Crystal Cabin Awards 2026: Blick in die Zukunft der Flugzeugkabine

Finalisten der Crystal Cabin Awards 2026
Blick in die Zukunft der Flugzeugkabine

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.02.2026
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Blick in die Zukunft der Flugzeugkabine
Foto: Design Investment

Luxuriöse Suiten, Inklusionskonzepte und Sitze aus recycleten Materialien: Bei den Crystal Cabin Awards dürfen Flugzeug- und Sitzhersteller, Airlines, Zulieferer, Designstudios und Hochschulen ihren Visionen für die Zukunft der Flugzeugkabine freien Lauf lassen. Eine internationale Expertenjury hat dieses Jahr aus 85 Einreichungen 24 Ideen ins Finale gewählt. Verliehen werden die renommierten Preise in Hamburg im Rahmen der Kabinenmesse Aircraft Interiors Expo am Abend des 14. April.

Unterteilt werden die Finalisten in acht Kategorien: Barrierefreiheit, Kabinenkonzepte, Passagierkomfort, Kabinentechnologien, IFEC (In-flight Entertainment and Connectivity) & Digital Services, nachhaltige Kabine, Hochschulen und neu bahnbrechende Start-ups.

Barrierefreiheit

In der Kategorie Barrierefreiheit stehen Lösungen im Fokus, die Mobilität, Unabhängigkeit und Komfort für Menschen mit eingeschränkter Mobilität verbessern.

Airbus

Airbus geht zusammen mit Ipeco Holdings und AMF-Bruns mit der Airspace U Suite ins Rennen. Es handelt sich um eine Kabinenlösung, die es Rollstuhlfahrern ermöglicht, im eigenen Rollstuhl zu reisen. Wichtige Elemente sind ein Fixiersystem für den Rollstuhl und flexible Sitzkonfigurationen.

Diehl Aviation ist nominiert mit AURS (Adaptive User Routing System), einem System, das die Waschräume im Flugzeug für blinde und gehörlose Passagiere zugänglich macht. Dazu gehört ein zugängliches Layout mit einer digitalen Schnittstelle, die sich an individuelle Bedürfnisse anpassen lässt.

RAVE Aerospace (ehemals Safran Passenger Innovation) hat mit Live Transcription and Translations eine Lösung erfunden, die Kabinendurchsagen in Echtzeit als Text auf dem Bildschirm in der Kopfstütze anzeigt.

Kabinenkonzepte

Die Kategorie Kabinenkonzepte vereint ganzheitliche Designansätze für Kabinen.

All Nippon Airways und Acumen Design Associates sind mit der neuen Business-Class-Suite THE Room FX im Finale. Das Konzept kombiniert zwei Sitze in eine einzige, kompakte Struktur, was Gewicht und Platz spart. Dabei ist die Rückenlehne nicht verstellbar, dennoch kann der Sitz in eine flache Liegefläche umgewandelt werden.

Ebenfalls nominiert ist die Air France First Class Suite (großes Bild oben) von Design Investment, Air France und Stelia Aerospace. Das Konzept beinhaltet getrennte Bereiche für Sitzen und Schlafen innerhalb einer privaten Suite. Beide Bereiche verfügen über einen 32-Zoll-Bildschirm, das Bett hat eine geteilte Matratze für flexible Schlafpositionen. Hinzukommen verschiedene Stauräume. Alle Funktionen können über ein Tablet gesteuert werden. Die Anordnung ermöglicht eine Vierer-Sitzkonfiguration in der Boeing 777.

Thompson Aero Seating

Thompson Aero Seating zeigt VantageNOVA First, eine flexible Sitzlösung, die von einem Einzelsitz in eine Doppel- oder Vierersitzkonfiguration umgewandelt werden kann, um gemeinsam zu essen oder sich zu unterhalten. Das Konzept ist für die vordere Business-Class-Kabine gedacht.

Passagierkomfort

In dieser Kategorie zeigen die Finalisten, wie Ergnomie, Raumnutzung, Flexibilität und Konnektivität über die verschiedenen Klassen hinweg verbessert werden können.

