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Deutschland und Frankreich

Luft- und Raumfahrtindustrie auf Rekordkurs

Frankreich bleibt in der Luft- und Raumfahrt das führende europäische Land. Der Industrieverband GIFAS meldet für 2016 Rekordzahlen, doch es gibt auch Probleme.

Die französische Vorzeigeindustrie schlechthin hat auch im letzten Jahr hervorragende Zahlen abgeliefert. Vor allem bedingt durch den Hochlauf der Fertigung bei Airbus stieg der Umsatz der in der GIFAS (Groupement des Industries Françaises Aéronautiques) organisierten Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsfirmen um weitere 4,1 Prozent auf nun 60,4 Milliarden Euro. 86 Prozent des Umsatzes wurde durch Exporte erwirtschaftet, sodass die Industrie mit einem Handelsbilanzüberschuss von 18,6 Milliarden Euro ihre unangefochtene Position als Nummer eins in dieser Hinsicht behaupten konnte. Selbst der Auftragseingang hielt sich mit 73,1 Milliarden Euro (nach 78,3 Mrd. im Jahr 2015) noch auf einem extrem hohen Niveau.

Wachstum der Luft- und Raumfahrtbranche in Frankreich und Deutschland. Foto und Copyright: FR

„Im elften Jahr in Folge haben wir neue Arbeitsplätze geschaffen“, freute sich GIFAS-Präsident Marwan Lahoud bei der Vorstellung der Zahlen. Mit 187 000 Beschäftigten wurde ein neuer Rekordwert erreicht, der 2017 zumindest gehalten werden soll. Vor allem betonte Lahoud auch die Anstrengungen bei der Ausbildung Jugendlicher. Viele positive Zahlen also, auch für die Zu­lieferindustrie, die mit 21,9 Milliarden
Euro zum Gesamtumsatz beitrug.

Bei den Zulieferern hat die anhaltende Ausweitung der Produktion bei Airbus teils aber auch zu Problemen geführt. Deshalb versucht die GIFAS mit verschiedenen Programmen, die kleinen und mittelständischen Unternehmen der Branche für die wachsenden Anforderungen der Branchenriesen zu stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Eine Konsolidierung in manchen Bereichen wäre dabei wohl hilfreich, denn neue Herausforderungen warten schon – Stichwort „Industrie 4.0“. Die blendenden Zahlen überdeckten auch schwächer laufende Geschäfte im Bereich Business Aviation und Hubschrauber.

Kompetenzen sichern

Seit gut einem Jahrzehnt steigen die Beschäftigtenzahlen der Branche. Foto und Copyright: Airbus/Pigeyre

Sorgen macht der GIFAS zudem der Militärbereich, selbst wenn die Exportaufträge für die Rafale zuletzt mittelfristig eine gewisse Stabilität gebracht haben. Was aber aus der Sicht der Industrie
benötigt wird, sind neue Entwicklungsprogramme, um die Fähigkeiten im Hochtechnologiesektor nicht zu verlieren. Hier machen sich die Sparmaßnahmen im Verteidigungsetat seit Beginn der 1990er Jahre immer mehr bemerkbar. Die Anhebung der Rüstungsaus­gaben auf zwei Prozent des Bruttosozialprodukts wird daher als wesentliches Ziel angesehen.

Auch im zivilen Bereich sind laut Marwan Lahoud stetige Investitionen in Forschung und Entwicklung unbedingt notwendig – die heutigen Erfolge seien das Ergebnis jahrzehntelanger Anstrengungen. Staatliche Förderprogramme „von mindestens 150 Millionen Euro pro Jahr über mehrere Jahre, wie sie auch unsere Hauptkonkurrenten in Deutschland und Großbritannien erhalten, sind für Innovationen und die Vorbereitung auf die Zukunft unverzichtbar“, so Lahoud. Dies umso mehr, als man es verstärkt mit Unsicherheiten zu tun hat, von den Auswirkungen des Brexits bis hin zu den nachlassenden Bestellungen für Verkehrsflugzeuge.

Für die nächsten fünf Jahre ist Lahoud angesichts der hohen Auftragsbestände dennoch optimistisch. Man müsse aber in der Branche mit ihren extrem langen Zyklen viel weiter in die Zukunft sehen und dürfe sich nicht auf den heutigen Lorbeeren ausruhen.

FLUG REVUE Ausgabe 07/2017

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