Ukraine reklamiert über 1300 Abschüsse für ihre F-16 im Krieg gegen Russland

Kriegseinsatz gegen Russland
Ukraine reklamiert 1300 Abschüsse für ihre F-16

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.01.2026
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F-16AM der ukrainischen Luftwaffe beim Start mit Nachbrenner.
Foto: Ukrainische Luftwaffe

Die Luftwaffe der Ukraine feiert die F-16: Als die ersten, aus den Niederlanden gelieferten, Maschinen "im August 2024 am ukrainischen Himmel" auftauchten, sei das "ein historischer Moment für unser Land" gewesen, schrieben die Ukrainer schon im November des vergangenen Jahres auf Facebook. Die Schlagkraft der F-16 markiere einen "bedeutenden Durchbruch beim Ausbau der Fähigkeiten der Luftstreitkräfte". Der erste West-Kampfjet in ukrainischen Diensten sei rasch "zu einem wirksamen Instrument" im Abwehrkampf "gegen den Aggressor" Russland integriert worden: "Die ukrainischen Piloten haben sich schnell mit der neuen Technik vertraut gemacht."

Weiter schrieben die Ukrainer auf Facebook, die F-16 erzielten "bei der Abwehr feindlicher Angriffe konstant hohe Ergebnisse" – und gaben an, mit ihren Fighting Falcons bereits mehr als 1300 gegnerische Lufziele unschädlich gemacht zu haben. Bei Luftunterstützungsmissionen für die eigenen Truppen hätten ukrainische F-16-Piloten darüber hinaus "mehr als 300 Bodenziele getroffen und Hunderte von feindlichen Fahrzeugen, Kommandoposten, Drohnen-Kontrollpunkten, Munitionsdepots und Logistikzentren des Feindes zerstört."

F-16 sollen Angriffe provozieren

In einem Video, in dem ein ukrainischer F-16-Pilot selbst zu Wort kommt, konkretisiert die ukrainische Luftwaffe nun den Einsatzalltag mit den aus NATO-Gebrauchtbeständen stammenden US-Kampfjets. Auch der für seine Statements zur Unkenntlichkeit maskierte Flugzeugführer sagt, dass die primäre Rolle der F-16 in der Luftverteidigung liege – und die Jets im Zuge dessen vor allem heranfliegende russische Marschflugkörper sowie Kamikazedrohnen bekämpfen. Demnach dienen die ukrainischen F-16 vorrangig dazu, Lücken in der bodengestützten Luftverteidigung zu schließen und Angriffe auf ukrainische Städte und kritische Infrastruktur zu vereiteln.

Auch als "Lockvögel", die russische Raketenstarts provozieren und feindliche Angriffe auf sich ziehen sollen, werden die F-16 offenbar verwendet. Auf diese Weise sollen die F-16 anderen ukrainischen Kampfjets den Weg für Bodenangriffe auf russische Ziele freiräumen.

"Dieser Krieg ist grundlegend anders"

Der interviewte Pilot betont, dass er und seine Kameraden die in ihrer Ausbildung von ausländischen Partnern erlernten Kampftaktiken nicht ohne Weiteres in der tatsächlichen Praxis umsetzen konnten. "Die Taktiken, die uns beigebracht wurden, waren für den Krieg, den wir führen, nicht vollumfänglich geeignet. Dieser Krieg ist grundlegend anders." Zwar habe es sich bei dem bislang im Ausland auf F-16 umgeschulten Personal durchweg um erfahrene Piloten gehandelt, doch zurück in der Heimat "mussten wir erst einmal überdenken, wie wir das Flugzeug einsetzen sollten", heißt es im Video. Auch in ihrem Facebook-Beitrag vom November 2025 betonte die ukrainische Luftwaffe "die Einführung eigener innovativer Ansätze" als Schlüssel zum Erfolg im Kampf.

F-16 der ukrainischen Luftwaffe am Boden
Come Back Alive/Ukrnafta

Bedrohung durch russische Abfangjäger

Die direkte Konfrontation mit russischen Kampfflugzeugen gehört auf alle Fälle nicht zum alltäglichen Einsatzspektrum der ukrainischen F-16. Die feindlichen Fighter operieren in der Regel aus sicherer Entfernung und lauern laut Angaben des Piloten oft in großer Höhe. "Fast jede Mission in Frontnähe beinhaltet russische Raketenangriffe auf ukrainische Flugzeuge, meist mit Luft-Luft-Raketen." Die Frontlinie sei dicht mit russischen Luftverteidigungssystemen und Flugzeugen besetzt. "Die größte Bedrohung geht von russischen Kampfflugzeugen wie der Su-35, der Su-57 und der MiG-31 aus." Bei Missionen nahe der Kontaktlinie seien sie gezwungen, tief zu fliegen, um der Bedrohung durch feindliche Raketen zu entgehen. "Wir müssen auch Manövertaktiken anwenden, wenn feindliche Flugzeuge Luft-Luft-Raketen auf unsere Maschinen abfeuern. Aber trotz dieser Einschränkungen erfüllen wir unsere Aufgabe. Wir wissen, dass wir ein Risiko eingehen."

Bestätigte Abschüsse russischer Kampfjets durch F-16 wurden vonseiten der Ukraine bis jetzt noch nicht gemeldet. Dafür habe ein einzelner F-16-Pilot in einem Einsatz sechs russische Marschflugkörper abgeschossen, davon zwei mit der bordeigenen 20-Millimeter-Kanone, berichtet der Pilot im Video.

Welche Waffen setzt die Ukraine an der F-16 ein?

Neben der Kanone scheinen die Ukrainer vor allem Luft-Luft-Raketen der Typen AIM-9 Sidewinder und AIM-120 AMRAAM einzusetzen, wie die im Video gezeigten Filmsequenzen suggerieren. Um Kosten zu sparen und beim Einsatz gegen Billig-Einwegdrohnen wie die Shahed das knappe Arsenal der teuren Lenkwaffen bestmöglich zu schonen, scheint man auch auf lasergelenkte 70-Millimeter-Raketen zurückzugreifen, die mithilfe des Zielbehälters Sniper ATP auf heranfliegende Eindringlinge abgefeuert werden.

Um für die Russen möglichst kein leichtes Ziel am Boden zu werden, wechseln die Ukrainer zudem regelmäßig ihre Stationierungsorte und operieren offenbar auch von Behelfsflugplätzen sowie Autobahnen. Piloten und Bodenpersonal "arbeiten unter extrem schwierigen Bedingungen", betont die ukrainische Luftwaffe. Das größte Nadelöhr aber sei die Nachschubversorgung mit Bewaffnung aus dem Westen: "Das Einzige, was derzeit alle beschäftigt, ist die reibungslose und rechtzeitige Lieferung von Flugzeug-Waffen durch westliche Partner."