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Folgenschwere Überlegung für die Zulieferer

Boeing-Chef denkt laut über 737-Baustopp nach

Boeing-Konzernchef Dennis Muilenburg hat sich bei der Vorlage der Quartalszahlen auch über die Zukunft der 737-MAX-Produktion geäußert. Falls die FAA den Zweistrahler nicht vor Jahresende freigibt, erwägt Boeing demnach einen Baustopp.

Boeing endmontiert derzeit 42 Boeing 737 im Monat. Alle Flugzeuge entstehen im Werk Renton bei Seattle und werden am benachbarten Flughafen Boeing Field zur Auslieferung vorbereitet. Wegen des weltweiten Einsatzstopps der Boeing 737 MAX werden fabrikneue Flugzeuge derzeit auch an den Flughäfen Everett und Moses Lake zwischengelagert.

Am Mittwoch sagte Dennis Muilenburg, Boeing hoffe derzeit, auf eine behördliche Wiederfreigabe der 737 MAX bis zum Jahresende. Auch falls die Freigabe erst im ersten Qaurtal 2020 erfolge, könne Boeing die jetzige Produktionsrate von 42 Flugzeugen im Monat noch aufrechterhalten. Falls sich die Wiederfreigabe aber noch weiter verzögere, müsse der Hersteller einen zeitweiligen Baustopp erwägen oder die Fertigungsrate zurückschrauben.

Ursprünglich wollte Boeing die MAX-Produktionsrate auf 57 Flugzeuge im Monat hochfahren. Entsprechend hatten sich die Zulieferer vorbereitet und investiert, die nun doppelt von einer Produktionssenkung betroffen wären. Auch Boeing selbst müsste wohl zeitweise Personal abbauen. Es würde derzeit vermutlich schnell Anschlussbeschäftigung in anderen Unternehmen in Seattle finden, was für Boeing ein anschließendes Wiederhochfahren der 737-Produktion verzögern und verteuern könnte.

Die Wiederzulassung der 737 MAX hat sich als schwieriger entpuppt, als zunächst von Boeing angenommen worden war. Bei einem Testflug in einem Ingenieursimulator hatten Testpiloten der FAA zusätzliche Mängel an den Computerprozessoren im Cockpit entdeckt, die unter hoher Belastung „einfrieren“ können, so dass die Kommandos der Piloten nur mit Verzögerung verarbeitet werden. Boeing muss deshalb neben dem Trimmsystem MCAS und der Software für die Anstellwinkelgeber auch noch das Prozessorproblem lösen. Der Hersteller will seine Modifikationen Ende September bei der FAA zur Genehmigung einreichen.

Muilenburgs jüngste Äußerungen dürften die FAA unter Druck setzen, die komplizierte Begutachtung möglichst schnell abzuschließen. Die Behörde steht allerdings selbst im kritischen Blick der Öffentlichkeit, nachdem sie sich bei der ersten MAX-Zulassung stark auf durch Boeing ermittelte Messwerte und Analysen verlassen hatte. Deswegen dürfte sich die FAA nun eher Zeit lassen wollen, um eine möglichst perfekte Prüfung durchzuführen. Die EASA hatte bereits angekündigt, in erhöhtem Umfang eigene Analysen durchzuführen, bevor sie die 737 MAX wieder zum Einsatz zulässt.

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