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Neue Airline: So will Play die bessere WOW Air werden

Islands neue Airline So will Play die bessere WOW Air werden

Knackiger Crewschlüssel und günstige A321neo: WOW-Air-Nachfolger Play bekennt bei der Platzierung neuer Aktien Farbe. Der Börsenprospekt legt Details aus der Strategie des neuen Preisbrechers aus Island offen – und nennt auch das vielleicht größte Risiko.

Play will die bessere WOW Air werden. Die neue Airline aus Island hält seit 16. Mai eine Betriebsgenehmigung in Händen und will am 24. Juni mit Flügen nach London-Stansted den Flugbetrieb aufnehmen. Ab 02. Juli steht auch der Berliner Flughafen BER im Flugplan. Zuvor besorgt sich die Airline frisches Geld. Knapp 222 Millionen Aktien will Play in einer Spanne von 18 bis 20 Kronen das Stück losschlagen – und umgerechnet zwischen 33 und 36 Millionen US-Dollar erlösen. Die Airline hatte zuvor bereits 47 Millionen US-Dollar bei Frühphasen-Investoren eingesammelt.

WOW Air-Fehler vermeiden

Die Emissionsunterlagen geben den ersten umfassenden Einblick in die Pläne der Isländer. Play wird mit drei Airbus A321neo zunächst ausschließlich Ziele in Europa anfliegen – und erst 2022 in Reykjavik ein Hub-and-Spoke-System für den Transatlantiktransit aufziehen.Neben London und Berlin stehen Alicante, Barcelona, Teneriffa, Kopenhagen und Paris im Auftaktflugplan. Alle Strecken sollen später mit USA-Linien verknüpft werden. Vorgänger WOW Air konnte mit diesem Geschäftsmodell zwar zunächst rasant wachsen, legte 2019 aber eine spektakuläre finanzielle Bruchlandung hin. Die Airline hatte sich unter anderem an einer Flottenerweiterung auf Großraumgerät – zwei A330-300 und zwei direkt bei Airbus bestellte A330-900neo – verhoben. Diesen Fehler will Play vermeiden. Flottenfinanzierer AerCap hat für Play ein A321neo-Trio zusammengestellt. Das erste Flugzeug – TF-AEW – stammt aus dem Produktionsjahr 2018 und begann sein Airlineleben bei Interjet in Mexiko. Seit April 2020 war der Jet eingelagert. Gerade hat er die Play-Lackierung erhalten.

Nicky Boogaard / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Negatives Vorbild: WOW Air hatte sich mit A330-Großraumjets für Transatlantikflüge übernommen und scheiterte.

805 Blockstunden pro Jahr

Die Leasingverträge laufen zehn Jahre und fallen "24 Prozent günstiger" als vor der Pandemie aus, schreibt Play im Börsenprospekt. Der geht auch auf Personalpläne ein: Piloten und Flugbegleiter will Play pro Jahr je 95 Flüge und 805 Blockstunden zuweisen. Zum Vergleich: beim Konkurrenten Icelandair sammeln Piloten laut Play pro Jahr auf 76 Flügen 640 Blockstunden. Die A321neo-Flotte und die straffen Einsatzpläne sollen die Produktionskosten im Transatlantikverkehr auf 3,6 US-Cent (CASK) drücken – Play will und damit sogar die kostenschlanke JetBlue Airways unterbieten. Für 2021 erwartet der Play-Geschäftsplan bei 25 Millionen US-Dollar Umsatz einen operativen Verlust von 16 Millionen US-Dollar. Bereits 2022 will die Airline ihre Erlöse auf 170 Millionen US-Dollar vervielfachen und 11 Millionen US-Dollar Gewinn erzielen, 2025 sollen 509 Millionen US-Dollar Umsatz eine operative Marge von 14 Prozent abwerfen.

Airline-Chef Birgir Jónsson schickt Play auf einen flachen Steigflug. Die Flotte wird 2023 auf zehn, 2024 auf 12 und 2025 auf 15 Flugzeuge wachsen. Play rechnet am Ende einer vierjährigen Aufbauphase mit 2,7 Millionen Passagieren und unterstellt für 2025 eine durchschnittliche Flugauslastung von 89 Prozent.

Airbus
Langstrecken-Narrowbodies wie der Airbus A321XLR bergen laut Play-Einschätzung Chancen und Risiken.

Risikofaktor A321XLR

Im Börsenprosekt nimmt Play zu einer Achillesferse des Geschäftsmodells Stellung. "Langstreckenfähige Schmalrumpfflugzeuge, die zwischen Europa und Nordamerika nonstop verkehren können, stellen eine Bedrohung für das Hub-and-Spoke-Modell dar", räumt Play ein.Zeitgleich sieht Play in Airbus A321LR und A321XLR auch Chancen – mit diesen Jets rücken für Play perspektisch Ziele "weiter im Osten und Westen" in Reichweite.