ArianeGroup-Manager Godart: "Wir benötigen eine europäische Präferenz"

Pierre Godart, Chef der deutschen ArianeGroup GmbH
„Wir benötigen eine europäische Präferenz“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.03.2026
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„Wir benötigen eine europäische Präferenz“
Foto: ESA - M. Pedoussaut

Pierre Godart ist seit 2015 Chief Financial Officer beim europäischen Raumfahrtunternehmen ArianeGroup, Geschäftsführer der ArianeGroup-Holding und CEO der deutschen ArianeGroup GmbH. Im Interview spricht der deutsch-französische Manager über die Zukunft der Ariane 6 und Wachstum durch die militärische Raumfahrt.

ArianeGroup
Herr Godart, die Nachfrage nach Startmöglichkeiten ist hoch, die Ariane 6 für die nächsten Jahre gut gebucht. Hätten Sie sich das vor ein paar Jahren träumen lassen?

Ariane 6 wurde in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden definiert und entwickelt. Sie ist eine vielseitig einsetzbare Schwerlastrakete, die mit hoher Zuverlässigkeit und Präzision ihre Payloads in den Orbit platziert. Das zeigen die vier erfolgreichen Starts im vergangenen Jahr. Es ist insofern sehr erfreulich, dass der Markt diese Leistung durch Aufträge honoriert. Auf dieser Basis werden wir dieses Jahr unsere Produktion verdoppeln.

Sind die deutschen Standorte gerüstet für den Produktionshochlauf?

Natürlich, wir sind mittendrin im Produktionshochlauf! Die Ariane 6 hat innerhalb von 17 Monaten fünf erfolgreiche Starts absolviert, ein weltweiter Rekord für eine neue Schwerlastrakete. In Bremen wird derzeit an Oberstufen gearbeitet, die im Sommer und Herbst ins All starten sollen. Und in Ottobrunn geht es schon um die Schubkammern der Raketentriebwerke für Starts im nächsten Jahr.

Gibt es bereits Überlegungen für eine weitere Steigerung der Kadenz der Ariane 6?

Eine Erhöhung der Kadenz wird derzeit geprüft. Das industrielle System bei der ArianeGroup und allen Partnern in Europa wurde auf circa zehn Raketen pro Jahr ausgelegt. Wenn man nun die Kapazitäten ausweiten möchte, muss die Nachfrage langfristig gesichert sein. Dafür benötigen wir eine europäische Präferenz: Der institutionelle Startbedarf in Europa sollte grundsätzlich durch europäische Raketen wie die Ariane 6 abgedeckt werden.

Welche Verbesserungen werden in nächster Zeit bei der Ariane 6 eingeführt?

Ein Meilenstein ist die Ariane 64 mit vier statt zwei Boostern, mit der mehr als 20 Tonnen pro Start ins All befördert werden können. Ebenfalls in diesem Jahr werden die leistungsstärkeren P160C-Booster erstmals zum Einsatz kommen.

ArianeGroup arbeitet ja auch am Thema Wiederverwendbarkeit. Ist eine wiederverwendbare Ariane-Rakete für ArianeGroup mittlerweile ein Business Case?

Es ist grundsätzlich wichtig, diese Technologie zu beherrschen. Unsere Ingenieure entwickeln daher wiederverwendbare Lösungen, zum Beispiel Themis. Die Entscheidung für die Wiederverwendbarkeit ist aber auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit und somit auch der nachhaltigen Kadenz.

Die militärische Nutzung des Weltraums spielt eine immer größere Rolle. Inwieweit sehen Sie, konkret für Deutschland, Wachstumsmöglichkeiten für ArianeGroup?

ArianeGroup beherrscht zivile und militärische Technologien. Das war schon bei der Gründung vor zehn Jahren in unserer DNA – und die geopolitischen Entwicklungen haben unser Modell bestätigt. Die Ariane 6 ist zum Beispiel mit ihrer Konstellationsfähigkeit für die Startbedürfnisse der Bundeswehr sehr gut geeignet. Andere Weltraumanwendungen sind militärische Weltraumlagedaten, gesammelt durch unser Teleskopnetzwerk Helix sowie die orbitale Plattform Astris, die wir vor allem an unserem Standort in Bremen entwickeln und die Potenzial für militärische Einsätze im All hat.