Ohne Staatshilfe wohl kein Weiterbetrieb: Werden Superjets mit Westteilen ausgemustert?

Ohne Staatshilfe wohl kein Weiterbetrieb
Werden Superjets mit Westteilen ausgemustert?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.09.2026
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Russlands einziger in Großserie gebauter Regionaljet, Superjet 100, braucht neue Triebwerke. Aber die russischen Airlines wollen und können die Kosten für die Umrüstung nicht tragen.

Aeroflot-Chef Sergej Alexandrowski erklärte auf dem Ostwirtschaftsforum in Wladiwostok, dass die Flotte ohne staatliche Unterstützung langsam, aber sicher ausgemustert werden müsse, wie die russische Wirtschaftszeitung Kommersant berichtet.

Für Aeroflot, den größten Nutzer des Musters, ist die Sache offenbar entschieden. Sollte der Staat die Kosten für den Umbau nicht übernehmen, plant der Konzern nicht mehr mit den älteren Superjet in der Flotte.

Stattdessen sollen fehlende Kapazitäten durch mehr Flugstunden der übrigen Flugzeuge sowie durch den Regionaljet-Nachfolger MS-21-310 kompensiert werden. Wie hoch die geforderte Summe ausfallen müsste, ließ Alexandrowski offen.

PD-8 zwischen einsatzbereit

Aufgrund der seit 2022 geltenden Sanktionen gegen Russland zog sich der französische Konzern Safran aus seinem gemeinsam mit dem russischen Triebwerksbauer ODK betriebenen Joint Venture zurück, das für Wartung und Fertigung zentraler Bauteile des bislang verbauten Triebwerks SaM146 zuständig war.

In den vergangenen vier Jahren wurden die Ersatzteile knapp und die Instandhaltung der Maschinen wird zunehmend schwieriger – denn Teile aus Frankreich werden keine mehr geliefert.

ODK will das Problem mit der Eigenentwicklung PD-8 lösen. Inzwischen ist das Triebwerk nach einigen Verzögerungen auch zugelassen und kann in den neuen russifizierten Passagierflugzeugen verbaut werden.

Für die älteren Exemplare wird mit Umrüstungskosten von über 2 Milliarden Rubel pro Flugzeug gerechnet. Kommersant beruft sich auf Insider, die diese Schätzungen für deutlich zu niedrig halten. Fraglich ist, ob sich eine Umrüstung der verbleibenden Superjets wirtschaftlich überhaupt lohnen würde.

Allerdings gibt es ganz anderes Problem, denn ODK konzentriert sich bei der Triebwerksproduktion vor allem auf die fabrikneuen, importsubstituierten SJ-100 und nicht auf die Nachrüstung alter Maschinen. Derzeit sind Nachrüstungen im Serienproduktionsplan gar nicht vorgesehen. ODK selbst rechnete vor drei Jahren mit einem weitgehenden Ausscheiden der Flotte bis zum Ende des Jahrzehnts.

MS-21-310 als Ersatz für alte Superjets

Und auch Aeroflot hat schon für Ersatz gesorgt. Die Airline bereitet sich bereits auf die Auslieferungen ihrer bestellten MS-21-310. Alexandrowski erklärte auf dem Wirtschaftsforum auch, die Konditionen für einen zweiten Großauftrag über 90 weitere MS-21-310 bei der Flugzeugbauholding UAC seien im Grundsatz ausgehandelt. Die Vertragsunterzeichnung stehe bald an.

Geplant ist demnach, mit den Auslieferungen 2029 zu beginnen und den kompletten Auftrag bis Ende 2032 abzuarbeiten. Die ersten acht von 18 Maschinen, die 2023 bestellt wurde, sollen laut Zeitplan im vierten Quartal 2027 kommen, zehn weitere im Jahr darauf.

Parallel dazu läuft bei Aeroflot bereits die Vorbereitung auf den operativen Einsatz der neuen Muster. Auch bei den Serienflugzeugen selbst geht es voran. Die Maschine mit der Werknummer MS.0014 wechselte Anfang August von Irkutsk nach Schukowski und durchläuft dort nun Bodenzertifizierungstests.

Das zweite Serienflugzeug, MS.0015, kam Ende August an die Flugerprobungsstation des Irkutsker Flugzeugwerks und wird dort auf den Erstflug vorbereitet. Die dritte Serienmaschine, MS.0016, gilt bereits als weitgehend startklar.