in Kooperation mit
Dassault Aviation
12 Bilder

Dassault Falcon 10X: Das Penthouse am Himmel

Dassault Falcon 10X Das Penthouse am Himmel

Die "größte Kabine der Branche", Ultralangstrecken-Reichweite und neue Hightech-Features: Dassault greift mit seiner Anfang Mai vorgestellten Falcon 10X die Platzhirsche G700 und Global 7500 an. Die Lieferungen sollen Ende 2025 beginnen.

Lange, vielleicht zu lange, hat Dassault Aviation das Feld am Top-Ende des Geschäftsreisejetmarkts der Konkurrenz von Gulfstream und Bombardier überlassen, denn selbst mit der 2016 eingeführten Falcon 8X hinkte man den großen Ultralangstreckenmustern G700 und Global 7500 hinterher. Das soll sich nun ändern. "Heute stellen wir einen neuen Maßstab in der Geschäftsluftfahrt vor. Wir haben jeden Aspekt des Flugzeugs mit Blick auf den Passagier optimiert und ein neues Fähigkeitsniveau für Ultralangstreckenflugzeuge geschaffen", sagte Eric Trappier, Chairman und CEO von Dassault Aviation, bei der lange erwarteten, nun virtuellen Präsentation der Falcon 10X am 6. Mai.

Penthouse am Himmel

Die Kabine der Falcon 10X wurde als "Penthouse am Himmel" konzipiert, erläuterte Agnès Gervais, Design Manager für neue Programme, denn die Kundenwünsche gingen ganz klar Richtung Komfort. Auf Flügen, die bis zu 15 Stunden dauern können, ist es wichtig, sich wohlzufühlen beim Arbeiten, beim Essen und beim Ausruhen, damit man am Zielort "frisch und relaxed" ankommt, um sofort mit den anstehenden Geschäftstreffen zu beginnen.

Größte und komfortabelste Kabine

Basis für die "zeitlose" Ausstattung mit einem "französischen Touch" ist die "größte und komfortabelste Kabine auf dem Markt", mit einer Höhe von 2,03 Metern und einer Breite von 2,77 Metern – laut Dassault fünf beziehungsweise 20 Zentimeter mehr als der nächste Konkurrent. Bei einer Länge von 16,40 Metern ist modulares Kabinendesign möglich, das es den Besitzern erlaubt, ihre eigenen maßgeschneiderten Räume zu schaffen. Die Basisanordnung unterteilt den Innenraum in vier gleiche Abschnitte von 2,70 Metern Länge mit jeweils vier Fenstern pro Seite. Hinten ist aber auch ein privater Bereich von 4,70 Metern Länge möglich, mit einer separaten Toilette und einer Dusche mit eigenem Fenster. Die 10X-Kabine kann mit einem Queensize Bett (Breite 1,50 m) ausgestattet werden – einzigartig in der Geschäftsluftfahrt, so der Hersteller.

Dassault Aviation
Im hinteren Abschnitt ist Platz für eine „Master Suite“ mit großem Bett, privater Toilette und Dusche.

Filtersystem der nächsten Generation

Einen Bestwert verspricht Dassault auch beim Kabinendruck, der einer Höhe von nur 915 Metern entspricht, während man auf FL 410 (12 500 m) Höhe unterwegs ist. Ein Filtersystem der nächsten Generation, das Ozon und mögliche Schadstoffe eliminiert, wird für 100 Prozent reine Luft sorgen. Die Luftfeuchtigkeit kann auf einem Niveau gehalten werden, das lange Stunden in der Luft angenehmer und gesünder macht. Beim Geräuschpegel will man die schon sehr guten Werte der Falcon 8X mindestens halten, auch bei höheren Reisegeschwindigkeiten. Zum luftigen Ambiente tragen auch die gegenüber der 8X 50 Prozent größeren Fenster bei.

Volle Kontrolle über die Kabinenfunktionen

Selbstverständlich wird die Falcon 10X mit einer Hochgeschwindigkeits-Konnektivitätssystemlösung ausgestattet, die nahtlose Kommunikation während des Fluges und schnellen Zugang zum Internet gewährleistet. Zu den Optionen gehört eine Ka-Band-Antenne für eine schnelle und gleichmäßige Datengeschwindigkeit. Die Passagiere haben die volle Kontrolle über die Kabinenfunktionen über eine einfach zu bedienende mobile App oder über Touchscreens in der Kabine. Schließlich gibt es noch viel Stauraum für Gepäck: Auch der 5,60 Kubikmeter große Gepäckraum übertrifft die Konkurrenz.

