der Auftrag für das Flugzeug kam noch von Ex-Regierungschef Benjamin Netanjahu – und datiert aus dem Jahr 2014. Damals hielt man den Kauf einer gebrauchten Boeing 767-300 und deren Umbau zum maßgeschneiderten VIP-Jet offenbar für eine gute Idee. Doch die zunächst dafür kalkulierten Kosten von 393 Millionen Schekel (109 Millionen Euro) wuchsen mit den Jahren immer weiter an. Schlug das Flugzeug selbst, Baujahr 2000 und früher bei Qantas, mit einem Kaufpreis von rund 44 Millionen Euro zu Buche, beträgt die Gesamtsumme der Investitionen bis heute nach offiziellen Angaben 750 Millionen Schekel – also über 208 Millionen Euro, und damit fast das Doppelte des veranschlagten Startpreises.

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Bei IAI erhielt die 767 ihre maßgeschneiderte Innenausstattung inklusive "War Room" sowie ein System zur Raketenabwehr.

Der "Flügel Zions"

Seit Ende 2019 ist die 767-300 fertig umgebaut – und eigentlich hätte sie schon vor über zwei Jahren erstmals israelische Regierungsvertreter ins Ausland fliegen sollen. Doch wenige Monate nach dem Jungfernflug der als 4X-ISR registrierten Maschine am 3. November 2019 brach sich weltweit die Corona-Krise Bahn. Die Regierung Netanjahu verschob daraufhin die Übernahme ihres Wunschflugzeugs, aus Furcht vor öffentlicher Kritik und negativen Schlagzeilen. Als vor einem Jahr dann der neue Ministerpräsident Naftali Bennett in Tel Aviv die Amtsgeschäfte übernahm, "erbte" der auf Sparsamkeit bedachte Nationalkonservative auch den in Israel als "Flügel Zions" bezeichneten Zweistrahler.

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Im November 2019 hob die israelische Air Force One erstmals ab. Nun steht sie eingemottet in der Negev-Wüste.

Keine Zukunft in Israel

In Dienst gegangen ist das Flugzeug seitdem freilich nicht – und aller Voraussicht nach wird es das auch künftig nicht. Ein Rechnungsprüfer-Bericht aus dem Frühjahr 2022 offenbarte, dass ein Flug mit der 767 den israelischen Steuerzahler im Schnitt doppelt so viel kosten würde wie das Chartern eines Privatjets. Außenminister Yair Lapid wetterte daraufhin, das Flugzeug verkörpere "alles, was in der Netanjahu-Regierung korrupt und kaputt war" und forderte öffentlich den Verkauf der 4X-ISR.

Dazu ist es bislang nicht gekommen. Doch im Mai ordnete die Regierung Bennett an, das auf dem Hauptstadt-Airport Ben Gurion parkende Flugzeug auf der Luftwaffenbasis Nevatim, gelegen in der israelischen Negev-Wüste, einzumotten. Am 30. Mai nahm die 767 den 30-Minuten-Hüpfer aus Tel Aviv unter die Flügel. Nun wartet sie in der Wüste darauf, welche Zukunft das Schicksal ihr noch beschert. Eins scheint sicher: In Israel wird diese Zukunft nicht liegen.

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