Rolltout-Feier bei Northrop Grumman
Stealth-Bomber B-21 Raider enthüllt

Sieben Jahre nach Auftragserteilung erlaubte die US Air Force am Freitagnachmittag Kalifornien Ortszeit einen kurzen Blick auf ihren Stealth-Bomber der nächsten Generation. Die neue B-21 Raider wurde im Werk Palmdale von Northrop Grumman präsentiert.

Rollout der B-21 in Palmdale.
Foto: USAF

Es war schon dunkel, als die Zeremonie um kurz nach 17 Uhr Ortszeit mit der Nationalhymne und dem Überflug der aktuellen Bomber B-52, B-1B und B-2A begann. Nach einer Einleitung von Cathy Warden, President des Herstellers Northrop Grumman, wurden die Hangartore geöffnet, das Verhüllungstuch weggezogen und die B-21 einige Meter nach vorn gezogen. Nach etwa 20 Minuten war sie wieder verschwunden.

Dieses Setting war bewusst gewählt worden, um so wenig wie möglich preiszugeben. So blieb die Flügelform und das Heck weiter im dunkeln, es gab praktisch nur eine Frontansicht. Dabei war zu bemerken:

Unsere Highlights

# die B-21 scheint in einem helleren grau lackiert als die B-2A

# der dicke "Bauch" zieht sich recht weit nach außen

# die extra schmalen Lufteinlassschlitze sind in den gewölbten "Rumpf"bereich integriert

# die Flügelforderkannte scheint über die gesamte Vorderkannte scharfkantiger als bei der B-2A

# die Fensterform aus den Zeichnungen mit den schmalen Seitenfenstern wurde bestätigt

# es gibt zwei Bugräder und das Hauptfahrwerk ist ebenfalls je zweirädrig

Natürlich lobten Admiral Grady (stellvertretender Joint Chiefs of Staff) und Verteidigungsminister Lloyd Austin III in ihren Ansprachen die B-21A in den höchsten Tönen. Es sei ein "stolzer Tag für das Land", der Bomber sein ein Ausdruck "der amerikanischen Ingenieurskunst" und werde die Fähigkeit zur Abschreckung verstärken.

Die B-21 wurde als am einfachst zu wartender Bomber aller Zeiten bezeichnet, die Stealth-Eigenschaften würden auch den besten Luftabwehrsystemen enorme Schwierigkeiten machen und die offene Architektur der Systeme werden für lange Zeit die Integration neuer Waffen ermögliche, "die noch nicht erfunden sind". Generell kann die B-21 sowohl Atombomben als auch konventionelle (Lenk-)waffen tragen. In Summe würden die USA "für Jahrzehnte" einen Vorteil haben.

"Mit der B-21 wird die US-Luftwaffe in der Lage sein, Bedrohungen überall auf der Welt abzuwehren oder zu besiegen", sagte Tom Jones, Corporate Vice President und President von Northrop Grumman Aeronautics Systems. Die B-21 ist in der Lage, sich im gesamten Kampfgebiet mit mehreren Systemen und in allen Bereichen zu vernetzen.

Die B-21 Raider wurde zu Ehren der Doolittle Raids im Zweiten Weltkrieg benannt, als 80 Männer unter der Führung von Oberstleutnant James "Jimmy" Doolittle mit 16 mittelgroßen B-25 Mitchell-Bombern zu einer Mission aufbrachen, die den Verlauf des Zweiten Weltkriegs veränderte. Die Bezeichnung B-21 weist den Raider als ersten Bomber des 21. Jahrhunderts aus.

Nach der Enthüllung steht für die B-21 nun die Bodentestphase an. Der Erstflug folgt dann irgendwann 2023 ("Der Zeitplan für den Erstflug ist daten- und ereignisabhängig, nicht datumsabhängig) und so mit etwa zwei Jahren Verspätung. Insgesamt sechs Prototypen werden gebaut, wobei einer für statische Tests reserviert ist. Sie werden auf derselben Produktionslinie gebaut, mit denselben Werkzeugen, Verfahren und Technikern, die auch die Serienflugzeuge gelten. "Dieser Ansatz hat es den Produktionsingenieuren und -technikern ermöglicht, die gewonnenen Erkenntnisse direkt auf die Folgeflugzeuge zu übertragen", dagt die USAF.

Das Flugtestprogramm wird hauptsächlich auf der von Palmdale nur wenige Kilometer entfernten Edwards AFB durchgeführt.

Die Lieferungen sollen dann "Mitte des Jahrzehnts" beginnen. Geplant ist die Beschaffung "mindestens 100" Maschinen. Der Stückreis soll durchschnittlich nicht über 692 Millionen Dollar (Preisstand 2022) liegen. Entscheidungen über die Standorte wurden bereits getroffen. Die Ellsworth AFB, South Dakota, wird die erste Hauptbetriebsbasis und formelle Ausbildungseinheit für die B-21 werden. Whiteman AFB, Missouri, und Dyess AFB, Texas, sind die bevorzugten Standorte für die übrigen Heimatbasen. Sie werden jeweils Flugzeuge erhalten, sobald diese verfügbar sind.

Die Raider wird dabei sowohl die den Stealth-Bomber Northrop Grumman B-2A Spirit (Whiteman AFB) als auch die Boeing (ehemals Rockwell) B-1B ersetzten, die nach Zulauf der neuen Maschinen sukzessive ausgemustert werden. Einzig die Boeing B-52H (möglicherweise umbenannt in B-52M) werden bis vielleicht 2050 bleiben. Für sie ist in den nächsten Jahren ein umfangreiches Upgrade der Avionik geplant. Auch eine Remotorisierung mit acht Rolls-Royce F130 (BR700-Familie) statt der uralten acht Pratt & Whitney TF33-P-3/103ist beauftragt.

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