Laut Boeing absolvierte die 777-9 den nicht ganz ungefährlichen Bremsentest auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien. Dazu wurde der sieben Jahre alte 777-9 Prototyp, N779XW bis zum Höchststartgewicht von 351,5 Tonnen beladen und dann auf 190 Knoten (352 km/h) Rollgeschwindigkeit beschleunigt, also bereit zum Abheben. Doch statt am Steuerknüppel zu ziehen, nahm Boeing-Testpilotin Captain Heather Ross, sie ist auch 777-9-Projektpilotin, absichtlich die Schubhebel zurück und stieg fest in die Eisen. Mit aufgerichteten Störklappen aber ohne Schubumkehr brachte sie den Großraum-Zweistrahler wieder sicher zum Stillstand.
Flammen züngeln bei 1371 Grad Bremstemperatur
Das Flugzeug verlangsamte seine Geschwindigkeit dabei, ohne von der Mittellinie der Startbahn auszubrechen und ohne etwaige, erkennbare, größere Lenkeingriffe. Währenddessen bildeten sich an den Reifen des Hauptfahrwerks dunkle Qualmwolken, denn die Bewegungsenergie wurde in den Bremsen in Reibungshitze umgewandelt. Dabei erhitzten sich die Bremsscheiben auf 1371 Grad Celsius, so heiß, dass man die Bremsscheiben bei Sonnenschein glühen sehen konnte. Als zusätzliche Erschwernis werden beim Maximum Brake Energy Test absichtlich maximal abgenutzte Bremsen eingebaut, so dass die für eine Schnellbremsung ungünstigste Situation nachgestellt wird.
Feuerwehr darf nur zugucken
Mit dem sicheren Halt ist der Test noch nicht zu Ende. Jetzt wird es erst richtig spannend: Während aus den immer heißer werdenden Bremsen Flammen züngeln und die qualmenden Gummireifen sich immer weiter aufheizen, muss das Flugzeug fünf Minuten lang im Stillstand ohne Eingreifen der Feuerwehr überstehen. Die Feuerwehr umstellt das Flugzeug zwar mit ihren Fahrzeugen, sie darf fünf Minuten lang aber nur beobachten und nicht tätig werden, sonst wäre der Test nicht bestanden. Diese Frist simuliert die ungünstigste Dauer, die bei einem echten Startabbruch die Feuerwehr brauchen könnte, bis sie dem Flugzeug zu Hilfe eilen kann. Währenddessen bringt die Hitze Schmelzventile in den Rädern zum Abblasen, so dass der Überdruck aus den nun extrem überhitzten Reifen gefahrlos entweichen kann. Zwar steht das Flugzeug damit auf jeweils sechs "Platten", aber man verhindert, dass die Reifen explodieren und durch eventuelle Trümmer das Flugzeug beschädigen könnten. Nach den fünf Minuten darf die Feuerwehr eingreifen und mit einem Sprühwassernebel die Bremsen vorsichtig herunterkühlen.
Wann fand der Test statt?
Der Maximum Brake Energy Test dient für die Zulassung der 777-9. Er weist nach, dass das Flugzeug auch bei der höchsten Beladung, höchsten Geschwindigkeit und mit den schlechtesten Bremsen bei einem jederzeit möglichen Startabbruch sicher auf der Bahn zum Stillstand gebracht werden kann. Da dieser Test mit erhöhten Risiken verbunden ist, wird er erst gegen Ende eines Testprogramms angesetzt, damit man nicht risikiert, ein kostbares Testflugzeug vorzeitig zu beschädigen. Die auf den einschlägigen ADSB-Seiten im Internet sichtbaren Bewegungen der 777-9-Testflotte scheinen darauf hinzudeuten, dass Boeing den erst jetzt bekannt gemachten Bremstest schon im dritten Quartal 2025 in Edwards absolviert haben könnte. Damit könnte die 777-9 schon kurz vor dem ersehnten Ende ihrer Testkampagne angekommen sein.
Projektpilotin ist zufrieden
"Das Flugzeug hat sich sehr gut verhalten, sogar besser als erwartet, obwohl wir es unter extremen Bedingungen getestet haben", sagte Heather Ross nach dem Test über die Boeing 777-9. "Ich bin sehr stolz aufs Flugzeug und auf die Testmannschaft, alle haben ihren Job extrem gut gemacht."





