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Airbus

Frankreich fördert

Fliegt der A320-Nachfolger mit Wasserstoff?

Als Corona-Hilfe für den notleidenden Flugzeugbau plant Frankreich ein Milliardenprogramm zur Erforschung neuer Wasserstoffantriebe – auch bei Airbus.

Klotzen, nicht kleckern. Nach diesem Motto will Frankreich seine Luft- und Raumfahrtindustrie mit Milliardenhilfen unterstützen, um die Folgen der Corona-Krise zu lindern und um zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen. Allein Airbus erwartet 35 bis 40 Prozent weniger Produktion und eine nur langsame Markterholung.

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Ein Airbus A330neo in der Endmontage in Toulouse.

Handelsbilanzüberschuss von 34 Mrd. Euro

Inklusive der Hilfen für Air France wollen die Franzosen deshalb 15 Milliarden Euro in ihren Luftfahrtsektor pumpen. Mit 300 000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen, davon allein 35 000 in Forschung und Entwicklung, 1300 Unternehmen und 58 Mrd. Euro Jahresumsatz ist der Luftfahrtsektor für Frankreich strategisch wichtig. Er trägt jährlich zu einem Handelsbilanzüberschuss von 34 Mrd. Euro bei und sorgte in den letzten fünf Jahren für die Neueinstellung von 58 000 Beschäftigten.

A320-Nachfolger für 2033?

Das unter den französischen Ministerien für Finanzen, Verkehr, Umwelt und Technologie, Wirtschaft und Verteidigung abgesprochene Hilfsprogramm wurde bereits am 9. Juni präsentiert. Es stellt die Entwicklung hybridelektrischer Antriebe und reiner Wasserstoffantriebe für Luftfahrzeuge in den Mittelpunkt, sodass die Corona-Nothilfe zugleich auch als strategisches Forschungsprogramm und nicht nur ein Strohfeuer sein soll.

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Auch nach dem E-Fan X setzt Frankreich auf Hybridkonzepte.

Ultraeffizienter Jet-Zweistrahler

Zu den seitens der Regierung angekündigten Plänen für neue Flugzeuge gehört auch ein Nachfolger des Airbus A320. Erste, grobe Grafiken zeigen einen Zweistrahler in A320-Auslegung, aber mit auffallend breitem Rumpfquerschnitt und besonders schmalen Flügeln. Er soll zwischen den Jahren 2033 und 2035 in Dienst gestellt und in zwei Varianten entwickelt werden: einmal als ultraeffizienter Jet-Zweistrahler mit 30 Prozent geringerem Verbrauch und als Variante mit Wasserstoffantrieb. Für Testflüge schon ab 2026 bis 2028 wollen die Franzosen einen Demonstrator entwickeln. Außerdem ist ein neues Regionalflugzeug geplant, mit hybrid-elektrischem Antrieb auf Wasserstoffbasis, das ab 2030 lieferbar sein soll. Ihm soll ebenfalls ein Demonstrator vorausfliegen (ca. 2028).

Nachfolger des Erfolgsmodells Écureuil

Als Dritten im Bunde planen die Franzosen auch einen neuen Hubschrauber. Der Nachfolger des Erfolgsmodells Écureuil soll zunächst als Hybridversion elektrisch und später auch rein mit Wasserstoff fliegen. Ein Demonstrator ist für 2029 geplant, er soll 40 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als sein Vorgänger. Außerdem gibt es Pläne für einen "grünen" Business Jet und für eine radikale Reform der Flugsicherung, die zu umweltfreundlicheren Flugrouten und Flugprofilen führen soll. Airbus, Safran, Dassault und Thales sollen sich außerdem an einem Fonds der Staatsbank Bpifrance beteiligen, der strukturell kleinere und mittlere Betriebe gezielt unterstüzt.