Tanker ohne Copilot
KC-46A Pegasus fliegt Mission mit reduzierter Crew

Tankflugzeuge sind tragende Säulen für die moderne Luftkriegsführung und müssen im Notfall auch unter erschwerten Bedingungen operieren können. Die US Air Force ließ eine KC-46A Pegasus deshalb mit nur einem Piloten aufsteigen – testweise.

KC-46A Pegasus fliegt Mission mit reduzierter Crew
Foto: Patrick Zwerger

Ein einzelner Pilot im Cockpit, ein einzelner Boom-Operator – mehr braucht eine KC-46A nicht, um eine Tanker-Mission erfolgreich auszuführen. Das zumindest ist die Quintessenz, die die US Air Force (USAF) aus zwei Testflügen zieht, bei denen sie den Betrieb des Zweistrahlers einer reduzierten Crew unter die Lupe nahm.

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Die KC-46A Pegasus soll künftig bei Bedarf auch Einsätze mit nur einem Piloten im Cockpit absolvieren können.

Einsatzklar mit reduzierter Besatzung

Im Normalfall besteht eine KC-46-Besatzung aus drei Personen – dem Piloten, dem Copiloten und dem Boom-Operator, der die Luftbetankungen koordiniert. Bei langen Einsätzen wird das Personal auf bis zu fünf Mann aufgestockt. Der Gedanke, Tankermissionen mit einer nur zweiköpfigen Crew zu trainieren, trägt nach Angaben der US-Luftwaffe dem Szenario Rechnung, dass bei feindlichen Angriffen auf einen US-Stützpunkt möglicherweise nicht alle Crewmitglieder rechtzeitig zu ihrem Flugzeug gelangen – oder dass unterwegs ein Crewmitglied ausfällt. Um in einem solchen Fall trotzdem rasch und zielführend handeln zu können, sollen die Pegasus-Tanker zur Not auch mit reduzierter Besatzung voll einsatzfähig sein. Außerdem könne man so im Langstreckenbetrieb womöglich Personal einsparen, schreibt die Air Force in einer Pressemitteilung.

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Der Arbeitsplatz des Boom-Operators blieb während des Testflugs großteils verwaist.

Flugtests in Kansas

An den Tests am 25. Oktober waren laut USAF zwei KC-46A des 22nd Air Refueling Wing beteiligt. Nur eine davon probte jedoch den Einsatz mit reduzierter Crew. Die zweite Pegasus übernahm, mit einer kompletten Besatzung an Bord, die Rolle des Begleiters, um bei Bedarf per Funk Hilfestellung zu leisten. Während die erste der beiden Testmissionen "nur" eine erweiterte Platzrunde um die McConnell Air Force Base im US-Bundesstaat Kansas umfasste, folgte direkt im Anschluss ein zweiter Flug mit vollem Einsatzprofil inklusive Luftbetankung. Der Boom-Operator nahm während der Flüge auf dem rechten Sitz im Cockpit Platz und wechselte nur für das Betankungsmanöver an seinen eigentlichen Arbeitsplatz in der Kabine. Ein zusätzlich mitfliegender Fluglehrer fungierte als Sicherheitsbeobachter, griff aber nicht in den aktiven Betrieb ein.

Neue Taktik, neue Denkweise

Die Flüge seien Teil einer "umfassenden Erforschung von Taktiken, Techniken und Verfahren des Air Mobility Command" gewesen, bei denen "die einzigartigen Belastungen" künftig möglicher Kriegseinsätze trainiert werden sollen, kommentierte die USAF abschließend. Colonel Nate Vogel, Kommandant des 22nd Refueling Wing, ergänzte, das Szenario sei zuvor bereits ausgiebig in Flugsimulatoren geübt worden. Die Sicherheit der Crews, die Fähigkeiten des Flugzeugs und die Bestimmungen der US-Luftfahrtbehörde FAA habe man hierbei besonders berücksichtigt. "Das ermöglichte uns eine bewusste und gründliche Analyse bestehender Risiken und Hürden und wie man diese minimieren kann", so Vogel weiter. Ob Flüge mit reduzierter Crew künftig tatsächlich gängige Praxis in US-Tankern werden, ist noch nicht abzusehen. Die Worte von General Mike Minihan, dem Kommandanten des Air Mobility Command, lassen dafür aber einigen Spielraum: "Die Dynamik des zukünftigen Betriebsumfelds erfordert, dass wir auf eine Weise denken, die wir normalerweise nicht denken."

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