In der saudischen Hauptstadt Riad findet dieser Tage die World Defense Show statt – Saudi-Arabiens größte Rüstungsmesse, die auch weltweit zunehmend Bedeutung erlangt. Nicht zum ersten Mal präsentiert sich vor Ort unter anderem die türkische Rüstungsindustrie mit einem prominenten Auftritt. Vor allem der neue türkische Kampfjet Kaan steht in Riad dieses Jahr im Fokus, auch weil die Türken auf der Suche nach potenten Geschäftspartnern für Kaan wiederholt in Saudi-Arabien anklopfen.
Dieses Engagement bleibt offenbar nicht ohne Eindruck und könnte zeitnah ernsthafte Früchte tragen. So erklärte der Chef des Kaan-Herstellers Turkish Aerospace, Mehmet Demiroğlu, am Rande der World Defense Show gegenüber Journalisten, man befinde sich in einer finalen Phase zur Vereinbarung einer Zusammenarbeit mit den Saudis hinsichtlich des Stealth-Jets.
Wie die im Raum stehende Kooperation im Detail aussehen wird, konnte oder wollte Demiroğlu allerdings noch nicht sagen. "Wir hoffen, dieses Jahr einen Meilenstein zu erreichen, den Start eines Programms auf irgendeiner Ebene", kommentierte der Turkish Aerospace-Boss.
Kaan-Endmontage in Saudi-Arabien?
An seinem Messestand zeigt Turkish Aerospace in Riad dieses Jahr ein Kaan-Modell mit der Flagge Saudi-Arabiens am Heck. Im Gespräch mit den Medienvertretern skizzierte Demiroğlu, selbst Luft- und Raumfahrtingenieur, die Möglichkeit einer Kaan-Endmontagelinie in Saudi-Arabien. Diese lohne sich aber erst ab einer "bestimmten Zahl" von Flugzeugen, zitiert ihn das Portal Breaking Defense. "Wenn man hier [in Saudi-Arabien] etwas bauen will, wie zum Beispiel eine Endmontagelinie, dann legt unsere Machbarkeitsstudie nahe, dass es mindestens 50 [Flugzeuge] sein sollten."
Sollten sich die Saudis dazu nicht durchringen können, wäre Turkish Aerospace auch mit dem Verkauf einer kleineren, in der Türkei gefertigten, Anzahl Kaan-Jets an Riad zufrieden. Demiroğlu sprach in diesem Zusammenhang von einer "kleinen Staffel", bestehend aus etwa 20 Maschinen.
Letztlich laufe es darauf hinaus, wie sich Saudi-Arabien zu den türkischen Offerten positioniere. Im Grunde sei "praktisch alles besprochen", so Demiroğlu weiter. "Der Zeitplan, der Nutzen, die Kosten, alle Machbarkeitsstudien liegen vor." Deshalb warte man nun nur noch auf die Entscheidung der "saudischen Freunde" bezüglich Art und Umfang der Kooperation. Diese soll nach Demiroğlus Worten möglichst noch in diesem Jahr fallen.
Interessen der Türkei und Saudi-Arabiens
Die Türkei ist bereits seit geraumer Zeit auf der Suche nach finanzstarken internationalen Partnern für ihr bisher ambitioniertestes Flugzeugprojekt Kaan, dessen zweiter Prototyp in diesem Jahr erstmals fliegen soll. Gespräche mit Saudi-Arabien gab es dazu offiziell seit Ende 2024.
Die saudische Regierung ist derweil ihrerseits bestrebt, im Zuge des Programms "Saudi Vision 2030" die einheimische Industrie auszubauen und zu stärken – womit die Beteiligung als Partner an einem Kampfjet-Programm wie Kaan über die Rolle als Finanzier hinaus durchaus attraktiv wirken dürfte.

Bislang existiert nur ein einziger Kaan-Prototyp, der obendrein nur sporadisch flog. Das soll sich 2026 jedoch ändern.
Erdoğans Staatsbesuch in Riad
Darüber hinaus rückten die Türkei und Saudi-Arabien gerade auch auf dem Sektor der Verteidigung und Rüstungskooperation zuletzt demonstrativ zusammen. Anfang Februar weilte der türkische Präsident Erdoğan zu Gesprächen diesbezüglich in Riad, in deren Anschluss Erdoğan davon sprach, man habe vor Ort "wichtige" Kooperationsabkommen im Bereich der Verteidigungsindustrie abgeschlossen und seine Regierung plane, diese weiter auszubauen.
Ausdrücklich nannte Erdoğan in diesem Kontext auch den Kampfjet Kaan, für den die türkische Seite bei seinem Besuch in Riad "viel positives Feedback" erhalten habe. Der Staatschef sprach von einer "gemeinsamen Investition mit Saudi-Arabien in diesem Bereich", die man seitens der Türkei "jederzeit umsetzen" könne. Die Saudis begleiteten das Kaan-Programm mit wachsendem Interesse, so Erdoğan weiter. Schließlich sei Kaan "nicht nur ein Kampfflugzeug", sondern außerdem auch "ein Symbol für die Ingenieurskompetenz der Türkei und ihren Willen zur Unabhängigkeit auf dem Verteidigungssektor."





