Die Wurzeln der Tupolew Tu-160 reichen bis in die späten Sechzigerjahre zurück. Seinen Jungfernflug feierte der Mach 2 schnelle Riesenbomber am 18. Dezember 1981. Doch mit dem Flugzeug von einst hat die neue Version Tu-160M (vormals auch M2 genannt) fast nur noch ihre Hülle gemeinsam. Unter der wie eh und je strahlend weiß lackierten Außenhaut arbeiten grundlegend überarbeitete, großenteils neu entwickelte Systeme.
"Wir haben 80 Prozent der Systeme und Ausrüstung modernisiert", gibt der aktuelle Generaldirektor von Tupolew, Juri Abrosimow, zu Protokoll. "Von außen ist der Tu-160M die klar erkennbare Silhouette ihrer Vorgängerin geblieben, aber im Inneren fußt sie auf einer völlig neuen Basis, erstellt unter aktivem Einsatz digitaler Technologien", so Abrosimow weiter. "Ein Großteil der Systeme, einschließlich der Kommunikation und Elektronik, der Navigation und der Triebwerke" seien bei der Tu-160M neu.
Gleichzeitig habe Tupolew mit einem modularen Aufbau der Bordausrüstung bereits die Grundlage für Modifikationen in der Zukunft geschaffen, unterstreicht der Chef des bekannten Flugzeugherstellers.
"Blackjack" auf der Höhe der Zeit
Durch das modulare Konzept könne Tupolew "mit der Zeit neue, fortschrittlichere Systeme einfach in das Flugzeug integrieren und veraltete ersetzen, ohne das gesamte System umzubauen." Damit sei es den verantwortlichen Ingenieuren möglich, "ständig auf die sich stellenden Anforderungen der Zeit zu reagieren" und das Waffensystem Tu-160M technisch dauerhaft auf der Höhe zu halten.
Ein völlig neu entwickeltes Bombermuster, in Russland seit Jahren unter dem Projektnamen PAK DA geführt (Perspektiwny Awiazionny Kompleks Dalnei Awiazii, Perspektivischer Flugkomplex der Fernfliegerkräfte), könnte angesichts dessen für die Zukunft an Bedeutung verlieren. Zumindest büßt der auch "Produkt 80" genannte neue Bomber (die Tu-160 firmiert als "Produkt 70") dadurch an Dringlichkeit ein.
Ein wirkliches Budget hat Russland für das PAK-DA-Programm ohnehin nicht, Entwicklungsarbeiten laufen seit vielen Jahren sehr schleppend und seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 scheint sich die Situation eher verschlechtert zu haben.

Die Produktion neuer Tu-160M erfolgt im Flugzeugwerk Kasan in Tatarstan, ebenso wie das Upgrade älterer Tu-160 auf den neuen Standard.
Die neuen Systeme der Tu-160M
Gegenüber den zwischen 1984 und 1994 produzierten, aktiven Tu-160 der russischen Luftwaffe soll die verbesserte Variante laut offiziellen Angaben eine um 60 Prozent erhöhte Kampffähigkeit besitzen. Aber wodurch unterscheidet sich die Tu-160M von der seit 1987 im Dienst stehenden Originalversion der "Blackjack" konkret?
Da wäre zunächst das neue Novella NV1.70-Radar von Zaslon, das das ältere Obsor-K für Zielanflug und Zielbekämpfung ablöst. Weiter besitzt die Tu-160M ein komplett neu gestaltetes Glascockpit mit Bildschirmen von UKBP aus Uljanowsk. Auch die Navigationssuite namens NO-70M ist neu, bestehend aus dem Trägheitsnavigationssystem BINS-SP-1, dem Astronavigationssystem ANS-2009M, einem neuen Satellitenempfänger sowie dem Navigationsradar DISS-021-70.
Neue Systeme zur elektronischen Kriegsführung und ein verbessertes Selbstschutzsystem namens Redut-70M hielten ebenfalls Einzug in die Zelle der Tu-160M. In den Waffenschächten finden standardmäßig weitreichende Marschflugkörper wie Ch-101, Ch-102 oder die weiterentwickelte Ch-BD (Produkt 506) Platz, die angeblich bis zu 6500 Kilometer Reichweite besitzt.

Mit einer Länge von 54,1 Metern, einer Spannweite von bis zu 55,7 Metern und maximal 275 Tonnen Abfluggewicht ist die Tu-160 aktuell das größte und schwerste Kampfflugzeug weltweit.
Das stärkste Jet-Triebwerk der Welt
Als Antrieb dienen der Tu-160M modernisierte NK-32-02-Turbofans von Kusnezow – mit jeweils 245 kN Nachbrennerschub der stärkste Antrieb, der je in einem serienmäßigen Kampfflugzeug zum Einsatz kam. Gegenüber den gleichstarken Vorgängertriebwerken NK-32-01 sollen die neuen Motoren für geringeren Verbrauch und bessere Flugleistungen sorgen – unter anderem dank neu gestalteter Verdichter- und Turbinenschaufeln.
Bestückt mit sechs Marschflugkörpern soll die Tu-160M mit ihren vier NK-32-02 bis zu 13.950 Kilometer weit fliegen – 1650 Kilometer weiter als die "alte" Tu-160.

Weitreichende Marschflugkörper wie die nuklearfähigen, mit Tarnkappentechnik ausgestatteten CH-101 (Foto) und CH-102 zählen zur Standardbewaffnung der Tu-160M.
Langsame Produktion in Kasan
Die Kehrseite der Medaille für Russlands Bomber-Bestrebungen ist allerdings, dass die (bereits vor über zehn Jahren verkündete) Produktion neuer Tu-160M im Flugzeugwerk Kasan sehr langsam läuft und auch die geplante Modernisierung der Bestandsflotte der russischen Luftwaffe längst nicht abgeschlossen ist.
Im Frühjahr 2018 unterzeichnete das russische Verteidigungsminsterium einen Vertrag über die Lieferung von zunächst zehn neuen Tu-160M zu einem Stückpreis von 15 Milliarden Rubel (damals rund 200 Millionen Euro). Das erste Flugzeug aus diesem Baulos, benannt nach der Weltraumpionierin Walentina Tereschkowa, startete am 12. Januar 2022 in Kasan zum Erstflug.

Bislang hat Russland in Kasan wohl drei komplett neue Tu-160M gefertigt. Zwei weitere Exemplare sollen sich ihrer Vollendung nähern.
So viele Tu-160M besitzt Russland bis jetzt
Zwei weitere neu gebaute Tu-160M wurden in den Jahren 2023 und 2024 fertiggestellt, die Übergabe an die russische Luftwaffe erfolgte im Dezember 2025. Ob im laufenden Jahr weitere "Blackjacks" hinzukommen, bleibt vorerst offen.
Von den 16 Bestandsflugzeugen waren mit Stand Sommer 2026 sieben auf den aktuellen Tu-160M-Standard aufgerüstet worden. Der Gesamtbestand an verbesserten "Blackjacks" beläuft sich bei den russischen Fernfliegerkräften damit höchstwahrscheinlich auf zehn Exemplare.