Onboard-Informationssystem

Neben den Passagieren hat Dassault auch an die Piloten gedacht. Das Cockpit der Falcon 10X bietet mehr Platz, zum Beispiel, um den Pilotensitz in eine flache Liege zu verwandeln. Das Instrumentenpanel umfasst natürlich große Farbdisplays, die als Touchscreens ausgeführt sind. Die intuitivere Benutzeroberfläche soll den Arbeitsaufwand der Crew reduzieren und damit die Sicherheit erhöhen. Es gibt neue Funktionen wie Multi-Touch zum einfachen Vergrößern oder Verkleinern von Navigationsbildern mit einer schnellen Bewegung, bessere Flexibilität bei der Fensterauswahl – einschließlich der Integration des Onboard-Informationssystems ("Open World") – oder Auto-Sensing für viele Schalter, was die Verwaltung von Checklisten erleichtert. Die Anzahl der Knöpfe und Schalter wurde reduziert, so dass ein kleineres, vereinfachtes Overhead-Panel entstanden ist.

Dassault Aviation
Das geräumige Cockpit ist mit Touchscreens (Diagonale 35,5 cm), Sidesticks und nur einem Schubhebel ausgerüstet. Head-up-Displays dienen als Primärinstrumente.

Digital Flight Control System

Neu ist zudem, dass es nur noch einen Schubhebel gibt, der das digitale Leistungsmanagement beider Triebwerke miteinander verbindet. Intelligente Automatiken sind in der Lage, bei Ausfall eines Triebwerks die Leistung des laufenden Triebwerks automatisch anzupassen. Der SmartThrottle ist außerdem vollständig in das Digital Flight Control System integriert und kann daher in verschiedenen Recovery-Modi automatisch mit voller Autorität aktiviert werden.

Recovery Mode

Das digitale Flugsteuerungssystem der 10X erweitert die Fähigkeiten der bisherigen Falcon-Flugsteuerungen. Wie bei der neuen Falcon 6X sind alle sekundären Elemente (Klappen, Vorflügel und Spoiler) sowie die Bugradsteuerung in das digitale System eingebunden. Die 10X geht noch einen Schritt weiter mit automatischen Schutzfunktionen. Der "Recovery Mode" kann mit nur einem Knopfdruck vom Piloten aktiviert werden, falls sie die Fluglage nicht mehr einschätzen können.

FalconEye

Das bekannte FalconEye-Sichtsystem, das Kamerabilder mit synthetischen Sichttechnologien vereint, könnte künftig Landungen bei Nullsicht überall ermöglichen. Dabei werden die beiden Head-up-Displays in der 10X zu primären Flugführungsinstrumenten.

Spezielle Klappenarchitektur

Der Flügel der Falcon 10X besteht erstmals aus Kohlefaser, was eine Optimierung sowohl für hohe Machzahlen (große Pfeilung, dünnes Profil) als auch für niedrige Anfluggeschwindigkeiten erlaubt. Das Verhältnis zwischen Auftrieb und Luftwiderstand bei niedrigen Geschwindigkeiten wurde dank sehr hoher Streckung und der Wahl einer speziellen Klappenarchitektur deutlich verbessert, so Dassault.

Rolls-Royce
Als Triebwerkslieferanten wählte Dassault erstmals Rolls-Royce (Pearl 10X aus Dahlewitz).

Nachhaltige Flugkraftstoffe

Beim Antrieb entschied sich Dassault erstmals für Rolls-Royce. Eingebaut wird das Pearl 10X, die neueste, größte und leistungsstärkste Version der Pearl-Familie aus Dahlewitz, mit "mehr als 18 000 Pfund Schub". Eine Pearl-Variante treibt auch die Gulfstream G700 an, während Bombardier auf das Passport von GE Aviation setzt. Eines der neuen Hauptmerkmale des Pearl 10X werden 3-D-gedruckte Brennkammerkacheln sein. Die Zulassung wird laut Hersteller "die Fähigkeit zum Betrieb mit 100 Prozent nachhaltigen Flugkraftstoffen" (SAF) beinhalten.

