Weil ein unbekanntes Flugzeug ohne eingereichten Flugplan und mit ausgeschaltetem Transponder im internationalen Luftraum über der Ostsee unterwegs war, schickte die polnische Luftwaffe am Freitag, dem 13. März, zwei Mikojan MiG-29 in die Luft, um nach dem Rechten zu sehen. Die Alarmrotte der Polen traf am Himmel auf eine Iljuschin Il-20M der russischen Luftwaffe, identifizierte diese visuell und geleitete sie aus dem polnischen Zuständigkeitsbereich.
"Das Flugzeug hat den polnischen Luftraum nicht verletzt", betonte die polnische Luftwaffe im Nachgang auf X und konstatierte: "Dank der hohen Einsatzbereitschaft der diensthabenden Streitkräfte, der Erfahrung der Piloten und der reibungslosen Funktion des Luftverteidigungssystems wurde die Aufgabe schnell, professionell und sicher ausgeführt." Obwohl zu keiner Zeit Gefahr bestand und die Polen das Rendezvous mit der Il-20M als Routineakt abhefteten, seien allerdings "die Streitkräfte der Republik Polen stets bereit, auf alle Bedrohungen unseres Luftraums zu reagieren."
Laut Angaben der polnischen Luftwaffe war es bereits das neunte Mal in diesem Jahr, dass NATO-Kampfjets über der Ostsee auf eine Il-20M trafen.
Rüstige Spionage-Iljuschin
Die Iljuschin Il-20M sieht alt aus – und das ist sie auch. Sie fliegt seit 1968, wurde nur 19-mal gebaut doch sie taucht bis heute regelmäßig im internationalen Ostsee-Luftraum auf – und "spioniert" dort für die russische Luftwaffe. Die betagte Turboprop-Viermot basiert auf dem Passagierflugzeug Il-18, ist im Gegensatz zum Ausgangsmodell jedoch vollgepackt mit Antennen und Systemen zur elektronischen Aufklärung (ELINT), Fernmeldeaufklärung (COMINT) und Satellitenkommunikation sowie für Radaraufzeichnung und Kartografie. In ihrer Rolle als Aufklärer ist sie deshalb für die Russen auch fast 60 Jahre nach dem Erstflug noch bedeutsam – verfügt sie doch nicht nur über sensible Technik, sondern auch über eine Flugdauer von bis zu zwölf Stunden. Darüber hinaus ist sie bewährt, robust und sicher, und außerdem günstig im Betrieb.
Eine echte Alternative zur Il-20M hat Russland (noch) nicht vorzuweisen – eines Tages könnte vielleicht die kleinere Il-114-300 in die Fußstapfen der Kalten Kriegerin treten, doch das ist Zukunftsmusik.
Polens MiG-29 vor dem Abschied
Auf der Gegenseite fliegen die polnischen MiG-29 derweil ihrem Dienstende entgegen. Polen und Bulgarien sind im NATO-Verbund die letzten Nutzer des legendären Sowjet-Fighters, in beiden Staaten ist die Nachfolge allerdings schon geregelt. Während die Bulgaren voll auf die F-16V von Lockheed Martin setzen, hat Polen südkoreanische KAI FA-50 und Lockheed Martin F-35A bestellt. Die polnischen MiGs stammen zum großen Teil aus alten NVA-Beständen, flogen nach der Wende für die gesamtdeutsche Luftwaffe weiter und wechselten im Jahr 2003 für den symbolischen Preis von einem Euro den Besitzer.
Einen Teil der MiG-Flotte gaben die Polen bereits 2023 an die Ukraine ab, Ende des vergangenen Jahres sah es so aus, als könne der Rest schon bald folgen. Trotzdem steht das Muster, stationiert in Malbork (Marienburg), offensichtlich immer noch im Einsatz. Wie lange Polen die MiG-29 noch fliegen wird, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Noch nicht einmal Angehörige der polnischen Luftwaffe wissen es genau.





