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EBACE 2015 - Messe-Report

Business-Jets Messe-Report EBACE 2015

Die EBACE fand in diesem Jahr zum 15. Mal in Genf statt. Sie hat sich zur zweitgrößten Messe für die Geschäftsluftfahrt entwickelt. Die 460 Aussteller boten viele Premieren. Allerdings hat sich die Industrie noch nicht vollständig erholt. Russland ist als Markt derzeit weitgehend zusammengebrochen.

Messe-Report EBACE 2015

Fabio Gamba, der Hauptgeschäftsführer der European Business Aviation Association EBAA, fand klare Worte zum Jubiläum der EBACE, der europäischen Business-Aviation-Messe, die in diesem Jahr zum 15. Mal stattfand: „Wir haben einigen Gegenwind erleben müssen und erleben ihn zum Teil noch heute. Es ist andererseits aber faszinierend zu sehen, wie schnell sich dieser Zweig den neuen Realitäten anpasst.“ Sein Amtskollege Steve Brown von der amerikanischen NBAA, die zusammen mit der EBAA die EBACE veranstaltet, ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass man in Genf bleiben will. Man spreche mit der Stadt Genf, da man hier eine ideale Plattform zur Fürsprache für die gesamte Branche gefunden habe.

Die EBACE hat in diesem Jahr zwar keine Rekordzahlen erreichen können, aber mit 460 Ausstellern und 58 Flugzeugen im Display lagen die Zahlen nur knapp unter denen der Rekordjahre.

Für die Besucher gab es viel zu sehen, denn viele Hersteller zeigten ihre Neuheiten zum ersten Mal in Europa beziehungsweise nutzten die Gelegenheit, ein neues Flugzeugprogramm zu launchen. Der brasilianische Hersteller Embraer hatte extra für die Messe eine Legacy 450 aus dem Flugtestprogramm genommen und sie nach Genf fliegen lassen. Der zweistrahlige Jet soll noch in diesem Jahr seine Zulassung erhalten. Marco Túlio Pellegrini, der Präsident von Embraer, berichtete, dass derzeit die Nachfrage nach Business Jets in China und Russland sehr niedrig sei.

Trotzdem rechnet der Hersteller in seiner Vorhersage mit 9250 ausgelieferten Jets in den nächsten zehn Jahren. In Genf zeigte Textron Aviation zum ersten Mal die Citation Latitude in Europa. „Das Flugprogramm ist abgeschlossen“, sagte Scott Ernest, Präsident und Hauptgeschäftsführer von Textron Aviation. Die Cessna Citation Latitude sollte  noch im Mai von der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA zugelassen werden. Die EASA-Zertifizierung will das Unternehmen bis Ende des Jahres erreicht haben. Die Tests haben ergeben, dass die Reichweite der Citation Latitude noch über den angestrebten 2700 nautischen Meilen liegt. Mit Langstreckengeschwindigkeit erreicht die Latitude nun 2850 nautische Meilen (5278 km), Distanzen bis zu 2700 nautischen Meilen (5000 km) können im High Speed Cruise nonstop überbrückt werden.

Airbus hat in Genf den lange erwarteten Startschuss für die ACJ319neo und ACJ320neo gegeben. Für den offiziellen Startschuss des Programms kam selbst John Leahy, Chief Operating Officer Customers bei Airbus, zur EBACE. Mit Acropolis Aviation aus Farnborough  konnte der Hersteller auch gleich einen Erstkunden für die ACJ320neo nennen.

In der neo-Version werden die beiden Flugzeugmuster bis zu 16 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als ihre Vorgängermodelle. Für die A320neo-Familie hat Airbus bislang 3794 feste Bestellungen sammeln können. Deshalb erfolgt der Programmstart für die Business-Jet-Ableger auch so spät. Der erste verfügbare Produktionsslot für eine ACJ320neo ist 2018.

