Flughafen München erweitert Terminal 1 um neuen Non-Schengen-Flugsteig

Neuer Flugsteig für Terminal 1
München baut sein ältestes Terminal aus

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.01.2026
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Der künftige Weg beginnt in Münchens gewohntem Terminal 1 bei Modul B. Hinter einer Sperre mit Bordkartenlesern gelangt man in die Glasbrücke zum 360 Meter langen Flugsteig, dem jüngsten Erweiterungsbau der Bayern mit 95 000 m² Grundfläche. Sechs Großraumflugzeuge bis zur A380-Größe oder bis zu zwölf kleinere Jets in A321LR-Größe passen an die Gates des Neubaus, der bis zur Jahresmitte 2026 eröffnen soll. Mit einer Kapazität von sechs Millionen Passagieren im Jahr ist die Erweiterung ein eigener "Flughafen im Flughafen", der die Funktionalität und Aufenthaltsqualität von Terminal 1 wesentlich verbessern soll.

Konzept für die Terminal-Erweiterung am Flughafen München MUC
FMG

Vom Zielverkehr zum Umsteigeknoten

Gebaut wurde das 1992 eröffnete Terminal 1 nämlich nicht für Umsteiger, wie sie mittlerweile an der Drehscheibe München eine wichtige Rolle spielen, sondern wie ein "Kopfbahnhof der Lüfte" für den reinen Zielverkehr nach Bayern. Dieses Urkonzept soll gedanklich noch auf die Olympiade 1972 zurückgehen. Doch der erfolgreiche neue Flughafen zog viel Verkehr an. Lufthansa baute sich, gemeinsam mit der Flughafengesellschaft, ihr eigenes Terminal 2. Inzwischen wurde es durch einen großen Satelliten erweitert, und der Flughafen gewann eine neue Rolle als immer wichtigeres Drehkreuz für Umsteiger – weit über Deutschland hinaus. Entsprechend brauchte auch der Altbau Terminal 1 eine Funktionsanpassung, die nun der neue Flugsteig liefern soll.

Man betritt ihn durch eine von vier Glasbrücken und gelangt zunächst zur Sicherheitskontrolle, mit CT-Handgepäckscannern (ohne Auspacken) und Körperscannern für die Fluggäste. Danach müssen alle Passagiere zur Passkontrolle, denn der Flugsteig ist ein reines "Non-Schengen-Terminal" für den internationalen Verkehr mit Gebieten außerhalb der EU, etwa in den Nahen Osten, nach Asien oder in die USA. Dies betrifft viele internationale Airlines, die nicht im Terminal 2 abgefertigt werden und die nicht zu Lufthansa oder zur Star Alliance gehören, aber gegebenenfalls auch Condor.

Konzept des neuen Marktplatzes für die Terminal-Erweiterung am Flughafen München MUC
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Shoppen bis zum Abflug

Hinter der Passkontrolle im neuen Erweiterungsbau erreicht man zuerst den zentralen "Marktplatz", man könnte sagen, eine kleine Haupthalle. Hier sollen die Passagiere möglichst lange herumschlendern, in dortigen Läden einkaufen oder die gastronomischen Betriebe aufsuchen und konsumieren. Ähnlich zum aus Großbritannien bekannten, umsatzfördernden System planen die Bayern hier übrigens, den Passagieren deren Abfluggates erst kurz vor der Abflugzeit zu verraten, sodass man möglichst lange in der Haupthalle vor der Anzeigetafel verbringt und hier länger zum Kaufen verleitet wird. Immerhin gibt es hier aber auch zwei Lounges für Passagiere höherer Buchungsklassen und für Vielflieger. Eine Sammel-Lounge, die der Flughafen selbst betreibt, und eine gesonderte Emirates-Lounge, sogar über zwei Etagen und, bei guter Sicht, mit Alpenblick durch die Fensterfront am Vorfeld.

