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Noch diesen Monat: Dassault Falcon 6X vor Erstflug

Falcon 6X vor Erstflug Der Falke verlässt das Nest noch diesen Monat

Dassault Aviation bleibt mit der Falcon 6X im Zeitplan. Dem digitalen Roll-out Anfang Dezember soll noch im März der Erstflug folgen. Bereits für das Jahr 2022 ist die Indienststellung des neuen Langstreckenjets aus Frankreich geplant.

Die Entwicklung der Falcon 6X ist bis dato das Ergebnis von harter Arbeit und einer gehörigen Portion Durchhaltevermögen. Im Februar 2018 stellte Dassault Aviation in Paris seinen neuen Business Jet für die Langstrecke vor – nicht ganz freiwillig, denn die fünf Jahre zuvor enthüllte Falcon 5X hatte es zwar zum Erstflug geschafft, war dann aber an Problemen mit dem Silvercrest-Triebwerk von Safran gescheitert. Doch davon ließen sich die Franzosen nicht nachhaltig beeindrucken, sie entschieden sich für ein Triebwerk aus Pratt & Whitneys PW800-Familie, legten bei Reichweite, Kabinengröße und Abflugmasse noch einen drauf und präsentierten schließlich einen grundlegend überarbeiteten Jet – die Falcon 6X.

Preis weitgehend stabil

Der Preis für das neue Modell, so das Versprechen bei der Premiere in Paris, soll weitgehend stabil bleiben – 2018 waren rund 47 Millionen US-Dollar im Gespräch, rund zwei Millionen mehr als die 5X. Auch die Corona-Krise konnte das Team um Dassault-Chef Eric Trappier nicht aus der Bahn werfen. Der Zeitplan wurde bisher minutiös eingehalten: Roll-out im Jahr 2020, 2021 der Erstflug und 2022 dann Zertifizierung und Indienststellung.

Intensive Entwicklungsarbeit

Viele Monate intensiver Entwicklungsarbeit und die Montage der ersten drei Flugzeuge standen vor dem Roll-out am 8. Dezember 2020 in der Charles-Lindbergh-Halle am Standort Bordeaux-Mérignac, der als Videostream in die Welt übertragen wurde, digital und kontaktlos, wie es in diesen Tagen üblich geworden ist. Durch das Programm führte der US-amerikanische Moderator Miles O’Brien, Luftfahrt-Enthusiast und selbst Pilot. "Die heutige Markteinführung ist eine bedeutende Leistung.

Neues Flugzeugdesign

"Ich freue mich sehr, ein völlig neues Flugzeugdesign innerhalb der Falcon-Familie zu präsentieren, die Ultra-Widebody Falcon 6X", sagte Eric Trappier, Chairman und CEO von Dassault Aviation. "Die Herausforderungen, die die Covid-19-Pandemie mit sich brachte, erforderten außergewöhnliche Ausdauer und Kooperation von Dassault und seinen Partnerunternehmen." Weiter sagte er: "Die preisgekrönte Kabine – die höchste und breiteste in der Geschäftsluftfahrt – bietet ein Maß an Geräumigkeit, Komfort, Produktivität und Sicherheit, das einen neuen Maßstab im Langstreckensegment setzen wird."

Dassault Aviation
Vier große Monitore, Head-up-Displays und eine Fly-by-wire-Steuerung: Mit der Falcon 6X beweist Dassault Aviation, was möglich ist.

Die erste Liga der Business Jets

Mit ihren technischen Daten reiht sich die Falcon 6X in die erste Liga der Business Jets ein. Die Reichweite gibt Dassault mit 10.185 Kilometer (5500 nautischen Meilen) bei Mach 0.80 an – genug, um Städtepaare wie beispielsweise Genf und Los Angeles oder London und São Paulo miteinander zu verbinden. 9445 Kilometer (5100 nautische Meilen) sind es bei Mach 0.85. Bei den technischen Vorzügen geht Dassault auch auf das hohe Landegewicht ein, das es ermöglicht, vor einem Langstreckenflug weitere Passagiere an Bord zu nehmen, ohne erneut tanken zu müssen. Anflüge auf Flughäfen mit kurzer Piste sollen dank des effizienten Flügeldesigns ebenfalls möglich sein, während die maximale Reisegeschwindigkeit mit Mach 0.90 angegeben wird. Explizit erwähnt werden die Flaperons, kombinierte Klappen und Querruder, die steile Anflugprofile ermöglichen.

Digital Flight Control System

Die Ingenieure haben für die Falcon 6X nicht nur aus dem 5X-Projekt gelernt, sondern wenden gleichzeitig ihr Wissen aus dem militärischen Arm der Firma an. Bei der Fly-by-wire-Steuerung – Dassault spricht vom "Digital Flight Control System" – übernimmt die Elektronik in weiten Teilen die Kontrolle über den Business Jet. Der Pilot gibt mit dem Sidestick zwar den Flugweg vor, kontrolliert aber nur noch bedingt den dafür erforderlichen Einsatz der einzelnen Steuerflächen und Ruder. Das Cockpit ist mit dem Avionikpaket EASy III mit vier 14,1-Zoll-Displays ausgestattet, es basiert auf dem Honeywell Primus Epic. Serienmäßig an Bord ist FalconEye, ein Head-up-Display, das synthetische Geländedaten mit Echtzeitbildern der Kameras vereint. Ein Onboard-Diagnose-System überwacht mehr als 100 000 Parameter.

