Die pakistanische Luftwaffe ist weltweit der letzte verbliebene Nutzer des französischen Fighter-Urgesteins Mirage III. 2023 feierten die Pakistanis 55 Jahre Dienstzeit mit dem Delta-Oldie von Dassault, der mit rund 1400 gebauten Exemplaren bis heute als meistverkaufter Kampfjet Westeuropas gilt. Knapp 70 Mirage III der Varianten EP (Mehrzweckkampfflugzeug), O (australische Lizenzversion) und RP (Aufklärer) sollen laut der Flottenübersicht "World Air Forces" in Pakistan nach wie vor im Einsatz stehen, verteilt auf je zwei Staffeln auf den Stützpunkten Masroor (nahe Karatschi) und Rafiqui (Provinz Punjab). Dazu kommen bis zu 90 Exemplare der abgespeckten Exportausführung Mirage 5.
Perspektivisch werden die französischen Veteraninnen das Feld in Pakistan für die einheimische JF-17 Thunder und die Chengdu J-10C aus China räumen müssen – wenngleich ein Teil der Mirage-Flotte wohl noch einige Jahre fliegen wird. Doch seit Anfang dieses Jahres sorgt ausgerechnet die uralte Mirage III (Erstflug 1958) für Schlagzeilen – im Rahmen einer Testkampagne des brandneuen, in Pakistan entwickelten Marschflugkörpers Taimoor ("eisenhart").

Pakistan erhielt seine ersten Mirage III 1967. In den folgenden Jahrzehnten akquirierten die Pakistanis zahlreiche Gebrauchtexemplare, unter anderem aus Australien, Spanien und Frankreich. 2004 erwarb man zudem die gesamte libysche Mirage-Flotte mitsamt einem großen Schwung Ersatzteilen.
Erfolgreiche Testkampagne mit Mirage III
Der erste erfolgreiche Taimoor-Flugtest unter Einsatzbedingungen fand nach pakistanischen Angaben schon am 3. Januar statt. Zum Einsatz kam die Mirage IIIEP mit der taktischen Kennung 506.
Warum die Pakistanis für die Testkampagne ihrer neuesten Waffe ausgerechnet ihr ältestes Fighter-Muster heranzogen, bleibt offen. Mit dem Abschuss der einheimischen Cruise-Missile habe die pakistanische Rüstungsindustrie jedoch "einen weiteren bedeutenden Meilenstein gesetzt", bilanzierte das Verteidigungsministerium in Islamabad im Nachgang. "Der erfolgreiche Flugtest unterstreicht die technische Reife, Innovationskraft und Selbständigkeit, die die pakistanische Verteidigungsindustrie erreicht hat", so das Ministerium in seiner Stellungnahme.

Der wuchtige Taimoor-Marschflugkörper hängt beim Test unterm Rumpf der Mirage III. Er soll mindestens 600 Kilometer weit fliegen können.
Marschflugkörper made in Pakistan
Die Taimoor ist für den Präzisionseinsatz gegen feindliche Land- und Seeziele ausgelegt, besitzt einen konventionellen Sprengkopf und soll eine Reichweite von rund 600 Kilometern besitzen. "Ausgestattet mit einem hochmodernen Navigations- und Leitsystem ist Taimoor für den Flug in sehr niedrigen Höhen ausgelegt, wodurch es feindlichen Luft- und Raketenabwehrsystemen effektiv ausweichen kann", schreibt die pakistanische Luftwaffe. Wie vergleichbare Marschflugkörper, beispielsweise der deutsch-schwedische Taurus, fliegt die 4,38 Meter lange Taimoor-Lenkwaffe im Unterschallbereich Richtung Ziel.

Mitte der 90er erhielten die pakistanischen Mirage III das ROSE 1-Upgrade (Retrofit of Strike Element). Seither besitzen die Delta-Kampfjets unter anderem die Fähigkeit, Ziele außerhalb der Sichtweite (BVR, Beyond Visual Range) zu verfolgen.
Zukunft der Mirage III in Pakistan
Ob im praktischen Einsatz tatsächlich die Mirage III als Taimoor-Trägerin vorgesehen ist, haben die offiziellen Stellen bislang nicht konkretisiert. Primär dürfte die neue Cruise-Missile eher in die von Pakistan selbst gebaute JF-17 Thunder (Block III) integriert werden. Die Testkampagne mit der Mirage III deutet aber darauf hin, dass auch die ältesten Kampfjets im pakistanischen Arsenal einen entsprechenden Fähigkeitsaufwuchs erhalten könnten. Schließlich plant Pakistan laut offiziellen Quellen zwar, die Mirage III und 5 schrittweise auszumustern, will aber einen Teil der Flotte wohl bis weit in die 2030er Jahre weiterbetreiben.
Vereinzelt war in jüngster Vergangenheit sogar von einem Upgrade für die alten Jets in Form eines AESA-Radars und moderner Sensorik die Rede. Ob es so weit wirklich kommt, scheint angesichts des zweifelhaften Nutzens dieser Maßnahme allerdings fraglich.





