in Kooperation mit

FAA will Boeings Prüfer vor disziplinarischem Druck schützen

Eigene Herstellerteams für die Mängelbeseitigung FAA will Boeings interne Aufseher stärken

Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA will das interne Qualitätssicherungssystem bei Boeing verbessern, nachdem Boeing-Mitarbeiter bei Stichprobenbefragungen Sorgen vor der Aufdeckung von Mängeln geäußert hatten.

In einem Schreiben vom 19. August an Boeing, das der FLUG REVUE als Kopie vorliegt, teilt der FAA-Chef für Flugsicherheit bei Zulassungsprogrammen, Ian Y. Won, dem Flugzeughersteller die Ergebnisse einer kürzlich erfolgten, stichprobenartigen Boeing-Mitarbeiterbefragung mit. Demnach habe ein Drittel der Befragten Boeing-Mitarbeiter mit unabhängigen Qualitätssicherungsaufgaben, sogenannte "Unit Member" (UM) mit "Organization Designation Authorization" (ODA), die Sorge vor möglichem, disziplinarischem Druck bei der Aufdeckung von Mängeln geäußert.

Die FAA komme zu dem Fazit, dass die "Boeing-Firmenkultur" das ODA-Prüfpersonal beim offenen Informationsaustausch mit der FAA behindere. Die Luftfahrtbehörde wolle deshalb eine unabhängige, anonyme Befragung bei allen Mitarbeitern der Prüforganisation durchführen und bitte auch Boeing um Verbesserungsvorschläge. Dies sei keine behördliche Anweisung, sondern eine konstruktive Bitte, um die Situation zu verbessern.

In dem Schreiben führt die FAA auch Beispiele auf, die ihr genannt worden seien. Demnach fühlten sich einige Mitarbeiter unter Druck gesetzt, Prüfaufgaben ohne ausreichende Fachausbildung übernehmen zu sollen. Außerdem sei beim Melden von Mängeln eine längere Rechtfertigung gegenüber Vorgesetzten verlangt worden. Teilweise seien dabei auch ausführlichere Nachbegründungen angeordnet worden, bis zu deren Eingang der ursprüngliche Mangel noch nicht abgestellt worden sei.

Starker interner Druck gehe vor allem von den Boeing-Ingenieurabteilungen aus. Dagegen übe das Boeing-Management derzeit keinen besonders erhöhten Druck auf die internen Prüfer aus, schreibt die FAA. Nach Meinung der befragten Boeing-Mitarbeiter würde eine direkte Einbindung von FAA-Vertretern in die Prüfteams deren Kommunikation mit der Behörde deutlich verbessern, so die FAA in ihrem Brief.

Wegen Qualitätsmängeln in der Produktion hat Boeing derzeit alle Auslieferungen neuer Boeing 787 unterbrochen. Rund 100 Flugzeuge warten auf die Auslieferung – und Bezahlung. Ursprünglich wollte der Hersteller deren Mehrzahl in diesem Jahr übergeben, neuerdings wird in diesem Jahr nur noch die Auslieferung der knappen Hälfte in Aussicht gestellt.

Die FAA baut nach jahrelangem Sparkurs mit einer neuen Führung derzeit ihren früher personell umfangreichen Zulassungsapparat wieder neu auf. Mit der Wiedererlangung früherer Kompetenzen ist auch eine sehr viele strenger gewordene Gangart der Behörde verbunden. Laut US-Medienberichten wird Boeing die 787-Auslieferungen frühestens Ende Oktober wieder aufnehmen können.