Pratt & Whitney Canada

Beim Antrieb des Zweistrahlers vertraut Dassault Aviation der Expertise von Pratt & Whitney Canada. President Maria della Posta stellte das PW812D vor. "Wir haben das Triebwerk mehr als 2500 Stunden getestet, davon mehr als 300 Stunden an unserem fliegenden Prüfstand inklusive mehr als 6000 Zyklen." In der Erprobung hat der Turbofan aus der PurePower-Reihe seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen müssen: Vogelschlag, Blade-off-Tests und Leistungsmessungen standen auf dem Programm. Der kanadische Hersteller wirbt mit einer Zuverlässigkeit von 99,99 Prozent. Im Flug musste sich das Triebwerk vor der 6X-Installation an der Boeing 747SP von Pratt & Whitney Canada bewähren. Auch bei Verbrauch, Lärm und Wartung setze das PW812D Maßstäbe. Den Schub gibt Dassault Aviation mit rund 58 bis 62 Kilonewton an.

Skylight im Eingangsbereich

Moderator Miles O’Brien und Carlos Brana, Executive Vice President, Civil Aircraft, führten das Publikum durch das Herzstück des Business Jets, die Kabine. Diese misst 1,98 Meter in der Höhe, 2,58 Meter in der Breite und 12,30 Meter in der Länge. 12 bis 16 Passagiere können in drei separaten Lounge-Sektionen arbeiten oder entspannen. 30 Fenster fluten den komfortablen Innenraum mit Tageslicht, dazu kommt – erstmals in einem Business Jet – ein Skylight im Eingangsbereich, das den Blick zum Himmel freigibt. In einer Höhe von 12 500 Metern (41 000 Fuß) entspricht der Druck an Bord einer Höhe von 1190 Metern. Via Satellit (Ka-Band) sind die Passagiere während ihrer Reise online.

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Durch 30 Fenster und ein Skylight flutet viel Tageslicht die geräumige Kabine. Über eine Satellitenverbindung ist das Internet immer an Bord.

Die Weichen für den Erstflug sind gestellt

Auch wenn Dassault keinen fixen Termin nannte, ist klar, dass es nicht mehr lange bis zum Erstflug der Falcon 6X dauern wird. Schließlich gilt es, bis 2022 mit drei Prototypen die bevorstehende komplette Flugerprobung abzuschließen. Noch im März sol daher laut Dassault die erste Falcon 6X abheben. Allzu große Überraschungen dürfte es dabei nicht geben, schließlich wurde der neue Falcon-Jet bereits im Vorfeld auf Herz und Nieren digital berechnet und am Boden getestet. Dassaults Testpilot Fabrice "Tom" Valette, der zusammen mit Bruno Ferry beim ersten Start im Cockpit sitzen wird, kennt die 6X bereits jetzt sehr gut. "Fast 40 Tage habe ich im Simulator verbracht", sagte er. "Wir werden immer noch die Agilität haben, die wir von der Falcon 7X gewohnt sind. Wir haben immer noch den Komfort, denn wir haben den gleichen Standard wie bei der Falcon 8X. Was also die Flugeigenschaften, die Agilität und die Leistung des Flugzeugs betrifft, wird es gleich bleiben."

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In Kürze soll die Falcon 6X zum Erstflug starten. Das Team von Dassault Aviation ist bereit für die Testkampagne.

Technische Daten Dassault Falcon 6X

Allgemeines
Hersteller:
Dassault Aviation, Frankreich
Passagiere: max. 16
Besatzung: 2

Antrieb
Hersteller:
Pratt & Whitney Canada
Typ: PW812D
Leistung: ca. 58 – 62 kN

Avionik
Hersteller:
Dassault/Honeywell
Typ: EASy III Flight Deck

Abmessungen
Länge: 25,68 m
Höhe: 7,47 m
Spannweite: 25,94 m
Kabinenlänge: 12,30 m
Kabinenhöhe: 1,98 m
Kabinenbreite: 2,58 m

Massen
max. Abflugmasse: 35.135 kg
max. Landemasse: 30.025 kg
max. Masse ohne Kraftstoff: 20.830 kg

Flugleistungen
Startstrecke: 1670 m
Landestrecke: 755 m
Reisegeschwindigkeit: Mach 0.85
Höchstgeschwindigkeit: Mach 0.90
Dienstgipfelhöhe: 15.545 m (51.000 Fuß)
Reichweite: (Mach 0.8) 5500 NM (10.185 km)