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Korean-Air-Flagschiff Airbus A380

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Mit einer besonders großzügig bestuhlten Airbus-A380-Kabinenvariante, samt Bar, Lounge und Duty-Free-Showroom, will Korean Air mehr Vollzahler in ihre Jets nach Seoul locken.

Korean-Air-Flagschiff Airbus A380

Wie heißt die Linienfluggesellschaft mit bedeutender Frachttochter, die sowohl Boeing 747-8I als auch Airbus A380 bestellt hat und die letztere im Liniendienst täglich nach Frankfurt einsetzt? Man könnte denken: Lufthansa, aber alle Attribute treffen neuerdings auch auf Korean Air zu, steuern doch die Koreaner – sie beförderten 2011 weltweit 23,3 Millionen Passagiere – seit dem 25. März 2012 Frankfurt im Liniendienst von Seoul-Incheon aus per A380 an.

„Korean Air fliegt als dritte Airline mit dem Airbus A380 nach Frankfurt, aber sie ist die erste Airline hier im Terminal 2, das ja eigens für dieses Flugzeug gebaut wurde“, freute sich Fraport-Chef Stefan Schulte bei der Begrüßung des ersten A380-Fluges aus Korea. „Die A380 ermöglicht uns, bei den Passagierzahlen zu wachsen, ohne dass es lauter wird“, lobte der Flughafenchef.

Buchungsklassen bei Korean Air

Die Cocktailbar im hinteren Oberdeck der A380 steht Gästen der Business Class von Korean Air offen. Foto und Copyright: Korean Air

Korean Air löst auf ihrem täglichen Flug nach Frankfurt die Boeing 777 mit dem größten Passagierflugzeug der Welt ab. An Bord gibt es asiatisch-geschliffenen Service mit wahlweise westlicher oder koreanischer Küche. Obwohl die A380-Bestuhlung bei Korean mit nur 407 Passagiersitzen die geringste Sitzplatzzahl aller Airline-Betreiber aufweist, steigt alleine die Zahl der Business-Class-Sitze gegenüber der Boeing 777 immer noch um rund 40 Prozent auf 94. Während im Hauptdeck vorne zwölf Sitze der „Cosmo Suite“-First Class und im Abteil dahinter 301 Sitze der Economy Class (Abstand 86 cm) untergebracht sind, bleibt das gesamte Oberdeck der Business Class vorbehalten.

Den Gästen dieser sogenannten Prestige Class steht hier neben einer kleineren Lounge mit Sitzgruppe im Bug auch noch das Abteil der „Celestial Bar“ im Heck zur Verfügung. An einem Tresen mixt ein Flugbegleiter Wodka-Cocktails à la carte. Die Koreaner achten aber darauf, dass sich hier niemand betrinkt, und so ist die Lounge ein angenehmer Aufenthaltsort für die gepflegte Konversation auf einem Sofa und keine „fliegende Eckkneipe“.

Als weitere Attraktion hat sich Korean außerhalb des regulären Airbus-Katalogs den sogenannten Duty Free Showcase im Heck des Hauptdecks einbauen lassen. Diese Verkaufsfläche mit beleuchteten Vitrinen für hochwertige Parfums, Spirituosen und Uhren wird während des Fluges nacheinander für Passagiere aller drei Buchungsklassen geöffnet. Eine Flugbegleiterin verteilt hier Duftproben der angebotenen Parfums und zeigt die Artikel der dicken Verkaufskataloge, zum Beispiel Schmuck, im Original. Luxus-Weinbrände aus aller Welt, beliebte Mitbringsel in Asien, erreichen hier schnell dreistellige Preislagen. Die Verkäufe an Bord seien „beachtlich gestiegen“ heißt es in der Unternehmenszentrale über den Erfolg des A380-Ladens. Ob aber auch die von Korean bestellten Boeing 747-8I eine ähnliche Verkaufsstelle erhalten, werde man erst zwei Jahre vor deren für das Jahr 2016 geplanten Lieferung entscheiden, heißt es in Seoul.

Deutschland ist Koreas wichtigster Handelspartner in der EU, rund 5.000 koreanische Geschäftsleute residieren alleine im Großraum Frankfurt. Nach einem im Sommer 2011 abgeschlossenen Freihandelsabkommen zwischen Südkorea und Deutschland hofft Korean Air künftig auch auf mehr deutsche Geschäftsreisende an Bord ihrer Jets. Noch fliegen in der modernen Business Class mit flachem Schlafsitz und großem Videoschirm rund 80 Prozent Koreaner. Rund 40 Prozent der Korean-Passagiere auf der Frankfurt-Route sind Durch- und Weiterreisende.

„Auf der Langstrecke ist die Passagierzufriedenheit das zentrale Kriterium“

„Bei einem so hohen Ölpreis wie derzeit müssen Sie gleichzeitig Kosten sparen und mehr Vollzahler-Passagiere gewinnen“, erläutert Sunghoi Song, Korean-Air-Vorstand und Verkaufschef des Bereichs Passage, die aktuelle Unternehmensstrategie im Hauptquartier in Seoul. „Auf der Kurzstrecke geht es vorrangig um die Kosten, aber auf der Langstrecke ist die Passagierzufriedenheit das zentrale Kriterium“, ergänzt San-Beom Lee, sein Vorstandskollege für Langstreckennetzwerk und Marketing. „Wir Asiaten achten insgesamt mehr auf langfristige Rentabilität und gehen strategischer an die Dinge, wir wollen Märkte erobern“, unterscheidet Lee den Kurs von kurzfristiger planenden, westlich orientierten Aktiengesellschaften. Im Gegensatz zu Singapore Airlines und Emirates setze man die A380 gezielt auf Strecken mit hohem Geschäftsreiseverkehr ein, nämlich von Seoul nach New York (JFK), nach Los Angeles und nach Frankfurt.