Die im vergangenen Jahr von Airbus auf der AIX vorgestellte Airspace A350 First Class ist eine exklusive Lösung für eine erste Klasse in der A350-1000. In einem neuen Modul in der Kabinenmitte ist eine Master-Suite mit einem Doppelbett, einem privaten Waschraum und einer kleinen Bar untergebracht. Garniert wird das Ganze mit virtuellen Panoramafenstern.

Ein modulares Economy-Class-System namens SPACEFRAME hat BMW Designworks entwickelt. Es vereint Leichtbau, ergonomische Unterstützung und nachhaltige Materialien und ermöglicht ein platzsparendes und flexibles Layout mit modularem Equipment.

Collins Aerospace

SkyNook von Collins Aerospace ist ein halb-privater Bereich im hinteren Teil der Kabine. Die Lösung nutzt vorher ungenutzten Platz zwischen der Seitenwand und reduzierten Reihen der Economy Class und bietet flexible Rückzugsräume für Familien, Passagiere mit speziellen Bedürfnissen, Reisende mit Tieren oder großen Handgepäckstücken.

Kabinentechnologien

Hier geht es um neue Technologien und Innovationen für Systeme, Komponenten und Prozesse, um Effizienz im Betrieb, Sicherheit, Arbeitsabläufe und die Passenger Journey von der Buchung bis zum Aussteigen aus dem Flugzeug zu verbessern.

Im Finale steht der AviusULD SmartULD – Fire Tag von AviusULD und Eloc8. Das Tracking-Gerät für Frachtcontainer und Handgepäckfächer kann ein Überhitzen von Lithium-Ionen-Batterien schön zwei Stunden vor einem möglichen Brandausbruch feststellen.

Jamco, JAXA

Das Bordküchenkonzept Cabin Crew Centered "C"-Galley für die hintere Kabine von Jamco und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA stellt die Kabinencrew in den Fokus. Getrennte Arbeitsbereiche für Lebensmittel, Getränke und Verkauf verringern die Laufdistanzen und kreuzende Wege. Eine zentrale Arbeitsfläche mit Stauraum an beiden Seiten erhöht die Effizienz und dient als Snack-Bereich außerhalb der Service-Zeiten.

Die automatisierte Qualitätsinspektion des ZAL in Zusammenarbeit mit 3D.aero und der Technischen Universität Hamburg basiert auf KI und Robotern. Es generiert ein detailliertes 3D-Modell der Kabine. So sollen Kabineninspektionen automatisiert ablaufen und visuelle Abweichungen schnell und objektiv festgestellt werden können.

IFEC & Digital Services

In dieser Kategorie werden Ideen gesammelt, die Passagiererlebnis und betriebliche Abläufe gleichermaßen verbessern sollen.

Delta's Connected Onboard Platform von Delta Air Lines ist eine digitale Architektur an Bord, die Betriebs-, Konnektivitäts- und Passagierdaten bündelt. Die Lösung soll zuverlässige, personalisierte Dienste und eine vernetzte Erfahrung an Bord über die gesamte Flotte hinweg bieten.

Bei einem medizinischen Notfall an Bord soll FlyMD 5D XR In-Flight Medical Assistance Platform von Veyond Metaverse dafür sorgen, dass Ärzte am Boden in Echtzeit zugeschaltet werden können. Das System überträgt eine dreidimensionale Live-Sicht aus der Kabine, um eine bessere Einschätzung der Situation und Crew-Unterstützung zu ermöglichen.

Die Connected, Omni-Channel Passenger Experience von United Airlines ist eine cloud-basierte Architektur an Bord, die Internetverbindung, Bordunterhaltung und persönliche Geräte der Passagiere miteinander verbindet. Das System arbeitet mit Starlink, Axinom und Spotify zusammen.

Nachhaltige Kabine

Für mehr Nachhaltigkeit sorgen unter anderem Leichtbau, neue Materialien und Designansätze, die Kreislaufwirtschaft unterstützen.