Auf dem Niveau der Konkurrenz

In Summe bietet die Falcon 10X damit Flugleistungen auf dem Niveau der Konkurrenz. Die Reichweite beträgt 7500 nautische Meilen (13 890 km) bei Mach 0.85, was fast jedes wichtige Städtepaar zu einem Nonstop-Flug macht, beispielsweise New York nach Shanghai, Los Angeles nach Sydney, Paris nach Santiago de Chile oder Hongkong nach New York. Mit Mach 0.9 sinkt die Reichweite auf einen noch nicht genannten Wert, aber auch hier sind Strecken wie Genf–Singapur, Moskau–Los Angeles oder New York–Dubai möglich. Trotz ihrer Größe kann die Falcon 10X sowohl typische Flughäfen für die Geschäftsluftfahrt, als auch solche mit steilen Anflügen und kurzen Pisten anfliegen. So ist die Falcon 10X für London City geeignet, versichert Dassault.

Lieferbar ab 2025

Der Preis der Falcon 10X dürfte sich im Rahmen der Konkurrenten bei um die 75 Millionen Dollar (62 Mio. Euro) bewegen. Potenzielle Kunden müssen sich noch bis Ende 2025 gedulden, bevor der neue Jet nach seiner Zulassung in den Dienst gehen kann. Die Entwicklungsarbeiten bei Dassault Aviation laufen trotz der Corona-Krise bereits auf Hochtouren, wobei die Konstruktion natürlich voll digital und mit dem breiten Einsatz von Virtual-Reality-Werkzeugen bewerkstelligt wird.

Dassault Aviation
Die Entwicklung läuft schon einige Zeit, die Form wurde durch Windkanaltests optimiert. Virtuelle 3-D-Modelle ermöglichen es, die Passform der Systeme zu prüfen.

Positive Resonanz

Falcon 6X und Falcon 10X erfordern von Dassault erhebliche Investitionen – die eigenfinanzierten Forschungs- und Entwicklungsausgaben lagen 2020 bei 9,8 Prozent des Nettoumsatzes, verglichen mit 7,2 Prozent im Jahr 2019. Ob sie sich angesichts der etablierten Konkurrenz auszahlen wird, wird sich zeigen – jedenfalls sprach Eric Trappier von einer "überwältigend positiven Resonanz" der potenziellen Kunden bisher und einer starken Nachfrage. "Wir haben die Messlatte für unsere neue Falcon unglaublich hoch gelegt", so der Firmenchef. "Aber ich kann getrost sagen, dass wir mit diesem Flugzeug an der Spitze des Marktes liegen."

Dassault Aviation Falcon 10X

In Klammern die Werte der Gulfstream G700

Allgemeine Angaben
Besatzung: 2 (2)
Passagiere: n.b. (bis zu 19)
Antrieb: 2 x Rolls-Royce Pearl 10X (Pearl 700)
Startschub: 2 x über 81 kN (81,2 kN)

Abmessungen
Länge: 33,40 m (33,48 m)
Höhe: 8,40 m (7,75 m)
Spannweite: 33,60 m (31,39 m)
Kabinenlänge: 16,40 m (17,35 m) ohne Gepäckraum
Kabinenhöhe: 2,03 m (1,91 m)
Kabinenbreite: 2,77 m (2,49 m)
Kabinenvolumen: 78,7 m³ (73,71 m³)
Gepäckraumvolumen: 5,6 m³ (5,52 m³)

Massen
Leermasse mit 4 Besatzungsmitgliedern: n.b. (25 567 kg)
max. Nutzlast: n.b. (2896 kg)
max. Kraftstoff: 23 450 kg (22 407 kg)
max. Masse ohne Kraftstoff: 30 755 kg (28 463 kg)
max. Startmasse: 52 165 kg (48 807 kg)
max. Landemasse: n.b. (37 875 kg)

Flugleistungen
Hochgeschwindigkeits-Reiseflug: Mach 0.9 (Mach 0.9)
max. Machzahl: Mach 0.925 (Mach 0.925)
maximale Reiseflughöhe: 15 545 m (15 545 m)
Startstrecke: unter 1830 m (1905 m)
Landestrecke: ca. 760 m (n.b.)
Reichweite: 13 890 km (13 890 km) bei Mach 0.85 mit 8 Passagieren und 4 Besatzungsmitgliedern, NBAA-IFR-Reserven