Neuer Marschflugkörper für Russlands schwere Bomber - CH-BD mit 6500 Kilometer Reichweite

Ch-BD für Tu-95 und Tu-160M
Neuer Marschflugkörper für Russlands schwere Bomber

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.10.2026
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Russlands strategische Bomberflotte ist in die Jahre gekommen. Die schweren Bomber Tu-95 und die Tu-160 wurden noch in der Sowjetunion entwickelt. Auf die beiden Modelle kann das russische Militär zur nuklearen Abschreckung dennoch nicht verzichten, denn eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht, wenngleich die Tu-160 eine umfassende Modernisierung durchläuft und mit diesem modernen Standard sogar wieder neu gebaut wird.

Nach Einschätzung des Londoner Royal United Services Institute (RUSI) könnte ein einziger neuer Waffentyp das Problem entschärfen: der Marschflugkörper Ch-BD.

Bomber gelten als nukleare Erstschlagswaffen, weil sie nur in der Anfangsphase eines Konflikts sicher einsetzbar sind. Die Ch-BD könne Ziele mit kurzer Vorwarnzeit bedrohen und künftige US-Raketenabwehr teilweise umgehen. Als Marschflugkörper könnte sie nach RUSI-Einschätzung einzelne Verteidigungsschichten überwinden und, weil sich kleine Radarsignaturen über dem Norden schwer orten lassen, als Bedrohung mit kurzer Vorwarnzeit wirken.

Günstig und in kleiner Stückzahl

Auch operativ rechnet die Studie mit Vorteilen. Größere Reichweiten erlauben kürzere Anflüge in die Patrouillengebiete, sodass ein größerer Teil der Flotte gleichzeitig in der Luft bleiben könnte. Eine bestätigte Ausstattung der Ch-BD mit Atomsprengköpfen gibt es bisher nicht. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Waffe mit konventionellen und mit Nuklearsprengköpfen ausgestattet werden kann.

Die Kosten dürften laut Analyse begrenzt bleiben. Für eine rein nukleare Rolle seien keine großen Serien nötig, die älteren Ch-101 und Ch-102 könnten weiter die Hauptwaffe für konventionelle Luftangriffe bleiben. Entsprechend geht RUSI davon aus, dass die Finanzierung der Ch-BD im kommenden Jahrzehnt voraussichtlich gesichert bleibt.

Modernisierung soll Bomber länger fit halten

Russlands geplanter neuer Bomber, die Tupolew PAK DA, die als strategischer Stealth-Bomber konzipiert wurde, sollte bereits im vergangenen Jahr ihren Erstflug absolvieren. Stattdessen tut sich bei dem Programm nicht viel. Bis eine solche Nachfolgerin entwickelt und einsatzfähig ist, dürften voraussichtlich noch viele Jahre vergehen.

Deshalb modernisiert Russland die bestehende Flotte weiter. Die Tu-95MSM erhält laut einem Herstellervertreter ein astronomisches Navigationssystem, das die Orientierung anhand von Sternen erlaubt und die Navigationsgenauigkeit deutlich erhöhen soll. Die jüngere Tu-160M verfügt zwar ebenfalls über ein solches System. Es soll auch Reichweite und Treffgenauigkeit der Waffen sicherstellen.

Tu-160M "zu 80 Prozent neu”

Laut Tupolew-Chef Juri Abrosimow wurden 80 Prozent der Systeme der Tu-160M erneuert, darunter Radar, Cockpit, Navigation, Elektronik und Triebwerke. Die Kampffähigkeit soll um 60 Prozent steigen. Die Maschine trägt standardmäßig die Marschflugkörper Ch-101 und Ch-102 sowie die Ch-BD, deren Reichweite angeblich bis zu 6.500 Kilometer beträgt.

Mit sechs Flugkörpern an Bord soll die Tu-160M bis zu 13.950 Kilometer weit fliegen. Der modulare Aufbau der Systeme soll künftige Upgrades erleichtern.

In Kasan wurden bisher wohl nur drei komplett neue Tu-160M gefertigt, zwei weitere stehen kurz vor der Fertigstellung. Von 16 Bestandsmaschinen wurden bis Sommer 2026 sieben aufgerüstet. Insgesamt dürfte Russland damit etwa zehn Tu-160M besitzen.