Lufthansa-Flug LH419 landete genau um 8:30 Uhr Ortszeit auf der Landebahn 07R des Frankfurter Flughafens – was etwas ungewöhnlich war, denn sehr viel häufiger als dort schwebte LH419 aus Washington D.C. in der Vergangenheit an Deutschlands größtem Airport auf der Landebahn Nordost (07L/25R) ein. Allerdings hatte der Airbus A340-600 mit dem Kennzeichen D-AIHW, der den besagten Flug am Montag, dem 19. Oktober 2026 hinter sich brachte, bei seiner Ankunft auch 35 Minuten Verspätung.
Sieben Stunden und 23 Minuten zuvor war die A340-600 am US-Hauptstadtflughafen Dulles International zu ihrem Flug durch die Nacht aufgebrochen. Damit oblag der D-AIHW die Ehre, den allerletzten Linienflug einer A340-600 in Diensten der Lufthansa zu absolvieren. Denn die drei noch in der Flotte verbliebenen Schwestern D-AIHX, D-AIHY und D-AIHZ hatten ihre jeweils letzten Flüge schon am Wochenende vollendet.
Ab sofort ist das längste Flugzeug, das Airbus bislang baute, bei Deutschlands Flag Carrier Geschichte. Und dieses Mal gibt es, anders als bei vorangegangenen Abschiedsankündigungen, definitiv keinen Weg zurück.

Vier A340-600 bedienten zuletzt im Lufthansa-Netzwerk noch Ziele in den USA - zum Beispiel Washington. Hier landet die D-AIHZ als LH419 im herbstlichen Sonnenaufgang auf der Landebahn 25R in Frankfurt.
Vierstrahler mit Comeback-Qualitäten
Dabei hat die A340-600 in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie ein wahres Stehaufmännchen ist. Schon 2020 hatte Lufthansa im Zuge der Corona-Krise das Totenglöckchen für den langen Vierstrahler geläutet und die gesamte Teilflotte im spanischen Teruel abgestellt.
Von dort sollten sie eigentlich nie wieder zurückkehren – doch wegen Lieferproblemen für neue Langstreckenjets holte Lufthansa ab dem Frühjahr 2022 dann doch wieder zehn A340-600 zurück in den aktiven Einsatz. Schlagendes Argument dafür war initial vor allem die First Class an Bord des Musters, die der Kranich-Konzern für sein zweites Drehkreiz München benötigte.

Im Zuge der Corona-Flaute ab März 2020 lagerte Lufthansa ihre 17 A340-600 im spanischen Teruel ein. Zunächst fünf und schließlich zehn Exemplare kehrten später in den Dienst zurück.
Gnadenfrist um Gnadenfrist
Vor Corona hatte Lufthansa 17 A340-600 betrieben. Insgesamt trugen seit Ankunft der ersten Maschine im Herbst 2003 24 Flugzeuge das Logo der größten deutschen Airline.
Das Corona-Comeback sollte für die A340-600 eigentlich nur maximal zwei Jahre dauern, doch wegen anhaltender Lücken in der Langstreckenflotte flogen die "Langen" einfach immer weiter. Ende September 2024 verkündete LH-Chef Carsten Sporh in einem Interview mit dem Handelsblatt, "die A340-600 schon im Sommer 2025 letztmalig fliegen zu lassen, um wenigstens eine Teilflotte rauszubekommen."
Auch daraus wurde letztlich nichts – zur Freude aller Luftfahrtfans erhielt die A340-600 im Sommer 2025 abermals eine weitere, einjährige Gnadenfrist.

Die Wartung des Airbus A340-600 (hier beim C-Check in Manila) wurde für Lufthansa zunehmend aufwändiger - auch, weil Ersatzteile knapp waren.
Durstig und teuer im Unterhalt
Nun aber ist es mit dem ebenso eleganten wie charismatischen Langstreckenjet bei Lufthansa endgültig vorbei. Denn das immer weiter verlängerte Comeback war zwar operativ alternativlos, aber ziemlich kostspielig.
Wegen ihrer vier Rolls-Royce Trent 500-Triebwerke ist die A340-600 unzeitgemäß durstig. Dazu kommen Schwierigkeiten bei der Wartung und Ersatzteilversorgung – was auch damit zusammenhängt, dass die A340-600 mit nur 97 gebauten Exemplaren von Haus stets aus eine Exotin blieb.

Dank der deutschen Charter-Fluggesellschaft Universal Sky Carrier bleibt die A340-600 im deutschen Flottenregister erhalten.
A340-600 wird noch mehr zur Exotin
Dieser Exotenstatus wird sich nun, mit dem Ende der letzten vier A340-600 bei Lufthansa, weiter verschärfen. Denn außer Deutschlands Flag Carrier setzten weltweit nur noch wenige Fluggesellschaften auf den speziellen Widebody.
Flottenlisten im Internet führen derzeit sechs aktive Exemplare auf – zwei fliegen für Mahan Air im Iran, eine für Conviasa aus Venezuela, eine als VIP-Jet für die aserbaidschanische Regierung, eine ebenfalls im VIP-Dienst in Saudi-Arabien und eine für die deutsche Charter-Airline Universal Sky Carrier (USC). USC wird demnächst sogar eine zweite A340-600 einflotten – die ehemalige D-AIHU der Lufthansa (jetzt D-AUSY).

Lufthansa-A340-600 beim Landen in Frankfurt: Dieses Bild gehört seit dem 19. Oktober 2026 endgültig der Vergangenheit an.
Endstation Teruel
Für das finale Lufthansa-Quartett geht es derweil am 19. und 20. Oktober zunächst auf einem kurzen Hüpfer von Frankfurt nach Düsseldorf. Von dort aus sollen die letzten A340-600 mit Kranich am Heck zwischen dem 26. Oktober und dem 1. November dann ihre finale Destination Teruel erreichen.
Voraussichtlich werden sie dort über kurz oder lang auch ihr Flugzeugleben aushauchen und beim ortsanässigen Verwerter enden.





