Russische Tu-95MS-Bomber über Barents- und Norwegischer See unterwegs

Fünf Stunden Patrouillenflug für Raketenträger
Russische Tu-95MS über Norwegischer See unterwegs

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.09.2026
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Der Einsatz mit mindestens zwei der Langstreckenbomber dauerte den Angaben zufolge rund fünf Stunden und wurde zeitweise von Suchoi Su-33 der russischen Marine begleitet. Auf einzelnen Streckenabschnitten seien zudem Kampfflugzeuge anderer Staaten in der Nähe der Maschinen geflogen, um die Flugzeuge abzufangen.

Mitteilungen von der NATO über ein solches Abfangmanöver gibt es bisher keine. Stattdessen veröffentlichte das NATO‑Air-Command jedoch, dass ein NATO‑Kampfjet kurz nach Mitternacht am Dienstag, dem 15. September, über Litauen eine Drohne abgeschossen habe. Der nächtliche Abfangeinsatz war bereits der zweite drohnenbezogene Luftalarm in der Region Vilnius innerhalb von drei Tagen.

Kein Einzelfall

Solche Langstreckenpatrouillen sind für Russland keine Ausnahme und auch für die Tu-95 keine Neuerung. Erst im September 2025 hatten zwei Tu-95 zusammen mit zwei Su-35-Jägern die Luftraumüberwachungszone (ADIZ) vor Alaska durchflogen.

Das nordamerikanische Luftverteidigungskommando NORAD stufte den Vorgang als nicht bedrohlich ein und verwies darauf, dass russische Aktivitäten in der Zone regelmäßig stattfänden.

Neben Alaska und dem Nordatlantik haben Tu-95 und ihre seegestützten Schwestermuster Tu-142 in den vergangenen Jahren auch vor der französischen Atlantikküste sowie im Luftraum um Japan und Südkorea patrouilliert, wobei einzelne Maschinen sogar in China landeten. Die Häufung solcher Flüge gilt Experten als Indiz dafür, dass Russland trotz des Alters der Flotte weiterhin auf die Bomber als sichtbares Instrument militärischer Machtdemonstration setzt.

Bombertyp aus dem Kalten Krieg

Die Tu-95, von der NATO unter dem Codenamen "Bear" geführt, gehört zu den ältesten noch aktiven Militärflugzeugtypen der Welt. Der erste Prototyp startete bereits im November 1952.

Die heute im Dienst stehenden Maschinen wurden allerdings deutlich später gebaut. Die aktuelle Bombervariante Tu-95MS stammt aus den 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Insgesamt wurden 88 Exemplare in Taganrog und Samara gefertigt.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums lassen sich die viermotorigen Turboprops mit sorgfältiger Wartung bis zu 45 bis 50 Jahre im Einsatz halten.

Bewaffnet ist die Tu-95MS klassischerweise mit sechs nuklearfähigen Unterschall-Marschflugkörpern des Typs Ch-55SM mit einer Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern, alternativ mit der nichtnuklearen Variante Ch-555.

Seit 2014 werden Teile der Flotte modernisiert, um den größeren Marschflugkörper Ch-101 beziehungsweise dessen nukleare Version Ch-102 zu tragen.

Parallel arbeitet der Hersteller Tupolew an der weiterentwickelten Version Tu-95MSM mit neuem Radar, modernisierter Avionik und einem Glascockpit. Der Erstflug einer kompletten Maschine dieses Typs fand im August 2020 statt, seither gibt es aber kaum offizielle Fortschrittsmeldungen.