Hier hoffen die Koreaner auf hohe Zuwächse im – bei bis zu drei Monaten Aufenthaltsdauer – visafreien touristischen Verkehr aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Dieser Markt wird wachsen“, ist sich Lee sicher. Schon einmal hatte Korean Air 2009 versucht, auch noch München als zweite Destination in Deutschland zu erobern. Allerdings startete diese dreimal wöchentlich gegen direkte Lufthansa-Konkurrenz angebotene Verbindung genau in der Wirtschaftskrise und wurde bald wieder eingestellt. Zum Thema Flughafen BER äußert sich Airline-Vorstand Song noch vorsichtig. Derzeit gebe es keine Pläne, auch die deutsche Hauptstadt anzusteuern. „Wir beobachten aber dort sehr genau. Es ist ein sehr interessanter Markt, aber der Geschäftsreiseverkehr geht mehr in den Süden Deutschlands. Auf lange Sicht: warum nicht?“

Auf Kurs mit der Konkurrenz vom Golf

Korean Air hat ihren ersten Airbus A380 im Mai 2011 übernommen. Foto und Copyright: Airbus

Wie mit der London-Verbindung wollen die ehrgeizigen Koreaner mit ihrem A380-Kapazitätssprung auf der Frankfurt-Strecke auch mit dem raschen Wachstum der Golf-Airlines mithalten, die enorme Kapazitäten und neue Umsteigeverbindungen einrichten. Denn Korean hat Seoul zum Drehkreuz ausgebaut, von wo aus man eigene Umsteiger über den großzügigen, neuen Incheon-Flughafen in den gesamten asiatischen Raum, darunter nach China, verteilen möchte. Ein Flug mit Emirates mache dagegen nächtliches Umsteigen in Dubai nötig, und auf der asiatischen Seite gebe es keine attraktiven Anschlussverbindungen, vergleicht Korean-Vorstand Lee. Das Wachstum im Nahen Osten funktioniere zudem nicht unendlich. „Ein oder zwei“ der dortigen Airlines würden deshalb auch wieder verschwinden, lautet die Prognose aus Korea.

Der chinesische Markt

Der unermessliche Markt China, gleich vor der Haustür der Koreaner, öffnet sich dagegen allmählich. Schon dürfen Chinesen auf dem Weg zur koreanischen Ferieninsel Jeju und im Transit in die USA ohne Visum nach Südkorea reisen. Während Korean Air bisher hauptsächlich vom alten Inlandsflughafen Seoul-Gimpo aus nach Jeju flog, hat sie, vor allem für Umsteiger, nun auch zusätzliche Flüge von ihrem Drehkreuz Seoul-Incheon auf die Ferieninsel aufgelegt.

Als nächstes A380-Ziel hat Korean Air bereits Atlanta ausgewählt. Mit 16 sogenannten Gateway-Flughäfen spielen die transpazifischen Langstreckenflüge, vor allem in die USA, eine Schlüsselrolle für Korean Air. Fast ein Drittel der Passagierumsätze stammen aus dem Nord- und Südamerika-Verkehr. Damit ist die Neue Welt doppelt so wichtig wie Europa und wichtiger als Japan und China zusammen. Chinesische Umsteiger auf dem Weg in die USA – noch gebremst wegen beschränkter Verkehrsrechte - gelten als kommender großer Wachstumsmarkt für die Koreaner. Die oft sehr wohlhabenden chinesischen Großstadtbewohner beginnen erst allmählich mit dem Hobby Fernreisen.

Vorteil Flottenerneuerung

Nach einem Nonstop-Flug aus Seoul landete die erste A380 von Korean Air in Frankfurt. Dort parkt der Jet bei seinen täglichen Flügen direkt vor der Besucherterrasse am Terminal 2. Foto und Copyright: Fraport AG

Ihren schon jetzt deutlich sichtbaren Erfolg im USA-Verkehr, hier erreicht man besonders viele Vollzahler, führt Korean Air auch auf die Strategie zurück, bereits während der US-Wirtschaftsflaute in eine Flottenerneuerung, vor allem durch Boeing 777, Airbus A330 und A380, investiert zu haben. Heute, wo sich die amerikanischen Wirtschaft langsam zu erholen beginnt und der Verkehr allmählich anzieht, werde man deshalb von vielen Firmenkunden bevorzugt, die den oft nur noch kargen Service der US-Branchenriesen leid seien. Zudem gebe es eine Million Koreaner in den USA und über sechs Millionen US-Bürger mit koreanischen Wurzeln, die eine wichtige Kundengruppe bildeten.

Aktuell lenkt Korean ihr Wachstum aber nach Europa. In den USA hält man angesichts hoher Kosten wegen des weiterhin erwarteten hohen Ölpreises dagegen nur die Frequenzen, setzt aber teilweise kleinere Flugzeugmuster ein. Sobald der Ölpreis sinke, werde der US-Markt wieder deutlich anziehen.

FLUG REVUE Ausgabe 06/2012

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