Missglückte Luftbetankung
Tankausleger bricht und schlägt Beule in Pegasus-Heck

Eine F-15 der USAF trifft sich zum Auftanken über dem Atlantik mit einer KC-46A Pegasus. Doch das Rendezvous misslingt, der Tankausleger löst sich gewaltsam von dem Kampfjet, schnappt zurück – und schlägt eine zünftige Beule ins Heck der Pegasus. Ein Millionenschaden.

Tankausleger bricht und schlägt Beule in Pegasus-Heck
Foto: USAF

Ein neuer Zwischenfall mit dem "Pannen-Tanker" KC-46A Pegasus beschäftigt aktuell die US Air Force. Wie unter anderem das US-Portal Defense News berichtet, war eines der neuen Tankflugzeuge am 15. Oktober vom schottischen Flughafen Glasgow-Prestwick mit Ziel Lakehurst (New Jersey) gestartet und sollte unterwegs über dem Atlantik eine F-15 Eagle mit Sprit versorgen. Der Fighter hatte bereits angedockt, allerdings lief der Tankvorgang alles andere als plangemäß: Am Ende des Zusammentreffens hatte die KC-46A einen Riss im Tankausleger und eine mächtige Delle unterm Leitwerk. Mindestens 2,5 Millionen US-Dollar seien nötig, um den Schaden zu beheben, heißt es aus Air Force-Kreisen.

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"Brute-Force-Trennung"

Die Ermittlungen zu dem Zwischenfall dauern noch an, jedoch kursieren bereits erste Mutmaßungen zum Unfallhergang. "Die Ermittler glauben, dass die beiden Flugzeuge während des Rendezvous mit so unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs waren, dass sich der Tankausleger gewaltsam vom Kampfjet löste und zurück in die KC-46 schlug", schreibt Defense News unter Berufung auf Air Force-Kreise. Derlei "Brute-Force-Trennungen" seien zwar sehr selten, kämen aber vor, zitiert das Portal eine Sprecherin des Air Mobility Command (AMC), dem die Pegasus-Flotte unterstellt ist. Das Flugzeug habe seinen Flug anschließend fortgesetzt und sei sicher in Lakehurst gelandet, die F-15 habe keine Schäden davongetragen. Die AMC-Sprecherin ergänzte, das Ereignis werde als potenzielles Missgeschick der Klasse A untersucht. In diese Kategorie fallen bei der USAF per Definition Unfälle mit Todesopfern und/oder mehr als zwei Millionen US-Dollar Sachschaden. Ergebnisse der Untersuchung erwartet die Sprecherin nach eigenen Angaben Ende November.

Auf Instagram tauchte indessen ein Foto vom beschädigten Heck des Tankers auf – verbunden mit massiver Kritik an Bestrebungen, die KC-46A in besonderen Fällen auch mit reduzierter Crew einzusetzen. Versuche dazu gingen im Oktober rund um die McConnell Air Force Base in Kansas über die Bühne.

Boeing KC-46A Pegasus der USAF betankt eine F-15E Strike Eagle.
USAF
Eine F-15E nähert sich einer KC-46A Pegasus, um aufzutanken. Ein solches Zusammentreffen endete für den Tanker im Oktober ziemlich unschön.

Problembereich Tankausleger

Probleme mit dem Tankausleger, dem sogenannten "Boom", sind für das Pegasus-Programm alles andere als neu. Bereits in der Flugerprobung der KC-46A sorgte der per Fly-by-Wire gesteuerte Boom für Schwierigkeiten – die bis heute nicht behoben sind. Er fühlt sich in bestimmten Situationen zu steif an und erfordert zum Beispiel einen Gegendruck von etwa 635 Kilogramm, um im Tankstutzen einzurasten. Leichtere Flugzeuge wie insbesondere die A-10 Thunderbolt II haben damit Schwierigkeiten, für sie müssten es eher 295 Kilogramm sein. Boeing verpflichtete sich 2019 in einem 55,5 Millionen US-Dollar umfassenden Vertrag, das Verhalten des Auslegers zu korrigieren, konnte bislang jedoch mit keiner Lösung aufwarten.

Für den aktuellen Zwischenfall scheint diese offene Baustelle, eine von vielen für die KC-46A, nicht relevant: Laut USAF ist ein systemisches Problem als Ursache für die "Brute-Force-Trennung" eher unwahrscheinlich.

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