Kreml-Chef Wladimir Putin ließ sich am 24. Juli bei einem ausgiebigen Besuch vor Ort im Flugzeugwerk Irkutsk über den Stand des MS-21-310-Programms informieren. Im Zentrum seiner Aufmerksamkeit stand die erste, frisch vollendete MS-21-310 aus der Serienfertigung. Das noch unlackierte Flugzeug trägt die Seriennummer MS.0014 und soll – unter dem Testkennzeichen 73362 – in den kommenden Tagen zu seinem Jungfernflug abheben.
Der Generaldirektor des Flugzeugwerks, Andrej Soynow, gab anlässlich der Präsidentenvisite aus Moskau bekannt, man befinde sich "in der Endphase der Vorbereitungen" für die Flugerprobung. Ihm zufolge planen die Verantwortlichen, die MS.0014 in der Woche vom 27. Juli bis 2. August erstmals in die Luft zu bringen. Die zweite Maschine aus der Serienproduktion, MS.0015, befindet sich laut Soynow ebenfalls "in einem hohen Entwicklungsstadium" und werde voraussichtlich im August "in die Vorbereitungsphase für die Flugtests überführt". Insgesamt hat das Flugzeugwerk Irkutsk nach eigener Auskunft derzeit 18 neue MS-21-310 "in unterschiedlichen Fertigungsstadien" in Produktion.

Die Delegation um den russischen Präsidenten Putin ließ sich am 24. Juli in Irkutsk über den Stand des MS-21-310-Programms informieren.
Bis zur Zulassung dauert es noch
Die Flugzeuge MS.0014 und MS.0015 sind die ersten serienmäßig produzierten MS-21-310, bei denen alle zentralen, vormals westlichen, Systeme und Komponenten durch russische Pendants ersetzt wurden. Vier Jahre nach Beginn des beschleunigten Substitutionsprogramms gelangt die "Russifizierung" des wohl wichtigsten russischen Passagierflugzeugmusters damit zu einem vorläufigen Ziel.
Allerdings besitzt die komplett überarbeitete MS-21-310 noch immer keine Zulassung – und das wird auch eine Weile noch so bleiben. Bevor die Aeroflot-Gruppe als designierter Erstbetreiber die neuen Flugzeuge übernehmen kann, liegt deswegen noch einiges an Arbeit vor den Programmbeteiligten. Laut aktueller Planung sollen die Zertifizierungsflüge noch bis in den Frühjahr 2027 andauern. Anschließend sollen die Testergebnisse der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija zur Prüfung vorgelegt werden. Die daraus folgende Erteilung des Musterzertifikats werde dann "noch einige weitere Monate" in Anspruch nehmen, heißt es aus Irkutsk.

Die neue, "russifizierte" MS-21-310 kommt weitestgehend ohne Komponenten aus dem Ausland aus - auch im Cockpit.
Hoffnung auf verkürzte Version MS-21-210
Selbst dann jedoch wird es für die Entwicklungsingenieure weiter viel zu tun geben. Denn die vorläufige Serienversion der MS-21-310 ist schwerer und damit weniger leistungsfähig als die ursprüngliche, großteils mit Komponenten aus dem Westen konstruierte MS-21-300. Während man diesbezüglich Möglichkeiten zur Gewichtsreduzierung prüft, läuft parallel die Entwicklung der verkürzten (und damit leichteren) Variante MS-21-210 mit reduzierter Kapazität, aber besseren Flugleistungen.
Diese soll, mit etwa 140 Passagieren an Bord, "mindestens 5000 Kilometer" Reichweite bieten, wie der Chef des russischen Staatskonzerns Rostec, Sergej Tschemesow, in Irkutsk darlegte. Die Finanzierung des Projekts sei durch entsprechende Regierungsverträge bereits gesichert, so Tschemesow weiter. Details zum Zeitplan nannte er jedoch nicht.

Die "russifizierte" MS-21-310 ist zu schwer und fliegt nicht weit genug. Russland arbeitet daher an einer verkürzten, leichteren MS-21-210. Sie soll dieselben PD-14-Triebwerke nutzen wie das Basismodell.
Irkutsk braucht mehr Geld
Unterdessen gab Werkschef Soynow zu verstehen, dass zur Aufrechterhaltung der aktuellen Fertigungsrate neuer MS-21-310 weitere finanzielle Zuwendungen aus Moskau notwendig seien. "Um den Betrieb der Produktionslinie zu sichern, müssen wir jetzt 200 Millionen [Rubel] investieren", so Soynow. Dann könne man auch in den weiteren Ausbau der Infrastruktur investieren.





