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Boeing macht Millionenverlust mit der Air Force One

Konzern-Quartalszahlen Boeing macht Millionenverlust mit der Air Force One

Boeing hat die Bilanz für das erste Quartal 2022 vorgelegt. Wegen stockender Auslieferungen und verspäteter Zulassungsprogramme schreibt der Hersteller weiter rote Zahlen. Und auch die neue Air Force One macht dem Hersteller teuren Ärger.

Boeing meldete für das erste Geschäftsquartal 2022 einen Verlust im Kerngeschäft von 1,5 Milliarden Dollar, deutlich mehr als im ersten Quartal 2021 (Verlust 353 Millionen) und deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten, die knapp 400 Millionen Verlust prognostiziert hatten. Auch der Umsatz sank um acht Prozent auf 14 Milliarden Dollar, wogegen Analysten eine Steigerung auf 16 Milliarden Dollar erwartet hatten.

777-9 rückt nach hinten

Boeing leidet unter anhaltenden Programmverspätungen, insbesondere durch verspätete Zulassungsverfahren. Konzernhef David Calhoun bestätigte deshalb die, von uns bereits gemeldete, erste Auslieferung neuer Boeing 777-9 erst ab 2025. Es sei eine Lehre aus den MAX-Erfahrungen, die eigenen Abteilungen nicht mit zu engen Zeitplänen ohne jeden Spielraum zu überlasten. Auch wolle man den Mitarbeitern nicht zu viel parallele Arbeit in mehren Zulassungsprogrammen zugleich aufhalsen. Deswegen wolle man die 777-9 etwas nach hinten schieben, um sich zunächst um die 787 zu kümmern. Die FAA habe das letzte Wort bei allen Terminplänen. Die Verspätungen und fälligen Änderungen an der 777-9 verursachten "abnomale Kosten" in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Boeing will die Fertigung neuer 777X im Jahr 2023 zugunsten zusätzlicher 777 Freighter herkömmlicher Bauart vorübergehend aussetzen. Die 777X war bereits 2000 Flugteststunden in der Luft.

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Die Boeing 777X verspätet sich weiter - erste Auslieferungen soll es frühestens 2025 geben.

787-Wiederaufnahme zuerst

Hier habe Boeing einen neuen Zulassungsfahrplan erstellt und bei der FAA zur Genehmigung eingereicht. Die Dreamliner-Produktion ruht derzeit nahezu, weil Probleme mit nicht paßgenauen Teilen, verunreinigtem Kohlefaser-Werkstoff und ungenau gefertigten Ausgleichsstücken (Shims) aufwändige Nacharbeiten erfordern. 115 Flugzeuge stehen deshalb auf Halde und können noch nicht ausgeliefert werden. Boeing erwartet die FAA-Freigabe, modifizierte Flugzeuge wieder ausliefern zu dürfen, in näherer Zukunft. Dann soll auch die Produktionsrate neuer Dreamliner in Charleston als Zielvorgabe wieder auf fünf Flugzeuge pro Monat steigen.

Die Boeing 737 MAX 10 startete am 18. Juni 2021 zum Erstflug.
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Die 737 MAX-10 hat bei ihrer Zulassung ebenfalls mit Verspätungen zu rechnen.

MAX-Halde soll abgebaut werden

Bei der 737 MAX stehen sogar noch 320 vorproduzierte Flugzeuge auf Halde, die immerhin seit der Wiederfreigabe ausgeliefert werden dürfen. Dieser Lieferstau solle bis Ende 2023 abgebaut sein, kündigte Konzernchef Calhoun am Mittwoch an. Mit der Auslieferung überweisen die Kunden auch die letzte Tranche des Kaufpreises, so dass bei Boeing wieder mehr Geld in die Kasse kommt. Im Gesamtjahr 2022 werde man wieder "Cash Flow positiv", kündigte Boeing an, im Jahr 2023 verbessere sich die Lage dann nochmals. Der Neubau der MAX soll auf 31 Flugzeuge im Monat steigen. Die 737 MAX bewähre sich im Einsatz mit einer hohen Zuverlässigkeit über 99 Prozent, so Konzernchef Calhoun.

MAX-10-Zulassung kommt unter Termindruck

Dagegen leidet die Boeing 737 MAX 10 unter Verspätungen im Zulassungsprogramm. Hier läuft zum Jahresende eine Ausnahmefrist ab, innerhalb derer Boeing die MAX-10-Zulassung noch nach älteren Zulassungsregeln abschließen darf. Geht die Zulassung erst danach vonstatten, werden strengere Regeln gültig, die kostspielige Änderungen erfordern, sofern die Ausnahmefrist seitens des Kongresses nicht noch einmal verlängert wird.

Air Force One als Verlustgeschäft

Schließlich muss Boeing auch für die neue Air Force One auf Basis der Boeing 747-8 zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 660 Millionen Dollar einplanen. Hier wurde ein Festpreisauftrag mit dem Pentagon vereinbart, so dass alle zusätzlichen Kosten durch Verspätungen und Änderungsbedarf einseitig durch Boeing zu tragen sind. Dieser noch von Calhouns Vorgänger Dennis Muilenburg vereinbarte Kontrakt sei ein "Risiko gewesen, das Boeing wohl nicht hätte eingehen sollen", kommentierte der aktuelle CEO. Gründe für die neuerlichen Kostensteigerungen seien gestiegene Kosten bei Zulieferern, höhere Kosten für die Ausarbeitung technischer Anforderungen, aber auch Verspätungen im Zeitplan.

Mit den Kosten des Ukraine-Krieges, den Kosten für Pandemie-Folgen und sonstigen Kostensteigerungen, etwa beim Red-Hawk-Militärtrainer, kommen bei Boeing insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar zusätzliche Rückstellungen im ersten Quartal zusammen.

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