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Business Aviation

Branchen-Trends

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Die Business Aviation ist eine dynamische Branche mit einer großen Produktvielfalt. In technologischer Hinsicht ist sie vielfach sogar Trendsetter, zeigte sich auf der NBAA in Las Vegas.

Marco Tulio Pellegrini, Präsident und Hauptgeschäftsführer des brasilianischen Herstellers Embraer Executive Jets, ist zufrieden. Auf der NBAA in Las Vegas erinnerte er daran, dass das Unternehmen ja gerade einmal zehn Jahre in diesem Segment der Luftfahrt vertreten ist: „Wir haben ein komplett zugelassenes Portfolio, das von dem Leichtjet Phenom 100 bis zum Bizliner Lineage 1000 reicht.“ In nur einer Dekade haben die Brasilianer sieben verschiedene Geschäftsreiseflugzeug-Muster entwickelt und zur Zulassung gebracht. 930 Business Jets haben sie in dieser Zeit in 60 verschiedene Länder geliefert. Besonders erfolgreich in Bezug auf die ausgelieferten Stückzahlen erwiesen sich die Leichtjets Phenom 100 und 300, die im neuen Embraer-Werk in Melbourne, Florida, montiert werden. Über 320 Phenom 100 sind bereits in Kundenhand, von der Phenom 300 wurde kurz vor Beginn der NBAA das 300. Exemplar übergeben.

Das neueste Embraer-Muster ist die Legacy 450, deren erstes Exemplar am 22. Dezember an die US-Firma LMG übergeben wurde. Embraer hat bei der Flugerprobung festgestellt, dass die Flugleistungen des von zwei Honeywell-HTF 7500-E-Turbofans angetriebenen Mid-size Jets besser sind als vorausberechnet. Deswegen gab Pellegrini auf der NBAA die neue garantierte Reichweite der Legacy 450 mit 2900 NM (5380 km) an. Damit bietet dieses Muster nach Angaben des Herstellers in seiner Klasse die größte Reichweite. Außerdem ist die Legacy 450 auch das einzige Muster in seiner Klasse mit einer vollständigen Fly-by-Wire-Steuerung.

Bei der größeren Schwester, der Legacy 500, von der erst zwölf Exemplare ausgeliefert worden sind, arbeitet der Hersteller an der Zulassung von Steilanflügen auf den London City Airport. Diese Zertifizierung soll in Kürze erfolgen. Aufgrund der großen Bau- und Systemgleichheit von Legacy 500 und 450 darf davon ausgegangen werden, dass auch die 450 in Zukunft für Steilanflüge qualifiziert wird.

Etwas länger als Embraer ist Boeing Business Jets (BBJ), das 1996 gegründete 50:50-Joint-Venture von Boeing und General Electric, am Markt. In puncto Stückzahlen kommt BBJ zwar nicht an Embraer heran, aber beim Umsatz dürfte das in Seattle beheimatete Unternehmen die Brasilianer schlagen. Bis zum Beginn der NBAA hatte Boeing Business Jets 2015 sieben Aufträge für neue Flugzeuge erhalten. Kunden haben einen klassischen BBJ, fünf BBJ MAX und eine Boeing 787 geordert. An Auslieferungen standen bis Ende November dagegen zwei modifizierte Boeing 737, drei BBJ, eine Boeing 777 sowie vier 787 Dreamliner in den Büchern. Dadurch stieg die Gesamtzahl der Bestellungen auf 235, während die Zahl der in Dienst stehenden Boeing Business Jets aller Typen auf 185 stieg. Die Kunden für diese Flugzeuge kommen nicht nur aus dem Mittleren und Nahen Osten, sagte David Longridge, Präsident von BBJ, in Las Vegas. Nur 35 Prozent des Auftragsbestands kämen aus dieser Region. Auch China spielt bei den BBJ-Verkäufen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Acht Prozent aller ausgelieferten BBJ sind in China beheimatet. 2015 wurden fünf BBJ als Gebrauchtflugzeuge angeboten und verkauft. Alle gingen an chinesische Betreiber.

Airbus Corporate Jets berichtete auf der Messe, dass der Firma sechs Bestellungen für Flugzeuge der ACJ320neo-Familie vorlägen, obwohl das Programm der Business Jets auf Basis der A320neo erst im Juni gestartet worden sei. Die Kunden müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden, denn aufgrund des riesigen Berges an Bestellungen für die A320neo von Linienfluggesellschaften sind Slots für die ACJ320neo-Version erst ab dem letzten Quartal 2018 frei, für die ACJ319neo gar erst ab dem zweiten Quartal 2019. Nach Aussage von Benoît Defforge, dem Hauptgeschäftsführer (CEO) von Airbus Corporate Jets, verbraucht die neo 16 Prozent weniger Treibstoff als die bisherigen Versionen. Allein die von Airbus „Sharklets“ genannten Winglets reduzieren den Verbrauch um vier Prozent, so Defforge.

Connectivity war auch ein großes Thema auf der Messe. Nutzer von Busines Jets wollen auch im Flugzeug ständig mit dem Internet verknüpft sein. Honeywell Aerospace zeigte den Prototyp eines Systems namens JetWave, das mit einer seitlich am Rumpf angebrachten Antenne über das Satellitensystem von Inmarsat eine Bandbreite von bis zu 50 MBit/s liefern kann. Mit einer Satellitenschüssel auf dem Rumpfrücken sind bis zu 30 MBit/s möglich. Die Zulassung sollte bis Ende 2015 erfogen.

GE Aviation entwickelt Turboprop in Europa

Der Advanced Turboprop von GE Aviation wird in Europa gebaut und getestet. Foto und Copyright: GE Aviation

GE Aviation baut die Aktivitäten im Bereich General Aviation weiter aus und entwickelt für eine neue Turboprop-Einmot von Textron Aviation ein Triebwerk mit einer Leistung von rund 970 kW. Das Triebwerk für den Textron-Single-Engine-Turboprop (SETP) soll das erste Mitglied einer neuen Familie von Turboprops im Leistungsbereich von 635 bis 1120 kW werden. Dank eines hohen Gesamtdruckverhältnisses von 16:1 rechnet GE Aviation mit einem um 20 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch als bei den Konkurrenzmustern dieser Größenklasse. Die Leistung soll um zehn Prozent steigen und die Instandsetzungsintervalle um 30 Prozent auf 4000 bis 6000 Stunden verlängert werden. Dabei setzen die Ingenieure auf Technologie aus der Verdichterentwicklung der Großtrieb­werke des Unternehmens sowie auf generative Fertigungsverfahren für Strukturteile.

FLUG REVUE Ausgabe 02/2016

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