Nach der Absage für die Produktion der Suchoi Su-57E in Indien versucht es Russland nun mit einem zivilen Angebot bei den indischen Herstellern. Der Flugzeughersteller OAK hat auf der Fachmesse "Innoprom. Indien" die neuen, in Russland entwickelten Zivilflugzeuge vorgestellt und erhofft sich damit in Indien eine zentrale Rolle beim Ausbau des Luftverkehrsnetzes.
Drei Flugzeugtypen für unterschiedliche Streckenprofile
Gezeigt werden das Turbopropflugzeug Il-114-300, der Kurzstreckenjet SJ-100 sowie der Mittelstreckenjet MS-21, die mit unterschiedlicher Reichweite und Kapazität unterschiedliche Marktsegmente abdecken sollen.
Die Il-114-300 soll für Regionalstrecken und für kleinere Flugplätze mehr Zugänge zum Luftverkehr in weniger ausgebauten Regionen Indiens schaffen. Mit dem staatlichen Regionalluftfahrtprogramm UDAN arbeitet Indien derzeit genau daran.
Die SJ-100 wiederum könnte für Verbindungen zwischen den großen Metropolen und kleineren regionalen Zentren zum Einsatz kommen, während die MS-21 auf stark frequentierten Hauptstrecken vorgesehen sei, so OAK.
Wie immer soll eine mögliche Lokalisierung der Produktion sowie des Kundendienstes für Flugzeuge und Komponenten vor Ort das russische Angebot attraktiver machen. Das funktioniert bisher bei Militärflugzeugen gut.
OAK-Chef: Verhandlungen deutlich vorangekommen
Der Generaldirektor der OAK, Wadim Badecha, sagte, in den vergangenen Monaten habe man in den Verhandlungen erhebliche Fortschritte erzielt und sei bei mehreren Vereinbarungen zur Il-114-300 einem Abschluss nahegekommen. Diese sollen nun auf der Innoprom Indien unterzeichnet werden – bisher ist das allerdings noch nicht passiert. Die Messe endet am 11. September.
Badecha erklärte, OAK könne gemeinsam mit anderen Unternehmen des russischen Staatskonzerns Rostec indischen Partnern nicht nur einzelne Produkte, sondern eine "komplexe industrielle Kooperation" anbieten.
Als Beispiel nannte er das gemeinsame Projekt mit dem indischen Luft- und Raumfahrtkonzern HAL zur Lokalisierung der SJ-100-Produktion. Das entsprechende Lizenzabkommen sei bereits zu mehr als 80 Prozent abgestimmt und solle in Kürze unterzeichnet werden. Auf der kommenden Messe AeroIndia 2027 rechne man zudem mit dem Abschluss eines Vertrags mit dem ersten indischen Betreiber der Maschinen.
Bereits am 28. Oktober 2025 hatten Prabhat Ranjan von HAL und Oleg Bogomolow von United Aircraft in Moskau eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.
Demnach sollte HAL die Rechte zur Fertigung des Jets sowohl für den indischen Markt als auch für mögliche Exporte erhalten. Für Indien wäre es das erste komplett im Land gefertigte Passagierflugzeug mit Strahlantrieb.
Ganz so einfach ist es für das Projekt allerdings nicht: Westliche Sanktionen verlangsamen den Herstellungsprozess, und russischen Angaben zufolge würden Produktionsvorbereitung, Personalschulung und Zertifizierung "drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen".





