Die NASA bricht erstmals in ihrer Geschichte eine ISS-Mission wegen eines medizinischen Problems ab. Die US-Raumfahrtbehörde teilte in einer Pressekonferenz in der Nacht auf Freitag mit, dass die Mitglieder der Crew-11, die sich seit Anfang August auf der ISS befinden, in den kommenden Tagen zur Erde zurückkehren werden. Grund dafür sei ein medizinischer Vorfall mit einem der Raumfahrer, der sich am 7. Januar ereignet habe. Aufgrund dessen hatte die NASA zunächst einen für den 8. Januar geplanten Außeneinsatz der NASA-Astronauten Zena Cardman und Mike Fincke verschoben. Die eigentliche Rückkehr der Crew-11 war für Ende Februar geplant gewesen.

Die Mitglieder der Crew-11: der russische Kosmonaut Oleg Platonow, die NASA-Astronauten Mike Fincke und Zena Cardman sowie der japanische Raumfahrer Kimiya Yui (v. l.).
Die Crew-11 besteht aus den NASA-Astronauten Cardman und Fincke, dem russischen Kosmonauten Oleg Platonow und dem japanischen Raumfahrer Kimiya Yui. Um welches der vier Crew-11-Mitglieder es sich handelt und was das medizinische Problem ist, gab die NASA zum Schutz der Privatsphäre des oder der Betroffenen nicht an. Die Person sei jedoch stabil. Der Vorfall stehe nicht in Verbindung zur Vorbereitung des geplanten Außeneinsatzes.
Kein Notfall
"Dies war eine schwerwiegende Erkrankung. Deshalb verfolgen wir diesen Weg", so der neue NASA-Administrator Jared Isaacman. Allerdings habe man sich gegen eine Notfall-Rückkehr entschieden, bei der die Crew-Dragon-Kapsel von SpaceX die vier Raumfahrer innerhalb von Stunden nach Hause gebracht hätte. "Das ist kein Notfall-Deorbit", stellte Isaacman klar. Man wolle lediglich größte Vorsicht walten lassen, um die Gesundheit und das Wohlergehen des Astronauten oder der Astronautin zu gewährleisten. Man werde weitere Updates zur Rückkehr innerhalb der kommenden 48 Stunden zur Verfügung stellen.
"In diesem speziellen Fall war der medizinische Vorfall so schwerwiegend, dass wir uns um den Astronauten sorgten und gern weitere Untersuchungen durchführen würden", sagte Dr. James D. Polk, Chief Health and Medical Officer der NASA. Die beste Möglichkeit, diese Untersuchungen durchzuführen, sei auf der Erde, wo man das volle Spektrum an medizinischer Hardware zur Verfügung habe.
Früherer Start der Crew-12?
Wenn die Crew-11 die ISS verlässt, sind nur noch drei Raumfahrer an Bord der Station: der NASA-Astronaut Chris Williams und die beiden russischen Kosmonauten Sergei Kud-Swertschkow und Sergei Mikajew. Williams ist dann vorerst allein für den Betrieb des US-Segments zuständig.
Der Start der Anschlussmission Crew-12, zu der auch die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot gehört, ist aktuell frühestens für den 15. Februar geplant. Die NASA prüft nach eigenen Angaben frühere Startmöglichkeiten, machte dazu aber keine näheren Angaben. Neben Adenot sind die US-Astronauten Jessica Meir und Jack Hathaway sowie der Russe Andrei Fedjajew Teil von Crew-12. Für die Hubschrauber-Testpilotin und Ingenieurin Adenot ist es der erste Raumflug. Die 43-Jährige soll im Rahmen ihrer Mission Epsilon sechs bis acht Monate auf der ISS verbringen.
Es ist das erste Mal, dass die NASA eine bemannte Mission wegen eines medizinischen Themas früher beendet als geplant. Allerdings gab es nach der Rückkehr der Crew-8 von der ISS im Oktober 2024 gesundheitliche Probleme. Die vier Astronauten wurden nach der Wasserung ihrer Crew Dragon für medizinische Untersuchungen in ein Krankenhaus in Florida gebracht, eine Person musste über Nacht dort bleiben. Auch hier hat die NASA nicht mitgeteilt, um wen es sich handelt und wo das Problem lag.





