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Wie steht es um die Ariane 6?

Neue europäische Trägerrakete Wie steht es um die Ariane 6?

Während der Erstflugtermin im zweiten Quartal 2022 wackelt, hat die europäische Raumfahrtagentur ESA nun die Arianegroup mit der Entwicklung einer zusätzlichen, kleinen Oberstufe für die Ariane 6 beauftragt.

Noch vor ihrem Erstflug wird bereits an weiteren Verbesserungen der Ariane 6 gearbeitet. Eine davon heißt ASTRIS und ist eine optionale, zusätzliche Oberstufe, eine sogenannte Kick Stage. Am 13. Juli erhielt die Arianegroup den langersehnten Entwicklungsauftrag der ESA. Er hat einen Gesamtwert von 90 Millionen Euro.

Kick-Stufe soll Vielseitigkeit erhöhen

Die kleine Oberstufe soll das Missionsprofil der Trägerrakete erweitern. Sie kann Satelliten direkt in eine geostationäre Umlaufbahn (GEO) bringen. Astelle einer monatelangen Bahnanhebung könnten Satelliten mit elektrischen Antrieben in wenigen Stunden in ihren Zielorbit befördert werden. Die Kick Stage könnte nach Angaben der Arianegroup auch für Mond- und Deep-Space-Missionen eingesetzt werden.

Arianegroup
Die ASTRIS-Kickstufe soll unter anderem Doppelstarts ermöglichen, bei denen eine Nutzlast in den geostationären Transferorbit (GTO) und eine weitere in den geostationären Orbit (GEO) gebracht werden kann.

Angetrieben wird ASTRIS von dem mehrfach wiederzündbaren BERTA-Triebwerk (Bi-Ergoler Raumtransporter Antrieb), das in Ottobronn entwickelt wird. Es ist für den Betrieb mit bei Raumtemperatur lagerfähigen Treibstoffen ausgelegt. Ein erster Prototyp wurde bereits auf einem DLR-Prüfstand in Lampoldshausen getestet.

Eine Ariane 6 mit ASTRIS-Kickstufe soll erstmals 2024 bei der Asteroiden-Mission HERA der ESA 2024 fliegen.

Ariane-6-Erstflug Mitte 2022?

Doch zunächst muss die Ariane 6 ihren Jungfernflug ohne Kickstufe absolvieren. Ursprünglich war der für Juli 2020 geplant, dann war von Ende 2020 die Rede. Ende Oktober 2020 gab die ESA schließlich bekannt, dass die Ariane 6 frühestens im zweiten Quartal 2022 fliegen wird. "Aus heutiger Sicht ist der Erstflug Ende Juni 2022 noch möglich", sagt Karl-Heinz Servos, Chief Operating Officer der Arianegroup Deutschland. Aber es dürfe nichts Größeres mehr dazwischenkommen.

Der ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher hatte beim Paris Air Forum Ende Juni angedeutet, dass es weitere Verzögerungen beim Erstflug geben könnte. Eine unabhängige Bewertung des Ariane-6-Zeitplans von Arianegroup, CNES und ESA solle sicherstellen, dass man alles Nötige tue, um vor der nächsten ESA-Ministerratskonferenz Ende 2022 starten zu können.

Drei Heißlauftests in Lampoldshausen geplant

Hinter den Kulissen laufen die Arbeiten an der Ariane 6 auf Hochtouren. Die erste Oberstufe aus Bremen, das Hot Firing Model (HFM), wurde nach Angaben der Arianegroup in den Teststand in Lampoldshausen integriert. Mittlerweile sei sie an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) übergeben worden, das die Heißlauftests durchführt. Sie sollen noch vor Dezember abgeschlossen sein.

Lampoldshausen: Ariane-6-Oberstufenprüfstand P 5.2

Arianegroup/Frank T. Koch/ Hill Media GmbH
Der neu eingeweihte Prüfstand P 5.2 in Lampoldshausen. 8 Bilder

Die erste heiße Zündung soll Ende August oder Anfang September stattfinden – etwa zwei Monate später als geplant. Das liegt einerseits an den Auswirkungen der Pandemie auf Arbeitsabläufe und Lieferketten, andererseits an "kleineren Rückschlägen beim ersten Testmodell", so Servos. "Wir wissen, dass wir in der Entwicklung von etwas Komplexem sind", sagt er. Probleme könnten da immer auftauchen.

Kombinierter Haupt-und Oberstufentest in Kourou

Daraus habe man bei der Fertigung der zweiten Oberstufe, dem Combined Test Model (CTM), gelernt. Diese Oberstufe soll bis September fertiggestellt und anschließend nach Kourou verschifft werden. Auf der neuen Startrampe ELA-4 des europäischen Weltraumbahnhofs in Französisch-Guayana steht ein simulierter Raketentest mit einer Ariane-6-Hauptstufe aus dem französischen Les Mureaux an.

Wann dieser kombinierte Test stattfindet, hängt von vielen Faktoren ab: wie gut die Fertigung der ersten Hauptstufe in Frankreich vorankommt, wann die Startrampe, die in der Verantwortung der französischen Raumfahrtagentur CNES liegt, freigegeben und qualifiziert wird und wann der Akustiktest mit dem HFM beim Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum ESTEC der ESA stattfinden kann. "Uns allen fällt ein Stein vom Herzen, wenn wir endlich testen können", sagt Servos.

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