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Interview

Die britische Luftfahrtindustrie unter den Weltmarktführern in der zivilen Luftfahrt – Interview mit Robin Southwell

Robin Southwell ist einer der „Business Ambassadors“ des britischen Premierminsters. Von 2005 bis 2014 war er CEO der Airbus Group UK (vormals EADS UK). Seine erste Stelle in der Luftfahrtindustrie trat er kurz nach seinem Universitätsabschluss 1981 bei BAE Systems an.

Im Laufe der rund 10 Jahre unter Southwells Führung durchlief die Airbus Group UK bedeutende Veränderungen und erzielte einen signifikanten Ausbau des Großbritannien-Geschäfts. Von 2011 bis 2013 war Southwell auch Präsident der ADS Group, des britischen Unternehmensverbands der Sparten Luftfahrt, Verteidigung und Sicherheit.

Wir haben uns mit Robin Southwell getroffen, um von ihm zu hören, wie er die Leistungsfähigkeit der britischen Luftfahrtindustrie einschätzt.

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Herr Southwell, was sind in Ihren Augen die besonderen Stärken der britischen Luftfahrtindustrie?

Großbritannien zählt zu den Weltmarktführern in der zivilen Luftfahrt – wir sind die Nummer 1 in Europa und liegen weltweit mit einem Marktanteil von 17% auf Platz 2, nur übertroffen von den USA. Großbritannien ist Standort einer ganzen Reihe bedeutender Luftfahrtunternehmen und führender Forschungseinrichtungen, darunter Spitzen-Universitäten und sogenannte Catapult Centres, in denen Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmen gemeinsam innovative Forschung und Entwicklung betreiben. Diese Kombination versetzt uns in die Lage, einen so großen Weltmarktanteil zu halten. Nicht zu vergessen natürlich auch unsere Kapazitäten im Motoren- und Triebwerksbau. Unsere zentrale fachliche Kompetenz liegt in der Herstellung komplexer Flugzeugteile, wie z.B. Tragflächen und Triebwerke. Etwa die Hälfte der modernen Passagiermaschinen weltweit ist mit Tragflächen aus Großbritannien unterwegs. Wie wir früher scherzhaft sagten: „Wir haben einem Bus Flügel verliehen und einen Airbus daraus gemacht!“

Eine weitere Stärke unserer Industrie ist ihre Resilienz. Auch während der schwierigen Jahre der weltweiten Finanzkrise von 2008 bis 2013 ist unser Luftfahrtsektor durchschnittlich um 7% pro Jahr gewachsen und hat jetzt ein Volumen von 10,8 Mrd. GBP erreicht (mehr als 15,1 Mrd. EUR). Da sich die Wirtschaft jetzt insgesamt erholt, wird sich dieser Trend fortsetzen – in den kommenden 20 Jahren wird der Flugzeugmarkt weltweit voraussichtlich einen Wert von über 5 Billionen GBP (7 Billionen EUR) erreichen.

Deutschland wird in den kommenden Jahren mit einem ernsten Problem zu kämpfen haben: dem Facharbeitermangel. Wie sieht es auf diesem Gebiet in Großbritannien aus?

Die Luftfahrtindustrie gilt in Großbritannien als guter Arbeitgeber. Die Branche hat 110.000 Beschäftigte und bietet 3.300 hochwertige Ausbildungsplätze. Die Löhne und Gehälter liegen 50% über dem Landesdurchschnitt. Die Regierung arbeitet eng mit den Unternehmen zusammen, um rechtzeitig die nächste Generation von Flugzeug-Fachkräften auszubilden und die jungen Menschen auf die großartigen Karrierechancen aufmerksam zu machen, die dieser Wirtschaftszweig bietet.

So sind gerade 500 neue Postgraduierten-Stellen eingerichtet worden, um neue Spezialisten für die Flugzeugindustrie zu gewinnen. 14% dieser Stellen sind übrigens mit Frauen besetzt worden – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Durchschnitt in der Fertigungsindustrie, der bei etwa 9% Frauenanteil liegt.

Die britische Luftfahrtindustrie bildet aber nicht nur ihre nächste Facharbeitergeneration aus, sie legt auch großen Wert auf Forschung & Entwicklung. Was macht Großbritannien hier so geeignet?

Wir sind sozusagen prädestiniert für F & E. Zahlreiche führende Unternehmen aus aller Welt haben ihren Sitz bei uns und investieren in die Entwicklung innovativer neuer Produkte. So z.B. GE, das seine F&E-Finanzierung seit 2010 um 25% gesteigert hat. Aber wir haben auch etliche renommierte Universitäten und die bereits erwähnten Catapult Centres.

