Neuer ArianeGroup-Chef: Christophe Bruneau will Aktivitäten in Deutschland stärken

Neuer ArianeGroup-Chef
Christophe Bruneau will Aktivitäten in Deutschland stärken

ArtikeldatumVeröffentlicht am 31.03.2026
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ArianeGroup Bremen - Ariane 6 CTM-U loading into the Ariane 6 transport container - 21.12.2021
Foto: ArianeGroup/Media GmbH/Frank T. Koch

Christophe Bruneau übernimmt am 1. April den Vorstandsvorsitz der ArianeGroup. Er will die Aktivitäten des Unternehmens gerade in Deutschland stärken. ArianeGroup hat Standorte in Ottobrunn, Bremen, Lampoldshausen und Trauen. In Ottobrunn werden Schubkammern für Raketentriebwerke und Satellitenantriebe entwickelt und gebaut, in Bremen entsteht die Oberstufe der Ariane 6, Lampoldshausen ist das Kompetenzzentrum im Bereich Entwicklung und Produktion von Antriebssystemen für Satelliten, Raumfahrzeuge und orbitale Plattformen. Künftig soll dort auch das Ariane-6-Oberstufentriebwerk Vinci endmontiert werden. Und in Trauen in Niedersachsen wird Hydrazin für die Triebwerke von Satelliten und Raumfahrzeugen hergestellt.

ArianeGroup

Mit Deutschland kennt sich der neue Mann an der Spitze der ArianeGroup bestens aus. Im Lauf seiner Karriere war Bruneau viele Jahre in Deutschland tätig, darunter als Attaché für Wissenschaft und Technologie sowie als Koordinator für Luft- und Raumfahrt an der französischen Botschaft in Bonn, als Direktor der Weltraumsparte bei MAN Technologie in Augsburg, und als Leiter des TP400-D6-Programms und später als Geschäftsführer von Europrop International. Bruneau spricht fließend Deutsch.

Deutsch-französische Kooperation stärken

Bruneau wende sich zu seinem Amtsantritt in einem zweisprachigen Video auf Deutsch und Französisch an die Belegschaft in beiden Ländern, hieß es aus Unternehmenskreisen. Darin sage er, dass ArianeGroup für ihn ein industrielles Know-how verkörpere, welches die Stärke Europas im Weltraum ausmache. Die Erfolge der Ariane 6 sowie das Vertrauen der französischen Regierung in die ArianeGroup bei der nuklearen Abschreckung seien Zeichen für die strategische Rolle des Unternehmens. Die deutsch-französische DNA des Unternehmens und seine duale Ausrichtung auf zivile und militärische Technologie seien im aktuellen geopolitischen Kontext von großem Vorteil.

Während seines Mandats will sich Bruneau Unternehmenskreise zufolge unter anderem um den Produktionshochlauf der Ariane 6 und die Fortsetzung der unter seinem Vorgänger Martin Sion eingeleiteten Transformation des Unternehmens widmen, das duale Modell der ArianeGroup mit Aktivitäten in der zivilen Raumfahrt und im Verteidigungsbereich stärken und die deutsch-französische Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns sowie die industrielle Kooperation in der europäischen Raumfahrtindustrie vorantreiben.

Von Japan nach Frankreich und Deutschland

Seine Amtszeit beginn mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit dem japanischen Unternehmen IHI Aerospace in Tokio, die einen Ausbau des von ArianeGroup entwickelten und betriebenen Weltraumüberwachungsdienst Helix vorsieht. Bruneau ist Teil der offiziellen Delegation, die den französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf seiner Japan-Reise begleitet, wie aus Kreisen des Unternehmens zu erfahren war. Nach seiner Rückkehr will der neue ArianeGroup-Chef die Unternehmensstandorte in Frankreich und Deutschland besuchen, nach Ostern wird er in Ottobrunn und Bremen erwartet.

Bruneau wurde im Januar 2026 vom ArianeGroup-Verwaltungsrat mit Wirkung zum 1. April zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Das Ausscheiden von Martin Sion wurde bereits am 8. Oktober 2025 bekanntgegeben. Mit seiner bisherigen beruflichen Erfahrung und seiner Expertise in der Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie bringe Bruneau alle Voraussetzungen mit, um das Unternehmen weiterzuentwickeln und die Transformation von ArianeGroup voranzubringen, hieß es in einer Pressemitteilung vom 19. Januar.

Erfahrung mit Deutschland und in der Rüstungsbranche

Der neue ArianeGroup-Chef hat 1992 die Wirtschaftshochschule INSEEC absolviert und anschließend an der Ingenieurshochschule École Centrale de Paris studiert. Seine berufliche Laufbahn begann 1992 bei Armines, einer privaten, gemeinnützigen Forschungseinrichtung in Paris, zunächst im Marketing und anschließend als stellvertretender Direktor für europäische Angelegenheiten. 1995 erfolgte der Wechsel zur französischen Botschaft nach Bonn, 1999 ging er zu MAN Technologie. 2004 kam er zu Snecma (heute Safran Aircraft Engines) als stellvertretender Leiter der Sparte für Raumfahrtantriebe in Frankreich und Deutschland. 2007 wechselte er zu Europrop International als Programmleiter für das A400M-Turboproptriebwerk. 2012 baute Bruneau Aerospace Embedded Solutions (AES) in München auf, ein Gemeinschaftsunternehmen von Sagem (heute Safran Electronics & Defense) und MTU Aero Engines. 2016 kehrte er als Geschäftsführer zu Europrop International zurück. Zuletzt verantwortete er ab 2020 die militärische Triebwerkssparte bei Safran Aircraft Engines.

ArianeGroup ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und Safran, beide Unternehmen sind mit je 50 Prozent beteiligt. Der konsolidierte Umsatz des Konzerns im Jahr 2025 belief sich nach eigenen Angaben auf 2,7 Milliarden Euro.