Sie ist praktisch für die Airline, weil kein Bodenequipment für das Ein- und Aussteigen der Passagiere notwendig ist – aber für manche Fluggäste endet ihre Nutzung schmerzhaft: die Airstair, die integrierte Bordtreppe der Boeing 737. Aufgrund mehrere Vorfälle hat die italienische Flugunfallbehörde ANSV (Agenzia Nazionale per la Sicurezza del Volo) nun Stürze von der Airstair systematisch untersucht und Ende August eine Studie dazu veröffentlicht. Das Ergebnis: Überproportional viele Stürze beim Ein- und Aussteigen passieren auf der Airstair.
Für die Studie wertete die ANSV Daten aus dem europäischen Meldesystem Eccairs 2 zwischen 2023 und 2025 aus, befragte Flughafenbetreiber und zog unter anderem Statistiken der irischen Unfallbehörde AAIU heran. Demnach entfielen in Italien 82 Prozent der 104 gemeldeten Stürze beim Ein- und Aussteigen auf die integrierte Bordtreppe der Boeing 737. Betreiber dieser Flugzeuge ist in Italien nahezu ausschließlich Ryanair. Die irische Low-Cost-Airline beförderte im betrachteten Zeitraum etwa 26 bis 27 Prozent aller Passagiere in Italien.
Schmaler und steiler als Bodentreppen
Die Airstair ist ein optionales System, das Boeing für die 737 anbietet. Sie klappt aus einem Fach unterhalb der vorderen Tür aus und ermöglicht das selbstständige Ein- und Aussteigen ohne Bodenausrüstung. Die Airstair hat zwölf Stufen, die rund 61 Zentimeter breit und etwa 20 Zentimeter hoch sind und über eine Trittbreite von rund 25 Zentimetern verfügen. Der Neigungswinkel beträgt etwa 35 Grad.
Im Vergleich dazu schreibt die europäische Norm EN 12312-1:2024 für Flughafentreppen eine Mindestbreite von 100 Zentimetern vor. Die Stufenhöhe soll zwischen 14 und 21 Zentimetern liegen, die Trittbreite zwischen 25 und 32 Zentimetern. Die Bordtreppe der 737 bewegt sich damit an der Grenze der zulässigen Werte und ist schmaler sowie steiler als typische Flughafentreppen. Hinzu kommt eine erste Stufe mit trapezförmigem Grundriss, die der Rumpfform folgt und für aussteigende Passagiere asymmetrisch wirkt.
Die spanische Unfallbehörde CIAIAC empfahl Boeing bereits nach einem Vorfall im Oktober 2024, die Treppe umzukonstruieren und die Neigung zu verringern. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA wurde aufgefordert, die Zulassung der Treppe als Ausstiegselement zu überprüfen. Die irische AAIU empfahl der EASA eine Sicherheitskampagne für Passagiere und Besatzungen. Boeing selbst erklärte im Dezember 2024, dass die Airstair als Ersatz für Bodenausrüstung in den USA nicht bekannt sei und Vorfälle fast ausschließlich von einem irischen Betreiber gemeldet würden.
Überarbeitete Aussteigeprozedur
Ryanair hat seine Deboarding-Prozedur im Juli 2026 aktualisiert. Zwar wurden die Passagiere bereits vorher darauf hingewiesen, den Handlauf beim Aussteigen zu benutzen. Nun sollen die Durchsagen von der Kabinencrew aber auch in den Sprachen des Abflug- und Ankunftslandes gemacht werden, sofern diese nicht über das Bordlautsprechersystem abrufbar sind. Zudem sollen die Durchsagen während des gesamten Aussteigeprozesses wiederholt werden. Seit August 2026 gehört darüber hinaus ein eigenes Trainingsmodul zur Aussteigeprozedur zur wiederkehrenden Schulung des Kabinenpersonals.
Die ANSV bewertet diese Maßnahmen als Schritt in die richtige Richtung und sieht daher von eigenen Sicherheitsempfehlungen ab. Sie stimmt jedoch den bereits vorliegenden Empfehlungen von CIAIAC und AAIU grundsätzlich zu.
Die Studie schließt mit dem Hinweis, dass Millionen von Passagieren die Bordtreppe ohne Zwischenfall benutzen und Stürze in erster Linie auf menschliche Faktoren zurückzuführen sind. Dennoch zeige die Häufung der Ereignisse an einer bestimmten Treppengeometrie, dass konstruktive und betriebliche Maßnahmen das Risiko senken können.