Um neue Produkte und Technologien auf den Markt zu bringen, braucht man eine starke Zuliefer-industrie. Wie ist Großbritannien in diesem Bereich aufgestellt?

Wir haben in Großbritannien eine hervorragende Zulieferindustrie, deren besondere Markenzeichen Innovation und Kreativität sind. Am oberen Ende der Lieferkette stehen bekannte Unternehmen mit einer langen Tradition, wie GKN, Meggit oder Cobham. Die große Masse der Zulieferbetriebe aber sind kleine, stark spezialisierte Firmen. Um diese kleinen Firmen bei der Entwicklung und Vermarktung neuer Produkte und Fertigungstechniken zu unterstützen, stellt die Regierung im Rahmen des National Aerospace Technology Exploitation Programme (NATEP – Nationales Luftfahrttechnologieverwertungsprogramm) 40 Millionen GBP (ca. 55,5 Mio. EUR) bereit. Außerdem wird ein strukturiertes Verfahren geschaffen, mittels dessen diese Innovationen in der gesamten Zulieferkette verbreitet werden sollen.

Die Luftfahrtindustrie ist eindeutig einer der größten britischen Industriezweige. Was unternimmt die britische Regierung zu ihrer Unterstützung?

Die Regierung sieht in der Luftfahrtindustrie eine sehr dynamische und hochproduktive Branche und bekennt sich dazu, Hemmnisse für das Wachstum der Branche, eine Steigerung der Exporte und die Schaffung von noch mehr hochwertigen Arbeitsplätzen in diesem Sektor aus dem Weg zu räumen.

Zu diesem Zweck hat die Regierung ein breites Spektrum von Initiativen ergriffen. So wurde 2010 die Aerospace Growth Partnership (AGP) als Plattform für die Zusammenarbeit mit der Branche ins Leben gerufen. Die auf 20 Jahre angelegte AGP hilft den Firmen dabei, ihren Kundenstamm auszubauen und zu diversifizieren, bietet Investoren und Händlern langfristige Sicherheit und Stabilität, und ermutigt die Branche, neue Technologien zu entwickeln. Ein ausgezeichnetes Beispiel für eine gelungene Kooperation von Regierung und Industrie, die dafür sorgt, dass Großbritannien die Nr. 1 unter den europäischen Flugzeugherstellern bleibt.

Wo arbeiten die britische und die deutsche Luftfahrtindustrie schon jetzt zusammen? Und welche anderen Bereiche gibt es, die Potenzial für eine Kooperation bieten könnten?

Das beste Beispiel ist natürlich Airbus. Nehmen Sie z.B. das Airbus A330-Programm und den demnächst einsatzbereiten A350XWB. Die Tragflächen für diese Baureihen werden in Broughton in Nord-Wales produziert. Von hier geht es nach Bremen, wo sie mit den entsprechenden High-Lift- oder Hochauftriebssystemen bestückt und dann zur Endmontage nach Toulouse weiter transportiert werden. Aber auch Rolls Royce ist ein gutes Beispiel für die britisch-deutsche Kooperation. Mit Investitionen von insgesamt 2,2 Mrd. EUR beschäftigt die RR-Triebwerksproduktion in Deutschland 3.500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Daneben gibt es aber auch eine ganze Reihe kleinerer britischer Zulieferfirmen, die erfolgreich mit der deutschenLuftfahrtindustrie im Geschäft sind.

Warum sollten deutsche Luftfahrtunternehmen in Großbritannien investieren?

Nun, sie befänden sich dort in sehr guter Gesellschaft. Großbritannien ist ein Spitzenstandort für Investoren weltweit – es zieht z.B. mehr internationale Investitionen an als irgend ein anderes Land in Europa. Und die meisten führenden Luftfahrtunternehmen unterhalten in Großbritannien einen Produktionsstandort oder bauen ihn sogar aus. Die Vorteile liegen auf der Hand – neben dem hochqualifizieren und produktiven Arbeitskräftepotenzial in dieser Branche bietet Großbritannien ja auch ein Forschungsumfeld der Spitzenklasse, ein robustes System zum Schutz geistigen Eigentums, ein wettbewerbsfähiges Paket von steuerlichen Anreizen zur Innovationsförderung und selbstverständlich auch international anerkannte Messnormen in Wissenschaft und Technologie.

UK Trade & Investment

Kontakt:

UK Trade & Investment

E-Mail: ukti.berlin@fco.gov.uk

Tel: 030-204570

www.gov.uk/ukti/germany




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