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Flugzeuglotto in Mexiko

Wohin mit dem Luxusjet?

Mit einer großen Verlosung wollte sich Mexikos Präsident Manuel López Obrador des Luxusjets seines Vorgängers auf kreative Weise entledigen. Mindestens ebenso kreativ waren die Reaktionen auf Twitter. Die Verlosung hat nun stattgefunden, das Flugzeug ist Obrador nicht losgeworden.

Die Idee war einfach: weil López Obrador keinen Käufer fand, der für die aufwändig ausgestattete Boeing 787-8 mit der Kennung TP-01 130 Millionen US-Dollar hinlegen wollte, schlug er vor, sie zu verlosen. Der Erlös sollte in die öffentliche Gesundheitsversorgung fließen. Den Bürgern sollte so wieder zugute kommen, was López Obradors' aus dessen Sicht verschwenderische und korrupte Amtsvorgänger ihnen mit dem Kauf des Luxusjets genommen hatten.

Geringes Interesse

Im Februar zeichnete sich allerdings ab, dass sich das Interesse der Mexikaner an einer Lotterie mit einer Boeing 787-8 als Hauptgewinn in Grenzen hielt. 100 Mal eine Million US-Dollar könnten stattdessen gewonnen werden, verkündete der im Volksmund AMLO genannte Präsident in der Folge, um den Verkauf der 26 US-Dollar teuren Lose anzuheizen. Mit mäßigem Erfolg. Im August gab das Gesundheitsministerium bekannt, dass es selbst knapp eine Million Lose gekauft habe, die es an öffentliche Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen verteilen würde. Am 11. September waren knapp 70 Prozent der Lose verkauft, eine Summe von fast 100 Millionen US-Dollar. Ziel der Verlosung am 15. September: Einnahmen in Höhe von 150 Millionen US-Dollar – ein Betrag, den der mexikanische Staat insbesondere vor dem Hintergrund der Coronakrise niemals für den Präsidentenjet bekommen würde.

Boeing 787: "Beleidigung des Volkes"

Gekauft hatte ihn sein Vorvorgänger Felipe Calderón für 218 Millionen US-Dollar, in Empfang genommen hatte ihn Enrique Peña Nieto. "Eine Beleidigung des Volkes" und ein deplaziertes Symbol für Luxus in einem Land, in dem ein großer Teil der Bevölkerung unter Armut leidet, fand AMLO seither und versprach bereits im Wahlkampf, diesen Fehler rückgängig zu machen. Mit der Flugzeuglotterie ist ihm dies allerdings nicht gelungen. Zwar haben zwei Krankenhäuser tatsächlich je einen der begehrten Preise gewonnen. Und sollte bis zum 15. September tatsächlich noch ein Erlös von 150 Millionen US-Dollar aus dem Losverkauf entstanden sein, wären nach der Auszahlung der Gewinne noch 50 Millionen US-Dollar für das Gesundheitswesen übrig.

Wer will den Präsidentenjet?

Kritiker fragen allerdings, warum die Regierung das Geld, das sie für den Kauf der Lose ausgegeben hat, nicht direkt ins Gesundheitswesen gesteckt hat – und warum eine Regierung das Gesundheitswesen offiziell zum Glücksspiel erklärt. Eine weitere Frage stellt sich schließlich nach wie vor: wohin mit dem Präsidentenjet TP-01?

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