Ein Artikel des US-Portals Defense Daily, der sich auf einen anonymen Informanten stützte, sorgte dieser Tage international für Aufregung. Der Insider erklärte, die US Air Force würde seit Juni 2025 neue F-35A ohne Radar erhalten, die sich nur im Verbund mit anderen, älteren F-35 einsetzen ließen, die ihrerseits ein Radar besäßen und ihre Daten mit den "blinden" Schwester-Kampfjets teilen könnten.
Der Grund für diese Improvisation: Seit dem Produktionslos 17 würden F-35A für die US-Luftwaffe mit Halterungen für das neue AN/APG-85-Radar produziert – dessen Entwicklung sich allerdings um rund zwei Jahre verzögert. Da das bisher genutzte AN/APG-81 nicht mit der Montagevorrichtung für das APG-85 kompatibel sei, übergebe Lockheed Martin die Stealth-Fighter einfach ganz ohne Radar, dafür mit entsprechenden Ausgleichsgewichten in der Nase.
Äußerungen offizieller Stellen und Politiker, die von Defense Daily zum Sachverhalt befragt wurden, blieben vage und ließen viel Interpretationsspielraum. Er wisse zwar alles darüber, aber das sei geheim, sagte beispielsweise der republikanische Verteidigungspolitiker Rob Wittman aus Virginia.
US Air Force dementiert "unaufgefordert"
Die Air Force selbst wollte sich, "aus Gründen der Programmsicherheit", zunächst auch nicht im Detail äußern. Gegenüber der US-Webseite "The War Zone" (TWZ) tat sie es nun allerdings doch – und dementierte, dass sie radarlose Jets von Lockheed Martin erhalten habe: "Die Flugzeuge der Serie 17 der F-35A der US-Luftwaffe werden mit APG-81-Radargeräten ausgeliefert", ließ man demnach über einen Sprecher ausrichten.
Das Dementi erreichte "The War Zone" nach Angaben des Portals "unaufgefordert" – scheint aber eine direkte Reaktion der US-Luftwaffe darauf zu sein, dass auch "The War Zone" über die vermeintlich "blinden" F-35-Jets berichtet hatte. Mehrere internationale Medien hatten zu diesem Zeitpunkt die Geschichte ebenfalls aufgegriffen.

Die F-35 Lightning II gilt als modernster Fighter der Welt - das Block 4-Upgrade soll dem Stealth-Jet diese Spitzenposition langfristig sichern.
Neues Radar und altes Radar
Das neue AN/APG-85-Radar, wie das Vorgängermodell von Northrop Grumman entwickelt, ist eines der zentralen Elemente für das Block 4-Upgrade der F-35, mit der das Stealth-Kampfflugzeug fit für die kommenden Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte gemacht werden soll. Das Projekt hat aber seit Jahren mit Verzögerungen und Problemen zu kämpfen und kommt weit weniger schnell voran als ursprünglich geplant.
Die Entwicklung des APG-85 verzögert sich wohl im Speziellen wegen Problemen bei Kühlung und Leistungsaufnahme. Die für die Nutzung des neuen Radars konfigurierten Jets könne man aber nicht ohne Weiteres mit dem alten APG-81 bestücken, hatte unter anderem der Republikaner Wittman öffentlich erklärt: "Das APG-81 unterscheidet sich stark vom APG-85, und daher ist die Auslieferung des Flugzeugs in der aktuellen Konfiguration mit einem APG-85-Radar anstelle eines APG-81-Radars eine Herausforderung", so Wittman. Grund dafür seien bauliche Veränderungen am Schott der F-35, die es für die Aufnahme des APG-85 brauche.

Ob neue F-35A an die USAF ohne Radar geliefert werden? Die Air Force selbst bestreitet das in einer Stellungnahme.
Details bleiben im Dunkeln
Ob die US Air Force nun, entgegen ursprünglicher Pläne, seit Juni 2025 neue F-35 mit APG-81-Radar, und somit mit alter Konfiguration erhält, ob diese Jets irgendwann später einmal mit dem neuen APG-85 nachgerüstet werden können (und sollen), oder ob das Dementi zu den vermeintlich radarlosen F-35 am Ende gar doch gar nicht der Wahrheit entspricht, bleibt vorerst offen. "Die konkreten Modernisierungspläne, Fähigkeiten und Zeitpläne sind weiterhin geheim, um die Sicherheit des Programms zu gewährleisten", ließ die US-Luftwaffe dazu gegenüber TWZ über ihren Sprecher ausrichten. Man arbeite aber weiter "mit dem F-35 Lightning II-Joint Program Office zusammen, um die F-35 mit APG-85-Radargeräten auszurüsten."