Sobald man sein Gate schließlich doch erfahren hat, kann man sich auf den, hier kurzen, Weg machen. In den Gate-Wartebereichen gibt es nicht nur die üblichen Sitzbänke (hier mit Netz- und USB-Steckdosen für Laptops und Mobiltelefone), sondern auch die schon aus Münchens Terminal 2 bekannten besonders bequemen Liegesessel. Drei der sechs Etagen des neuen Bereichs dienen dem Passagierverkehr. Bei Bedarf lässt sich an der Flugsteigspitze noch ein Gate-Bereich abtrennen, etwa für die bis vor Kurzem zusätzlich geforderten Fluggast-Sonderkontrollen durch alle Airlines im Verkehr mit den USA. Das Terminalinnere ist funktional gehalten, aber großzügig dimensioniert. Man läuft auf großen, glatt polierten Steinplatten, über die auch etwaige Handgepäck-Trolleys mühelos rollen. Anders als im Terminal 2 sollen farblich abgesetzte Flächen an den Wänden das auch hier dominierende Weiß etwas wohnlicher wirken lassen.

Konzept für die Terminal-Erweiterung am Flughafen München MUC
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Probebetrieb läuft schon

Während Handwerker im Gebäude-Inneren noch die letzten Anlagen und Monitore justierten und die behördliche Brandschutzabnahme vorbereitet wurde, hat im Winter bereits ein interner Probebetrieb begonnen. Zunächst abschnittsweise mit jeweils 110 Personen, dann in immer größeren Gruppen von bis zu 300 Menschen, wurden an mehreren Test-tagen Komparsen durch die neuen An-lagen geschleust. Sicherheitskontrolle, Check-in, Ankunft mit Umsteigen, Rollstuhlfahrer reisten nach genau verteilten Rollen und Problemfällen. Meistens wurden gezielt "Störungen" und Ausfälle oder Überfüllung simuliert, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gelegenheit zu geben, auf Sonderlagen geschmeidig zu reagieren. Neben Flughafenmitarbeitern und freiwilligen "Zivilisten" waren auch Polizisten als Probe-Fluggäste im Einsatz, wobei sogar ein simuliertes Gewaltdelikt in einer Warteschlange beherrscht werden musste.

Die Verbindung vom neuen Flugsteig zum Terminal 2 übernehmen "airside" Vorfeldbusse, die man über vier eigene Bus-Gates (plus ein weiteres für Besatzungen) erreicht. In der umgekehrten Richtung ist gegebenenfalls erst einmal eine Ausreisekontrolle zu absolvieren, falls der Non-Schengen-Bereich neu betreten wird. München will seinen neuen Flugsteig auch für benachbarte Gates im Modul B an der Terminalfront des T1-Altbaus für Non-Schengen-Flüge nutzen. Dann gelangen die im Flugsteig kontrollierten Passagiere aus dem Vorfeldgebäude über Brücken zurück – direkt auf die "Luftseite" des Altbaus und an die dortigen Gates. Mit zwölf Prozent Passagierwachstum 2024 und erwarteten fünf Prozent 2025 dürfte München seine neue Kapazität bald füllen.

Grafik des Flugsteigs im Flughafen München MUC Terminal 1
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Daten Flughafen München

  • IATA-Code: MUC
  • ICAO-Code: EDDM
  • Passagiere 2024: 41,6 Mio.(+12,2 %)
  • Destinationen: 224 in 65 Staaten, davon 49 interkontinental
  • Wichtigste Ziele interkontinental: 1. Dubai, 2. New York (JFK/EWR), 3. Bangkok
  • Baukosten Flugsteig: 665 Mio. Euro
  • Etagen Flugsteig:
    Ebene 3: Ankunft/Abflug; Ebene 4: Marktplatz, Lounges; Ebene 5: Sicherheits- und Passkontrolle, Verteilebene; Ebenen 2 und 6: Technik