VW-Privatjets in der Kritik: Kein Sparprogramm für die Bosse?

Firmenjets von VW
1.450 Flüge, eine Million Kilometer - steuerfrei!

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.04.2026
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Foto: Anadolu via Getty Images, VW; Collage: Wittich

Im Zentrum stehen Zahlen zur Tochtergesellschaft Volkswagen AirService GmbH. Diese betreibt sechs Flugzeuge, die im Jahr 2025 insgesamt 1.450 Flüge absolvierten. Die zurückgelegte Strecke beträgt rund 1,01 Millionen Kilometer, der CO₂-Ausstoß liegt bei 5.848 Tonnen.

Datengrundlage und Herkunft der Auswertung

Die genannten Daten stammen aus einer Auswertung der Organisation OpenSky. Dabei handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation, die Flugbewegungen auf Basis öffentlich zugänglicher Flugdaten analysiert. Die Untersuchung wurde im Auftrag der Linkspartei durchgeführt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse unter anderem durch die "Welt am Sonntag". Die politische Einordnung der Zahlen geht auf den Vorsitzenden der Linkspartei, Jan van Aken, zurück, der die Analyse öffentlich aufgegriffen hat.

Van Aken sagte der "Welt am Sonntag", "während VW in der Krise steckt, die dort hart arbeitenden Menschen um ihre Jobs bangen und wir alle mit steigenden Spritpreisen abgezockt werden, fliegen die VW-Bosse in sechs VW-Privatjets um die Welt". auto-motor-und-sport.de hat den VW-Konzern ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten.

Ziele der Flüge und Aussagen des Konzerns

Die Flugdaten zeigen Verbindungen zu verschiedenen Zielen. Dazu zählen Standorte des Konzerns, etwa in Deutschland, Polen oder Mexiko. Gleichzeitig sind Flüge zu Städten wie Nizza, Ibiza, Barcelona, Paris, Pisa und Málaga dokumentiert. Diese treten gehäuft in den Sommermonaten Juli und August 2025 auf.

Ein Sprecher von Volkswagen erklärte gegenüber der "Welt am Sonntag", einzelne Flüge seien "nicht oder ganz überwiegend nicht im Auftrag der Volkswagen AG" erfolgt. Angaben zur genauen Nutzung der Flüge oder zu den jeweiligen Auftraggebern machte das Unternehmen nicht und verwies auf Wettbewerbsgründe. Van Aken bezog sich in seiner Kritik auch auf die Emissionen. Mit den 5.848 Tonnen CO₂ hätte man nach seiner Darstellung rund 46.000 Menschen von Hannover nach Mallorca transportieren können.

Diese Flugzeuge nutzt VW

Die Flotte der Volkswagen AirService GmbH besteht aus sechs Businessjets unterschiedlicher Klassen. Für interkontinentale Strecken nutzt der Konzern vier dreistrahlige Langstreckenjets vom Typ Dassault Falcon 8X und Falcon 7X.

Die Falcon 8X erreicht eine maximale Reichweite von rund 11.945 Kilometern bei einer Reisegeschwindigkeit von etwa Mach 0.8 bis 0.9 und kann in Höhen bis rund 15.500 Meter operieren. Sie wird von drei PW307D-Triebwerken von Pratt & Whitney angetrieben und ist für bis zu 16 Passagiere ausgelegt. Die Kabine misst etwa 13 Meter in der Länge bei rund 2,34 Meter Breite und 1,88 Meter Höhe. Charakteristisch sind die Fly-by-Wire-Steuerung, Steilanflug-Zulassung sowie die Möglichkeit, auch kürzere Start- und Landebahnen zu nutzen.

Die etwas kleinere Falcon 7X erreicht rund 11.020 Kilometer Reichweite, fliegt mit ähnlicher Geschwindigkeit und nutzt ebenfalls drei Triebwerke sowie eine vollständig digitale Flugsteuerung. Auch hier liegt die typische Passagierkapazität im zweistelligen Bereich, bei vergleichbarer Flughöhe und Kurzstartfähigkeit.

Für kürzere Strecken innerhalb Europas setzt Volkswagen zusätzlich zwei Pilatus PC-24 ein. Dieser zweistrahlige Jet erreicht rund 815 km/h Reisegeschwindigkeit und eine Reichweite von etwa 3.700 Kilometern. Er bietet Platz für acht bis zehn Passagiere und ist für den Betrieb auf kurzen, teilweise unbefestigten Pisten ausgelegt. Die Startstrecke liegt bei rund 940 Metern, was den Einsatz auch an kleineren Flughäfen ermöglicht. Eine große Frachttür erlaubt zudem das Verladen von sperrigem Material. In der Kombination deckt die Flotte damit sowohl interkontinentale Direktverbindungen als auch flexible Kurzstreckenflüge ab, wobei insbesondere die Fähigkeit zu Starts und Landungen auf kleineren Flughäfen als gemeinsames Merkmal aller eingesetzten Muster gilt.

Die Anschaffungskosten der von Volkswagen eingesetzten Geschäftsreiseflugzeuge liegen je nach Typ in unterschiedlichen Größenordnungen. Für die großen Langstreckenjets der Baureihen Dassault Falcon 7X und 8X werden Neupreise von jeweils rund 54 bis 62 Millionen Euro genannt. Die kleineren Pilatus PC-24 für Kurz- und Mittelstrecken liegen bei etwa 8 bis 10 Millionen Euro pro Flugzeug.

Für große Langstreckenjets wie die Falcon 7X und 8X liegen die Gesamtkosten je nach Nutzung und Kalkulation typischerweise bei rund 6.000 bis über 10.000 US-Dollar pro Flugstunde, inklusive Wartung, Personal und anteiliger Fixkosten. Die reinen direkten Betriebskosten können dabei niedriger liegen, während Charterpreise am Markt häufig bei etwa 10.000 bis 14.000 US-Dollar pro Stunde angesetzt werden.

Steuerliche Behandlung der Flüge

Ein weiterer Aspekt betrifft die Besteuerung des verwendeten Kerosins. Van Aken erklärte, bei einer Besteuerung wie bei Benzin hätte der Staat im Jahr 2025 rund 1,5 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen erzielt.

Tatsächlich gilt die Befreiung von der Energiesteuer auf Kerosin für gewerbliche Luftfahrtunternehmen. Dazu zählen sowohl klassische Fluggesellschaften wie Lufthansa als auch die Volkswagen AirService GmbH.

Diese ist als kommerzieller Anbieter registriert und kann ihre Flugzeuge auch an externe Kunden verchartern. Dadurch fällt sie unter die gleichen steuerlichen Regelungen wie andere Anbieter im Luftverkehr. Statt einer Energiesteuer wird eine Luftverkehrsteuer erhoben, die im Linienverkehr in der Regel auf Ticketpreise umgelegt wird.

Zusammenhang mit dem Sparprogramm

Die Diskussion über die Flüge fällt zeitlich mit dem laufenden Sparprogramm des Konzerns zusammen. Volkswagen reagiert auf steigende Kosten und sinkende Margen mit strukturellen Anpassungen.

Geplant ist unter anderem der Abbau von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2030. Die veröffentlichten Flugdaten stehen damit im selben Zeitraum wie diese Maßnahmen.

Für den Straßenverkehr ergibt sich daraus vor allem eine indirekte Relevanz. Während Kraftstoffe im Pkw-Verkehr mit Energiesteuern belastet sind, gelten im Luftverkehr andere steuerliche Rahmenbedingungen.

Fazit