Sea Launch: Warum China auf Raketenstarts vom Meer setzt

Sea Launch
Warum China auf Raketenstarts vom Meer setzt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.09.2026
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Gravity-1, Raketenstart, Seestart, Schiffstart, Sea Launch
Foto: 中国新闻社

Mit dem Start der Gravity-1-Rakete am 22. Juli vor der Küste Shanghais hat China erneut demonstriert, dass Seestarts inzwischen ein fester Bestandteil seiner Raumfahrtstrategie sind.

Neun Satelliten brachte die kommerzielle Trägerrakete des Unternehmens Orienspace von einer schwimmenden Plattform aus ins All. Es war der erste Start dieses Raketentyps auf offener See und zugleich der erste kommerzielle Seestart Chinas im Ostchinesischen Meer.

Doch warum investiert das Land in diese aufwendige und technisch anspruchsvolle Startmethode?

Geografische Zwänge

China verfügt nur mit dem Weltraumbahnhof Wenchang auf Hainan über einen Startplatz in Küstennähe, der zudem auf etwa 19 Grad nördlicher Breite liegt – deutlich entfernt vom Äquator.

Für Satelliten, die in äquatornahe oder gering geneigte Umlaufbahnen gebracht werden sollen, ist das ein Nachteil. Je weiter ein Startort vom Äquator entfernt liegt, desto mehr Treibstoff und Leistung kostet es, eine Rakete in eine solche Bahn zu bringen.

Startplattformen auf See lösen dieses Problem, weil sie im Prinzip an nahezu jedem Punkt der Erde positioniert werden können und sich damit gezielt näher am Äquator platzieren lassen.

Mehr Flexibilität, weniger Risiko

Abgesprengte Raketenstufen und Trümmerteile müssen irgendwo niedergehen. Bei Starts über dicht besiedeltem chinesischem Festland ist das ein heikles Unterfangen.

Auf See entfällt dieses Problem weitgehend, da abgeworfene Stufen einfach im offenen Wasser landen. Gleichzeitig sinkt das Konfliktpotenzial mit dem zivilen Luftverkehr und anderen Startanlagen, da mobile Plattformen nicht an feste, stark frequentierte Flugkorridore gebunden sind.

Auch die Wahl des Startwinkels lässt sich auf See freier bestimmen. Das chinesische Militärmedium "China Military Bugle" betonte im Zusammenhang mit dem jüngsten Gravity-1-Start entsprechend, dass die mobile Plattform nicht an feste Meereszonen gebunden sei und dadurch eine flexible Standortwahl sowie eine höhere Starteffizienz ermögliche.

Erster Seestart schon 2019

Technologisch ist China damit erst der dritte Staat nach den USA und Russland, dem ein orbitaler Satellitenstart von einer Plattform auf See gelang, und der erste, der dafür eine vollständig in Eigenregie entwickelte Startplattform nutzte, während das US-russische Pendant ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Nationen war.

Der erste dieser Starts fand bereits 2019 statt, als eine Long March 11 vom Gelben Meer aus sieben Satelliten ins All beförderte, darunter Wettersatelliten zur Beobachtung von Taifunen.

2018 hatten chinesische Raumfahrtverantwortliche angekündigt, künftig verstärkt auf diese Startmethode zu setzen, um den wachsenden Bedarf an äquatornahen Missionen zu bedienen.

Seestarts gelten zudem als vergleichsweise kostengünstig und schnell realisierbar, insbesondere bei Feststoffraketen wie der Long March 11, die kurze Vorbereitungszeiten und niedrige Stückkosten ermöglichen.

Nicht zuletzt dient die jüngste Mission auch der technischen Erprobung: Laut den chinesischen Behörden sollte der Start insbesondere die Tauglichkeit der Feststoff-Booster-Konfiguration unter komplexen Seebedingungen sowie die verlängerte Standby-Fähigkeit der Rakete unter realen Bedingungen testen.