Mehr ging eigentlich nicht mehr, als das, was die russische Seite den Indern anbot, damit sie die Suchoi Su-57 kaufen. Russlands modernster Kampfjet sollte beim indischen Flugzeugbauer Hindustan in Lizenz vom Band laufen, unter Einbeziehung indischer Zulieferer gemäß der "Make in India"-Initiative der Regierung in Neu-Delhi.
Darüber hinaus zeigte sich Russland bereit, selbst sensible technische Details mit Indien zu teilen. Russland biete ein umfassendes Lernprogramm "im Bereich neuer Technologien für Indien an, darunter Triebwerke, Optoelektronik, AESA-Radar, KI-Elemente, Technologien für geringe Signatur und moderne Waffen", betonte ein Vertreter des russischen Rüstungsexporteurs Rosoboronexport im November 2025 auf der Dubai Airshow. Auch die Integration indischer Waffensysteme in die Su-57 werde man unterstützen.
Doch in Indien ticken die Uhren traditionell ein wenig anders – und offenbar hat man sich in Neu-Delhi letztlich nicht ausreichend für die russische Offerte erwärmen können. Jedenfalls erklärte Indiens Verteidigungsminister R.K. Singh jüngst gegenüber dem Portal India Today, sein Land werde "keine neue Suchoi-Variante" beschaffen.
Minister gibt Su-57 einen Korb
Die Suchoi Su-57 erwähnte Singh, der laut India Today kurz vor der Pensionierung steht, in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich. Allerdings führte er laut India Today weiter aus, dass die Priorität der indischen Regierung auf der Modernisierung der bestehenden Su-30MKI-Flotte liege, die Indien bereits ebenfalls in Lizenz produzierte.
Da ein anderes Suchoi-Muster für Indien nie zur Debatte stand, ist es eigentlich sicher, dass Singh die Su-57 im Sinn hatte – was auch in Russland entsprechend aufgefasst wird.
Su-57D - Doppelsitzer (auch) für Indien?
Déjà-vu für Russland?
Die Aussage des indischen Verteidigungsministers "bedeutet faktisch, dass Neu-Delhi Russlands Vorschlag zur Lizenzproduktion der Su-57E in Indien zurückgewiesen hat", schreibt beispielsweise das russische Luftfahrtportal "Aviation of Russia".
Diese Entscheidung sei "eine Fortsetzung der indischen Politik seit dem Ausstieg aus dem russisch-indischen FGFA-Programm (Fifth Generation Fighter Aircraft)", bei dem Russland und Indien eine Zeitlang gemeinsam an einer (doppelsitzigen) Su-57-Version für indische Bedürfnisse arbeiteten. Weil das Projekt wiederholt Budget- und Zeitpläne sprengte, stieg Indien 2018 aus der Entwicklung aus.

Vom indischen AMCA existieren nach wie vor lediglich Modelle und ein lebensgroßes Mock-up.
Russlands Werben um Indiens Gunst
Seither konzentrierte sich Neu-Delhi auf die Konstruktion eines rein indischen Kampfjets der fünften Generation – wenngleich bislang ohne nennenswertes Ergebnis. Das als AMCA bezeichnete neue Kampfflugzeug (Advanced Medium Combat Aircraft) steckt nach wie vor in einem frühen Entwicklungsstadium fest, lediglich Modelle und Mock-ups des Jets erblickten bis dato das Licht der Welt.
Maßgeblich dieses extrem zähe indische Vorankommen veranlasste die Russen 2025 bei der Messe Aero India zu ihrem großzügigen Angebot hinsichtlich der Su-57, die man später offiziell als Übergangslösung bis zum Erscheinen des AMCA bewarb – und sich womöglich insgeheim erhoffte, dass sich Indien langfristig ganz zur Aufgabe des eigenen Programms zugunsten einer groß angelegten inländischen Su-57-Produktion entscheiden würde.

Die Suchoi Su-30MKI ist zahlenmäßig Indiens wichtigster Kampfjet. Das Muster soll via Modernisierung aufgewertet werden.
Ist die Tür für die Su-57 damit zu?
Ob Indien mit der Aussage des (bald aus dem Amt scheidenden) Ministers Singh die Beschaffung der Su-57 generell und für alle Zeit vom Tisch genommen hat, bleibt indes abzuwarten.
Die Fokussierung auf das Upgrade-Programm für die Su-30MKI lässt sich zwar als vernünftiger und zielführender Schritt werten. Gleichzeitig blicken die Inder weiter mit Argwohn auf die Partnerschaft zwischen China und dem Erzrivalen Pakistan, der von Peking wohl über kurz oder lang den chinesischen Tarnkappenjet J-35A erhalten wird.
Weitere signifikante Verzögerungen beim AMCA-Programm wird man sich nicht mehr leisten dürfen, will man technologisch nicht weiter hinter Pakistan zurückfallen. Da man anhand bisheriger Erfahrungen die Wahrscheinlichkeit, dass diese weiteren Verzögerungen dennoch eintreten, als durchaus hoch einstufen muss, könnte es durchaus sein, dass das Thema Su-57 in Neu-Delhi schon in nicht allzu ferner Zukunft wieder aufs Tapet kommt.





