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Patrick Zwerger

Letzte Konsequenz

Airbus droht säumigen Kunden mit Klage

Airbus setzt in der Luftfahrtkrise erste Airlines in Verzug. Der Hersteller droht säumigen Kunden mit Klagen, wenn Auslieferungen endgültig platzen.

An den Airbus-Werken füllen sich seit März die Stellflächen mit nicht abgeholten Flugzeugen. Inzwischen hinkt Airbus dem Mai-Zwischenstand von 313 Auslieferungen aus dem Vorjahr um 153 Flugzeuge hinterher. Im vergangenen Monat konnte Airbus nur 24 Maschinen der Serien A220, A320 und A350 übergeben.

Suche nach Auswegen

Covid 19 strapaziert die Kundenbeziehungen. Einige Airlines hätten zum Höhepunkt der Krise nicht einmal mehr das Telefon abgehoben, klage Airbus-Chef Guillaume Faury in einem Interview mit "Politico". Airbus hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters "Dutzende" Kunden daher in Verzug gesetzt – und schließt in letzter Konsequenz auch Klagen nicht aus. "Wir versuchen immer, einen anderen Weg zu finden, als vor Gericht zu gehen", sagte Faury. Wenn Fluggesellschaften aber "nichts Besseres als nichts anbieten" oder sich einer Lösung verweigern, bliebe Airbus "keine andere Wahl".

Airbus unter Druck

Eine öffentliche Warnung ist in der von Diskretion geprägten Welt der Hersteller-Airline-Beziehungen äußerst selten. Verzugsschreiben oder Klagen könnten zudem Finanzierungen gefährden. Der Markteinbruch setzt Airbus allerdings selbst unter enormen Druck, nicht zu viel unverkauftes Inventar aufzubauen. Eine Produktionskürzung um ein Drittel ist bereits beschlossen. Vom Brot-und-Butter-Modell A320neo wird Airbus vorerst nur noch 40 Stück pro Monat bauen – eine weitere Senkung der Rate ist laut Insidern nicht ausgeschlossen. Der Hersteller lässt zudem sechs brandneue A320neo und A321neo versteigern, AirAsia hatte die Lieferung ausgeschlagen.

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