Super Flanker im Visier
Der Iran will in Russland Su-35 einkaufen

Iranische Kampfpiloten könnten schon bald im Cockpit russischer Top-Fighter sitzen: Nach eigenen Angaben ist die Luftwaffe des Iran äußerst interessiert, sich in Russland mit Suchoi Su-35S einzudecken. Gut für die Iraner: Ein Teil der Jets ist bereits produziert.

Der Iran will in Russland Su-35 einkaufen
Foto: UAC

Das Thema ist nicht neu: Bereits im Januar schrieb der iranische Journalist und Militärexperte Babak Taghvaee, Russland und der Iran stünden vor der Unterzeichnung eines milliardenschweren, auf eine Laufzeit von 20 Jahren angelegten Rüstungskontrakts. Dieser Kontrakt umfasse neben zahlreichen anderen Programmen auch den Kauf von bis zu 24 hochmodernen Kampfjets des Typs Suchoi Su-35S. Von offizieller Stelle blieb die Angelegenheit seinerzeit unkommentiert – und ob der angesprochene Rüstungsdeal tatsächlich schon in irgendeiner Form zustande kam, ist unklar.

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Die Su-35S ist Russlands bestes Kampfflugzeug unterhalb des neuen Stealth Fighters Su-57.

"Thema auf der Tagesordnung"

Acht Monate später jedoch steht die Su-35S im Iran höher im Kurs denn je – und dieses Mal ist das Interesse hochoffiziell: "Dieses Thema steht auf der Tagesordnung, und wir hoffen, dass wir diese Kampfjets der Generation 4++ in Zukunft bekommen können", zitiert die iranische Nachrichtenagentur Borna den Kommandanten der iranischen Luftwaffe, Hamid Vahedi. Ihm zufolge sei die vormals ebenfalls diskutierte Anschaffung von doppelsitzigen Su-30 damit vom Tisch, wobei die endgültige Entscheidung über den Kauf der Su-35 bei der Armee und dem Generalstab der Streitkräfte liege.

Suchoi / UAC
Schätzungen zufolge hat der Iran Bedarf für "mindestens 64" Su-35S. Die ersten 24 Stück dürften aus einem stornierten Auftrag Ägyptens stammen.

Für Ägypten gebaut

Ein Vorteil für den Iran wäre, grünes Licht aller Beteiligten vorausgesetzt, dass die ersehnten Top-Fighter – zumindest teilweise – schon sehr kurzfristig verfügbar wären. Denn bei den Maschinen, die zur Diskussion stehen, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die (mindestens) 24 Su-35SE, die Russland eigentlich nach Ägypten verkauft hatte. Die Ägypter waren, unter der Androhung von Sanktionen durch die USA, von dem Geschäft jedoch zurückgetreten. Gut 15 bereits für Ägypten hergestellte Su-35SE stehen seither beim Flugzeugwerk KnAAPO in Komsomolsk am Amur auf dem Hof, die russische Flugzeugbau-Holding UAC (OAK) sucht nach neuen Abnehmern – im Auftrag Ägyptens, wie es heißt. In diversen iranischen Medien ist zudem ein Bedarf von etwa 60 Su-35S im Gespräch, von denen später ein Teil gar in iranischen Fabriken endmontiert werden könne. Babak Taghvaee schätzt den Gesamtbedarf an Su-35S in einem Twitter-Beitrag auf "mindestens 64" Exemplare ein.

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Finanzielle Fragen

Nicht zweifelsfrei bekannt ist, wie der Iran die Flugzeuge bezahlen will. Die Kosten für die 24 ägyptischen Su-35S, inklusive Equipment, werden mit drei Milliarden US-Dollar beziffert – eine Summe, die der Iran laut Angaben von Babak Taghvaee aus dem Januar dieses Jahres nicht in Devisen, sondern in Barrel Rohöl bezahlen will. Das erscheint einerseits skurril, besitzt Russland doch selbst große Erdölreserven. Allerdings dürfte ein solch teures Geschäft – so es denn zustande kommt – für die Islamische Republik nur so überhaupt wirtschaftlich stemmbar sein.

Zwischenzeitlich hat sich die Verhandlungsposition der Iraner gegenüber Russland aber auch deutlich verbessert. Unter dem Eindruck der gegen Russland gerichteten Sanktionen des Westens im Zuge des Ukraine-Krieges sind die beiden Nationen politisch und militärisch näher zusammengerückt. So hat Russland laut Medienberichten im großen Stil iranische Drohnen eingekauft.

USN
Der Iran besitzt eine großteils veraltete Fighter-Flotte - und ist zum Beispiel der weltweit letzte Nutzer der Grumman F-14 Tomcat.

Ein großer Wurf für den Iran

Für die Luftwaffe des Iran wäre der Erhalt eines derart modernen Kampfjet-Musters wie der Su-35 ein enormer Schritt nach vorn. Das bisherige Arsenal der iranischen Luftwaffe besteht großteils aus einem veralteten Mix sowjetischer und US-amerikanischer Flugzeuge wie MiG-29 und Su-24 sowie F-14 Tomcat und F-4 Phantom II. Erstere sollen laut Babak Taghvaee mithilfe Russlands modernisiert werden, letztere wurden noch vor der Islamischen Revolution im Jahr 1979 an die Regierung des Schahs von Persien geliefert.

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Die Su-35S dagegen besticht mit moderner Avionik und Glascockpit sowie leistungsstarker Radartechnologie in Gestalt des PESA-Radars Irbis-E, das bis zu 30 Ziele gleichzeitig verfolgt. Sie verfügt ferner über ein breit angelegtes Waffenarsenal, mit dem sie je nach zugeteilter Rolle Ziele auf See, an Land sowie in der Luft ausschalten kann. Berühmt-berüchtigt ist die Su-35S vor allem für ihre eine enorme Wendigkeit. Mit Schubvektordüsen und volldigitaler Flugsteuerung lässt die "Super-Flanker" physikalische Gesetze wie bloße Empfehlungen erscheinen.

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