US-Tanker KC-46A
Eineinhalb Tage nonstop in der Luft​

Eine KC-46A Pegasus der US-Luftwaffe ist in New Hampshire gestartet – und erst nach 36 Stunden und 16.000 Nautischen Meilen wieder gelandet. Der Grund des ungewöhnlichen Rundflugs: Beweisen, dass man es kann!

Eineinhalb Tage nonstop in der Luft​
Foto: USAF

Die U.S. Air Force befindet sich derzeit in einer Zwickmühle: Ihre Lutbetankungsflotte ist steinalt. Zum einen besteht sie aus KC-135 "Stratotanker". Der Vierstrahler wurde aus der Boeing 367-80 entwickelt, dem ersten Passagierjet-Prototypen von Boeing, der 1956 seinen Erstflug hatte. Auch das zweite Muster, das die US-Luftwaffe im Einsatz hat, ist in die Jahre gekommen: Der Dreistrahler KC-10 – basierend auf McDonnell Douglas' DC-10-30CF, wurde erstmals 1981 an die USAF ausgeliefert – zu einer Zeit also, als US-Präsident Ronald Reagan gerade mal eben im Amt war.

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Pannen-Tanker KC-46A

Als Ersatz soll die KC-46A dienen, ein Tanker auf Basis der Boeing 767. Doch die 2019 begonnene Auslieferung verläuft alles andere als glatt: Mehrfach verweigerte die Luftwaffe aufgrund von gefährlichen Qualitätsmängeln die Abnahme, mit dem Flugzeug kommt es immer wieder zu Problemen. Erst kürzlich wurde eine Pegasus bei der Luftbetankung von ihrem eigenen Tankausleger beschädigt.

Bis mindestens 2025 sollen die Schwierigkeiten mit dem Tanker verhindern, dass er für sämtliche ihm zugedachten Aufgaben einsetzbar ist. Ein weiteres Problem für die USAF: Bisher ist die Anschaffung von insgesamt 179 KC-46A für knapp fünf Milliarden US-Dollar geplant. Langfristig muss die Luftwaffe aber 398 der alten Stratotanker ausmustern. Ein 1:1-Ersatz ist so also unmöglich.

Bisher ungedachte Einsatzoptionen

Der 36-Stunden Flug einer Pegasus sollte nicht zuletzt belegen, dass es darauf nicht unbedingt ankommt – und zeigen, dass mit dem Flugzeug Dinge möglich sind, an die Militärstrategen bislang noch gar nicht dachten. "Diese Gesamtstreitkräfte-Mission unterstreicht die Notwendigkeit, anders zu denken, die Art und Weise, wie wir arbeiten, zu ändern und den gemeinsamen Streitkräften Optionen zu bieten", sagte General Mike Minihan, der Chef des Air Mobility Command, in einer Erklärung.

USAF
Insgesamt dreimal wurde die KC-46 während der 36-stündigen Mission selbst betankt.

Bei der Mission betankte die KC-46 über dem Pazifik auf Hawaii stationierte F-22-Kampfjets. Dabei wurde die Pegasus dreimal selbst von anderen KC-46 in der Luft betankt. Am Ende des Flugs kehrte der Tanker wieder zu seinem Startplatz, der Pease Air National Guard Base, zurück.

USAF
Ein F-22 Raptor wartet am Flügel der Pegasus auf seine Betankung.

Die Mission war nicht der erste Extrem-Einsatz, mit dem die Luftwaffe die Möglichkeiten des Flugzeugs derzeit ausreizt: Vorangegangen waren bereits Flüge über mehr als 20 Stunden und eine Mission mit ledigliche einer Minimalcrew, bestehend aus einem Piloten und einem Betankungsoffizier an Bord.

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