12 500 Kilometer Reichweite für die ACJ319neo

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Die ACJ319neo verfügt bei acht Passagieren über eine Reichweite von 6750 nautische Meilen (12 500 km), während die ACJ320neo mit 25 Passagieren noch Distanzen von bis zu 6000 nautische Meilen (11 100 km) nonstop zu überbrücken vermag. Eine ACJ321neo ist derzeit nicht geplant. Der Listenpreis für die ACJ319neo liegt bei 87 Millionen Dollar, eine ACJ320neo bei 95 Millionen Dollar.

Am Vortag der EBACE hat Gulf­stream ein neues Business-Jet-Muster in die Luft gebracht: Die erste G500 hob um 10:39 Uhr vom Hilton Head International Airport ab und stieg zunächst auf 3200 Meter. Die Testpiloten Scott Martin und Kevin Claffy sowie Flugtestingenieur Bill Osborne überprüften die Flugeigenschaften bei Geschwindigkeiten bis 200 Knoten (360 km/h) und checkten alle Systeme.

Dem Erstflug waren Rollversuche und mehr als 34 000 Teststunden in vier Versuchseinrichtungen (Fly-by-Wire-Entwick­lung, Avionikintegration, Cockpitintegration, Iron Bird mit allen Systemen) vorausgegangen. Der Hersteller will für die Zulassungstests fünf G500 verwenden, darunter ein Flugzeug mit voller Kabineneinrichtung. Die Lieferungen sind ab 2018 vorgesehen.

Der kanadische Konzern Bombardier  Aerospace hat auf der Messe offiziell die erste Challenger 350 an NetJets Europe übergeben. Der europäische Ableger des US-Fractional-Ownership-Anbieters will im Lauf des Jahres noch vier weitere Exemplare des zweistrahligen Midsize Jets in die Flotte aufnehmen.

NetJets hat 2012 insgesamt 75 Challenger 350 als Teil eines Auftrags über 275 Flugzeuge bestellt. In Nordamerika hat das Unternehmen bereits elf Flugzeuges des Typs in Empfang genommen. Alle NetJets-Flugzeuge besitzen die spezielle „Signature”-Inneneinrichtung.
Die Challenger 350 ist eine Weiterentwicklung der Challenger 300. Das neue Modell besitzt neu konstruierte Tragflächen mit Winglets, die Spannweite beträgt 21 Meter und ist damit gut eineinhalb Meter größer als die der 300. Dadurch fällt die maximale Startmasse um 794 Kilogramm höher aus und beträgt 18 415 Kilogramm. Dies ermöglicht eine um 135 nautische Meilen auf 3200 nautische Meilen vergrößerte Reichweite mit acht Passagieren an Bord.

Anlässlich der EBACE haben die beiden deutschen Premiummarken Mercedes-Benz Style und Lufthansa Technik eine Kooperation bei Design und Ausstattung von VIP-Flugzeugkabinen bekanntgegeben. Die beiden Unternehmen entwickeln gemeinsam ein völlig neuartiges, luxuriöses und ganzheitliches Kabinenkonzept für Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge. Nach Angaben beider Firmen ist „das gesamte Design geprägt von der Ästhetik des modernen Luxus der Marke Mercedes-Benz“. Lufthansa Technik bringt jahrzehntelange Erfahrung in der individuellen Ausstattung von VIP- und VVIP-Flugzeugen ein.

Das Completion Center von Jet Aviation in Basel wird in den nächsten Jahren ein sehr geschäftiger Ort sein. Robert E. Smith, Präsident von Jet Aviation, unterschrieb auf der EBACE einen Vertrag mit der saudischen Alpha Star Aviation Services über die Innenausrüstung von zwei Flugzeugen: einer ACJ319 und einer ACJ330. Die Interieurs werden vom Basel Design Studio entworfen und von der EASA zugelassen.

„Wir sind sehr geehrt, von Alpha Star Aviation Services ausgewählt worden zu sein, und freuen uns, zwei Flugzeuge mit sehr schönen Interieurs ausliefern zu können“, sagte Neil Boyle, General Manager des Completion Centers in Basel.

FLUG REVUE Ausgabe 07/2015