Recaro Aircraft Seating

Recaro Aircraft Seating hat es mit seinem R-Sphere-Konzeptsitz ist Finale geschafft. Der Economy-Class-Sitz besteht aus recyclebaren Materialien, wartungsfreundlichen modularen Komponenten und für die Reinigung optimierte Oberflächen. Er spart pro Passagier rund 1,5 Kilogramm Gewicht und würde damit jährlich den CO₂-Ausstoß eines Standardrumpfflugzeugss um etwa 55 Tonnen reduzieren.

Testori 1904 hat ein pflanzliches Fasertextilsystem entwickelt, das unter anderem für Sitzbezüge und Vorhänge geeignet ist. Diese Materialien erfüllen dieselben technischen, ästhetischen und flammhemmenden Standards wie synthetische oder tierische Fasern, haben aber einen geringeren Umweltfußabdruck.

ZIM Aircraft Seating zeigt mit The Frame eine neue Sitzgeneration mit modularen, reparierbaren Holzkomponenten. Sie könnten den Einsatz von Kunststoffen, das Gewicht und damit den Treibstoffverbrauch verringern.

Bahnbrechende Start-ups

Die neue Kategorie widmet sich frischen Perspektiven und disruptiven Ideen, die etablierte Strukturen herausfordern.

Das französische Start-up GMI arbeitet an einer nachhaltigeren Zukunft für die Kabineneinrichtungsbranche. Das 2021 gegründete Unternehmen reduziert Plastikmüll durch einen geschlossenen Materialkreislauf für luftfahrtzertifizierte Kunststoffe, genannt Material Upcycling Hub. Ein Meilenstein dieses Prozesses ist die Zero-Waste-Arbeitsplatte für die A320-Familie, die die industrielle Machbarkeit von Kreislaufwirtschaftskonzepten für die Kabine demonstriert.

Das Start-up Quvia aus Florida entwickelt eine KI-gestützte Plattform zur Analyse des digitalen Borderlebnisses. Die Lösung bietet Echtzeit-Transparenz in Bezug auf Konnektivität, Bordunterhaltung und Systemleistung. Durch optimierte Analysen, Fehlerdiagnose und Steuerung des Traffics will Quvia Fluggesellschaften helfen, Probleme schneller zu lösen, Ausfälle zu verhindern und die Zuverlässigkeit der digitalen Kabinensysteme in der gesamten Flotte zu verbessern.

smair

smairGO des Schweizer Start-ups smair ist ein digitales System für das Erscheinungsbild und das Lebenszyklusmanagement von Flugzeugkabinen. Die Lösung standardisiert und dokumentiert die Reparatur von kosmetischen Schäden und ersetzt kostspielige Ersatzmaßnahmen. So werden Kabinenreparaturen über den gesamten Lebenszyklus hinweg vorhersehbar, wiederholbar und nachhaltig.

Hochschulen

Hier dürfen sich Studenten und Forschungsinstitutionen austoben und ihre kreativen Ansätze für künftige Kabinen zeigen.

Das Georgia Institute of Technologie hat zusammen mit Airbus und Delta Airlines ein neugestaltetes Kabinen-Catering-Datensystem mit geschlossenem Datenkreislauf entwickelt. Es verbindet Passagiervorlieben, Konsum an Bord und Rückmeldungen mit den Catering-Planungen. So sollen Vorhersagen verbessert, Mahlzeiten personalisiert und Lebensmittelverschwendung reduziert werden.

Eine zweite Idee des Georgia Institute of Technology hat es ins Finale geschafft, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Airbus und Delta Air Lines, zudem mit der TU Delft. Es handelt sich um SMARTrack, ein verbessertes Kabinenreinigungssystem für Delta Air Lines. Zentralisierte Informationen, Filter, Farbcodierung und Echtzeitkommunikation verbinden Reinigungsteams und Disponenten besser miteinander. Das soll Verzögerungen zwischen Landung und Startbereitschaft für den nächsten Flug verringern.

Guangdong University of Technology

Der AeroMorph Seat der Guangdong University of Technology und der China Southern Sci-Tech ist ein Sitzkonzept, das sich an veränderten Kabinendruck anpasst – ohne Elektronik. Druckabhängige Luftkissen im Nacken-, Rücken- und Beckenbereich passen sich während des Fluges automatisch an, um Halt und Komfort zu bieten.