Wegen technischer Probleme musste der Start mehrfach verschoben werden, doch in der Nacht auf den 2. April war es endlich soweit: Die riesige SLS-Mondrakete hob nach einem erstaunlich reibungslosen Countdown um 0.35 Uhr (MESZ) vom Launch Complex 39B des Kennedy Space Center in Florida ab – an ihrer Spitze die Orion-Kapsel "Integrity" mit den vier Astronauten Reid Wiseman, Christina Koch, Victor Glover (alle NASA) und dem Kanadier Jeremy Hansen. Sie sollen im Lauf der rund zehn Tage dauernden Mission den Mond umrunden.
Artemis II ist der erste bemannte Testflug mit der Orion-Kapsel und dient unter anderem der Demonstration der Lebenserhaltungssysteme des Raumschiffs. Zudem sollen die Astronauten nach einem Landeplatz auf dem Mond Ausschau halten. Die NASA plant im Rahmen ihres Artemis-Programms 2028 die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17 im Dezember 1972.
Manuelle Annäherung an ICPS-Oberstufe
Die ersten Manöver im All hat Orion bereits erfolgreich absolviert, darunter Annäherungen an die ICPS-Oberstufe der SLS-Rakete, nachdem sich Raumschiff und Stufe voneinander getrennt haben. Während der rund 70 Minuten dauernden Aktivität haben die Astronauten die Kapsel bei einer Reihe kontrollierter Annäherungs- und Entfernungsmanöver mit der ICPS als Ziel manuell gesteuert. Das dient als Vorbereitung für künftige Kopplungen mit den Mondlandefähren, die SpaceX und Blue Origin derzeit entwickeln. Am Ende dieser Phase führte Orion eine automatische Zündung durch, um sich sicher von der Raketenstufe zu entfernen. Die ICPS-Oberstufe selbst zündete anschließend ihr Triebwerk zum Deorbit-Burn, um in die Erdatmosphäre über einer unbewohnten Gegen des Pazifik einzufliegen.
Zusammen mit Orion wurden auch vier CubeSats in eine Erdumlaufbahn gebracht, darunter der deutsche Kleinsatellit TACHELES der Firma Neurospace aus Berlin. Das Unternehmen entwickelt ein Rover-System und will mit TACHELES dessen elektrischen Komponenten im All testen.
Blinkendes Fehlerlicht an der Toilette
Erste Probleme gab es während der Artemis-II-Mission auch schon: Kurz nach der Perigäums-Anhebung (das Perigäum ist der erdnächste Punkt von Orions Umlaufbahn) verlor das Raumschiff die Kommunikationsverbindung zum Boden. Das Problem wurde nach Angaben der NASA schnell gelöst und die Crew bestätigte, dass sie die ganze Zeit über die Kommunikation vom Kontrollzentrum gehört habe. Die Ursache des Ausfalls wird noch untersucht.
Ein zweites Problem betraf die Toilette von Orion. Im Rahmen der Konfiguration verschiedener Systeme an Bord berichtete die Besatzung von einem blinkenden Fehlerlicht. Die Missionskontrollteams analysierten die Daten konnten das Problem beheben.
Weitester Flug von der Erde weg
Orion wird zwei Mal die Erde umkreisen, bevor am Freitag das Haupttriebwerk von Orion zum Mondeinschuss gezündet wird. Am fünften Flugtag (Montag, 6. April) wird Orion die Einflusssphäre des Mondes erreichen, dann wird die lunare Anziehungskraft auf das Raumschiff stärker als jene der Erde. Am sechsten Flugtag (7. April) wird die Crew dem Mond am nächsten kommen (6437 bis 9656 Kilometer zu Mondoberfläche) – und dabei so weit von der Erde entfernt sein wie bisher keine Menschen vor ihnen. Sie werden mit etwa 413.000 Kilometern den aktuellen Rekord von 400.171 Kilometern von Apollo 13 aus dem Jahr 1970 knacken.
Am siebten Flugtag (8. April) geht es wieder zurück Richtung Erde, dann wird das Raumschiff die erste von drei Rückkehrzündungen durchführen. Am 11. April soll die Kapsel schließlich in die Erdatmosphäre eintreten und an Fallschirmen hängend vor der Küste von San Diego im Pazifik wassern.





