Boeing 787-9 Qantas

BDLI sieht klimaneutrales Fliegen als Chance für Mittelstand

BDLI-Gesprächsreihe Mittelstand unterstützt klimaneutrales Fliegen

Der Branchenverband BDLI befürwortet die Forschung zum klimaneutralen Fliegen. Sie sei auch für die mittelständischen Luftfahrtunternehmen eine große Chance. Entscheidend sei, früh und plattformübergreifend anwendungsfähige Produkte zu entwickeln und nicht auf einen etwaigen "Big Bang" im Jahr 2050 zu warten.

In seiner Web-Gesprächsreihe AeroSpace Insights machte der BDLI am Donnerstag den Mittelstand und das klimaneutrale Fliegen zum Thema. BDLI-Hauptgeschäftsführer Volker Thum bekannte zum Thema klimanteutrales Fliegen: "Wir sehen das Ziel ein und wir wollen es tun."

170 deutsche Ausrüster mit 40.000 Beschäftigten seien an den Entwicklungen beteiligt. Dazu zählten CO2-neutrale Antriebe, wie Wasserstoff oder Brennstoffzelle, drastische Gewichtsreduzierungen durch neue Materialien und Kabinen-Konzepte, oder die Verwendung und Nutzung wiederverwendbarer Materialien. Das Thema klimaneutrales Fliegen sei in seiner Bedeutung mit der Einführung des Jet-Zeitalters vergleichbar.

Großteil der Wertschöpfung in der Lieferkette

"Die mittelständisch geprägten Ausrüster bilden das Rückgrat der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und sie sind einer der wesentlichen ‚Enabler‘ für ein klimaneutrales Fliegen. Für den aktuellen Umbruch benötigt die Ausrüstungsindustrie konkrete Unterstützung und Investitionen von Seiten der Bundesregierung, um ihre Rolle in der Transformation optimal ausfüllen zu können", sagte BDLI-Vizepräsident Luftfahrt, Ausrüstung und Werkstoffe, Josef Köcher.

Martin Kroell, BDLI-Mittelstandsbeauftragter und Mitglied des Präsidiums ergänzte: "Ohne Mittelstand keine Klimaneutralität – ein sehr großer Teil der Wertschöpfung eines Flugzeugs wird in der Lieferkette erbracht und damit in Ausrüstung, Werkstoffen und Komponenten. Die Herausforderung der Klimaneutralität bis 2050 sehen wir, die ‚Hidden Champions unserer Branche‘, als große Chance."

Antriebsoption hängt von geforderter Reichweite ab

Bei den Antrieben werde für Kurzstrecken der batterieelektrische Antrieb untersucht. Dagegen werde auf Mittelstrecken Wasserstoff eine größere Rolle spielen, während auf Langstrecken nachhaltiges Kerosin aus erneuerbaren Quellen (SAF) noch für eine längere Zeit gebraucht werde. Hierdurch entstehe viel Entwicklungsbedarf bei Mittelständlern, etwa für Wasserstoffpumpen oder neue Materialtechnik, um mehr Energie pro Gewichtseinheit Batteriezelle speichern zu können.

Aber auch Detailoptimierungen brächten messbare Fortschritte. So habe Diehl Aviation für die Boeing 787 eine Anlage zur Wiederverwendung von Brauchwasser entwickelt, sogenanntem "Grey Water", die auf einem Beispielflug von Berlin nach San Francisco das Äquivalent von 0,8 Tonnen CO2 einspare.

Plattformübergreifende Produktstrategie

Zur aktuellen politischen Großwetterlage äußerte der BDLI die Sorge, die globalen Lieferketten könnten sich in vier Säulen aufpalten: Europa, USA, China und Russland. Der deutsche Mittelstand müsse plattformübergreifend entwickeln, um seine Produkte weltweit zu vermarkten.

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