Die US-Luftwaffe muss die volle Einsatzbereitschaft (Full Operational Capability) ihres neuen Kampfjets F-15EX Eagle II erneut verschieben. Statt wie ursprünglich geplant im Juli 2027 wird der Meilenstein laut einem aktuellen Bericht des US-Verteidigungsministeriums frühestens Anfang 2028 erreicht. Also mindestens ein halbes Jahr später als vorgesehen.
Trotz der Probleme plant die US-Luftwaffe, ihre Bestellung von ursprünglich 98 auf insgesamt 268 F-15EX Eagle II zu erhöhen. Die erste Einsatzbereitschaftsstufe (Initial Operational Capability) hatte die Luftwaffe bereits im Juli 2024 erklärt, kurz nachdem grünes Licht für die Serienfertigung in voller Stückzahl gegeben worden war.
Streik bei Boeing
Ursache der Verzögerung ist in erster Linie ein monatelanger Arbeitskampf bei Boeing. Von August bis Mitte November 2025 legte die Gewerkschaft IAM die Produktion in St. Louis für rund 15 Wochen lahm. Seither kommt die Fertigungslinie nur schleppend wieder in Schwung und Boeing gelingt es bislang nicht, die vor dem Streik angepeilten Stückzahlen zu erreichen.
Bis Mitte April 2026 hatte Boeing erst 18 der vertraglich vereinbarten 33 Maschinen ausgeliefert. Auch die dritte Produktionscharge (Los 3) mit zwölf Flugzeugen hinkt deutlich hinterher. Denn ursprünglich sollte sie bereits Anfang 2026 komplett sein, nun rechnet man erst mit sechs ausgelieferten Jets bis Jahresende. Der Rest soll 2027 folgen.
Dementsprechend werden weitere Verspätungen bei den Folgeaufträgen erwartet. Die erste Maschine aus Los 4 soll laut Bericht inzwischen im Juni 2027 ausgeliefert werden, die komplette, 24 Flugzeuge umfassende Charge erst im August 2028. Und so wird die volle Einsatzbereitschaft der Flotte erst im Februar 2028 in Aussicht gestellt, wenn die Maschine F‑15EX‑44 ausgeliefert werden soll.
Planabweichungen sind nichts Neues
Bereits im Januar 2026 hatte die Luftwaffe offiziell eine Programmabweichung gemeldet und arbeitet seither an einem überarbeiteten Beschaffungsplan. Dieser soll unter anderem die Definition der "vollen Einsatzbereitschaft" neu bewerten und eine an die realen Lieferzeiten angepasste Zeitschiene festschreiben.
Um die Produktion wieder in Fahrt zu bringen, haben Ministerium und Boeing mehrere Maßnahmen angestoßen. Es soll zusätzliches Personal an den Fertigungslinien geben, komplexe Montageschritte sollen digitalisiert werden und finanzielle Anreize sollen im Rahmen mehrjähriger Beschaffungsverträge gesetzt werden.
Die Verzögerungen schlagen bereits bei den Einsatzverbänden durch. Die Übergabe der Los-2-Maschinen an die Air National Guard in Portland verschob sich auf Mitte 2026.

Die erste für den Standort in Japan bestimmte F-15EX verlies das Boeing-Werk erst Ende August 2026.
Auch die erste für einen Auslandsstandort in Japan vorgesehene Maschine aus Los 3 konnte erst am 28. August aus der Montagehalle nach Portland verlegen. Dort wird das Flugzeug weiteren "Vorbereitungen" unterzogen, bevor es schließlich zur Kadena Air Base verlegt wird.
Luftwaffenkommando und Nationalgarde bereiten sich darauf vor, ältere Flugzeugtypen länger im Dienst zu halten oder auf alternative Lösungen auszuweichen, bis die neuen Einheiten vollständig ausgestattet sind.





