Götterdämmerung für den Airbus A340-600 bei Lufthansa - letzter Flug gelandet

Letzter Linienflug gelandet
Götterdämmerung für den Airbus A340-600 bei Lufthansa

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.10.2026
Als Favorit speichern

Lufthansa-Flug LH419 landete genau um 8:30 Uhr Ortszeit auf der Landebahn 07R des Frankfurter Flughafens – was etwas ungewöhnlich war, denn sehr viel häufiger als dort schwebte LH419 aus Washington D.C. in der Vergangenheit an Deutschlands größtem Airport auf der Landebahn Nordost (07L/25R) ein. Allerdings hatte der Airbus A340-600 mit dem Kennzeichen D-AIHW, der den besagten Flug am Montag, dem 19. Oktober 2026 hinter sich brachte, bei seiner Ankunft auch 35 Minuten Verspätung.

Sieben Stunden und 23 Minuten zuvor war die A340-600 am US-Hauptstadtflughafen Dulles International zu ihrem Flug durch die Nacht aufgebrochen. Damit oblag der D-AIHW die Ehre, den allerletzten Linienflug einer A340-600 in Diensten der Lufthansa zu absolvieren. Denn die drei noch in der Flotte verbliebenen Schwestern D-AIHX, D-AIHY und D-AIHZ hatten ihre jeweils letzten Flüge schon am Wochenende vollendet.

Ab sofort ist das längste Flugzeug, das Airbus bislang baute, bei Deutschlands Flag Carrier Geschichte. Und dieses Mal gibt es, anders als bei vorangegangenen Abschiedsankündigungen, definitiv keinen Weg zurück.

Airbus A340-600 der Lufthansa bei der morgendlichen Landung in Frankfurt.
Patrick Zwerger

Vierstrahler mit Comeback-Qualitäten

Dabei hat die A340-600 in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie ein wahres Stehaufmännchen ist. Schon 2020 hatte Lufthansa im Zuge der Corona-Krise das Totenglöckchen für den langen Vierstrahler geläutet und die gesamte Teilflotte im spanischen Teruel abgestellt.

Von dort sollten sie eigentlich nie wieder zurückkehren – doch wegen Lieferproblemen für neue Langstreckenjets holte Lufthansa ab dem Frühjahr 2022 dann doch wieder zehn A340-600 zurück in den aktiven Einsatz. Schlagendes Argument dafür war initial vor allem die First Class an Bord des Musters, die der Kranich-Konzern für sein zweites Drehkreiz München benötigte.

Patrick Zwerger

Gnadenfrist um Gnadenfrist

Vor Corona hatte Lufthansa 17 A340-600 betrieben. Insgesamt trugen seit Ankunft der ersten Maschine im Herbst 2003 24 Flugzeuge das Logo der größten deutschen Airline.

Das Corona-Comeback sollte für die A340-600 eigentlich nur maximal zwei Jahre dauern, doch wegen anhaltender Lücken in der Langstreckenflotte flogen die "Langen" einfach immer weiter. Ende September 2024 verkündete LH-Chef Carsten Sporh in einem Interview mit dem Handelsblatt, "die A340-600 schon im Sommer 2025 letztmalig fliegen zu lassen, um wenigstens eine Teilflotte rauszubekommen."

Auch daraus wurde letztlich nichts – zur Freude aller Luftfahrtfans erhielt die A340-600 im Sommer 2025 abermals eine weitere, einjährige Gnadenfrist.

Letzter C-Check für A350-600 der Lufthansa in Manila.
Gilbert Naudi

Durstig und teuer im Unterhalt

Nun aber ist es mit dem ebenso eleganten wie charismatischen Langstreckenjet bei Lufthansa endgültig vorbei. Denn das immer weiter verlängerte Comeback war zwar operativ alternativlos, aber ziemlich kostspielig.

Wegen ihrer vier Rolls-Royce Trent 500-Triebwerke ist die A340-600 unzeitgemäß durstig. Dazu kommen Schwierigkeiten bei der Wartung und Ersatzteilversorgung – was auch damit zusammenhängt, dass die A340-600 mit nur 97 gebauten Exemplaren von Haus stets aus eine Exotin blieb.

Airbus A340-300 von Universal Sky Carrier aus Deutschland
Urbanandsport/NurPhoto via Getty Images

A340-600 wird noch mehr zur Exotin

Dieser Exotenstatus wird sich nun, mit dem Ende der letzten vier A340-600 bei Lufthansa, weiter verschärfen. Denn außer Deutschlands Flag Carrier setzten weltweit nur noch wenige Fluggesellschaften auf den speziellen Widebody.

Flottenlisten im Internet führen derzeit sechs aktive Exemplare auf – zwei fliegen für Mahan Air im Iran, eine für Conviasa aus Venezuela, eine als VIP-Jet für die aserbaidschanische Regierung, eine ebenfalls im VIP-Dienst in Saudi-Arabien und eine für die deutsche Charter-Airline Universal Sky Carrier (USC). USC wird demnächst sogar eine zweite A340-600 einflotten – die ehemalige D-AIHU der Lufthansa (jetzt D-AUSY).

Airbus A340-600 der Lufthansa bei der morgendlichen Landung in Frankfurt.
Patrick Zwerger

Endstation Teruel

Für das finale Lufthansa-Quartett geht es derweil am 19. und 20. Oktober zunächst auf einem kurzen Hüpfer von Frankfurt nach Düsseldorf. Von dort aus sollen die letzten A340-600 mit Kranich am Heck zwischen dem 26. Oktober und dem 1. November dann ihre finale Destination Teruel erreichen.

Voraussichtlich werden sie dort über kurz oder lang auch ihr Flugzeugleben aushauchen und beim ortsanässigen Verwerter enden.