Russlands Il-114-300 darf nicht bei Hitze, Kälte, Regen fliegen - das sagt Iljuschin dazu

Russlands neues Regionalflugzeug
Il-114-300 darf nicht bei Hitze, Kälte, Regen fliegen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.07.2026
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Journalisten der Tageszeitung Wedemosti haben sich das Musterzertifikat vorgenommen, das die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija im Juni für die Iljuschin Il-114-300 ausgestellt hat. Und was sie darin fanden, liest sich nicht besonders gut. Demnach darf Russlands neues Regionalflugzeug bis auf Weiteres nur bei Umgebungstemperaturen zwischen -9 und +25 Grad Celsius operieren. Angeflogene Airports dürfen sich dabei lediglich in Höhenlagen zwischen 300 und unter 1000 Meter über dem Meeresspiegel befinden.

Start und Landung sind nur auf befestigten Runways zulässig – ist die Bahn nass, gelten weitere Einschränkungen. So dürfen dann etwa Seitenwinde maximal Geschwindigkeiten von zwölf Metern pro Sekunde erreichen, bei trockener Piste sind es 15 Meter pro Sekunde. Flüge über Wasser dürfen nicht weiter als 30 Minuten von der Küste wegführen, damit im Notfall ein Platz für eine Sicherheitslandung erreichbar ist. Bei Vereisungsbedingungen und bei Gewitter darf die Il-114-300 überhaupt nicht fliegen.

Außerdem erließ Rosawiazija laut Wedemosti-Recherchen eine zeitliche Begrenzung für den Abbruch des Kontakts mit der Flugsicherung: Unterbrechungen der Funk-Kommunikation dürfen fünf Minuten nicht überschreiten.

Betrieb vorerst sehr eingeschränkt

Es braucht nicht viel, um zu erkennen: Wenn die Il-114-300 tatsächlich mit diesen Beschränkungen in Dienst geht, können die Betreiber es auch gleich bleiben lassen. Zumal in Russland, das mit seinen klimatischen Extremen deutlich höhere Anforderungen an den Einsatz eines Passagierflugzeuges stellt. Selbst das Vorgängermodell des neuen Regional-Turboprops, die in den 80er Jahren entwickelte Il-114-100, sei für den Betrieb von -30 bis +45 Grad Celsius freigegeben gewesen, stelle Wedemosti ernüchtert fest.

Hat Iljuschin also mit der Il-114-300 ein völlig untaugliches Flugzeug gebaut?

Russisches Regionalflugzeug Il-14-300 im Altai-Gebirge und in Baikonur.
UAC (OAK)

Iljuschin testet fleißig weiter

Die Zeitung fragte dazu direkt bei Iljuschin-Geschäftsführer Daniil Brenerman nach – und der versuchte, zu beschwichtigen. Bis zur Auslieferung der ersten Serienmaschinen werde man deutlich erweiterte Flugparameter vorfinden, so Brenerman. Die dafür notwendigen Tests liefen weiter auf Hochtouren. "Das Flugzeug ist bereits von einem unbefestigten Flugfeld gestartet und gelandet, hat Tests bei extrem niedrigen Temperaturen in Jakutien, unter Vereisungsbedingungen in Archangelsk sowie im Stationierungs- und Betriebsbereich in hohen Breitengraden absolviert", unterstrich der Iljuschin-Chef. Außerdem sei die Il-114-300 schon bei -42 Grad Celsius geflogen. "Die Ergebnisse werden derzeit aufbereitet und dem Luftfahrzeugregister zur Prüfung vorgelegt."

Brenerman betonte, dass die Il-114-300 nach Abschluss der erweiterten Flugerprobung ein deutlich besseres Flugzeug sei als jetzt. Einen Zeitpunkt, bis wann dieses Ziel erreicht sein soll, nannte er allerdings nicht.

Iljuschin Il-114-300, zweiter Prototyp neu lackiert.
UAC (Screenshot Youtube)

Parameter werden schrittweise erflogen

Die Luftfahrtbehörde Rosawiazija merkte auf Nachfrage von Wedemosti an, dass dieses Vorgehen bei der Zertifizierung neuer Flugzeugtypen Standard sei. Der Entwickler bestätige zunächst die für den Erstbetrieb erforderlichen Eigenschaften, und nach Abschluss weiterer Tests würden die Beschränkungen schrittweise aufgehoben.

Laut dem russischen Analysten Alexej Sucharew könnten Genehmigungen für Flüge bei Gewittern und Vereisungsbedingungen in den kommenden Monaten erteilt werden, die Lösung anderer Einschränkungen könnte jedoch deutlich länger dauern.

Iljuschin-Generaldirektor Brenerman erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Tass, dass die Kaltwettertests mit der Il-114-300 im kommenden Winter bei niedrigeren Temperaturen wiederholt würden. Darüber hinaus "werden wir in Kürze Tests bei hohen Temperaturen und Gewittern durchführen und die Landefähigkeit des Flugzeugs gemäß ICAO-Kategorie II bestätigen", so der Geschäftsführer. Dann dürfte die neue Il-114 auch bei schlechten Sichtverhältnissen im ILS-Verfahren starten und landen.

Bald ein vollwertiges Flugzeug?

Die ersten Il-114-300 sollen planmäßig im August 2026 ausgeliefert werden. Erster Nutzer wird das 2. Vereinigte Luftfahrtgeschwader im nordrussischen Archangelsk sein. Zwei weitere Flugzeuge sollen nach Aussage des russischen Industrie- und Handelsministers Anton Alichanow im Oktober und November ausgeliefert werden.

Bis dahin dürfte es im Großraum Archangelsk schon zeitweise unter -9 Grad Celsius haben. Was der Erstbetreiber mit seinen Il-114-300 dann anfangen kann, bleibt somit vorerst offen. Möglich ist auch, dass der Kunde direkt mit in die erweiterten Tests einbezogen wird. So gab sich Iljuschin-Boss Brenerman gegenüber Wedemosti zuversichtlich, "dass die schrittweise Einführung des neuen Modells Rückmeldungen von Betreibern und Nutzern ermöglicht, was die weitere Optimierung und Verbesserung des Flugzeugs begünstigen wird."