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Luft- und Raumfahrtmesse

MAKS 2015

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Russland trotzt den Sanktionen, aber die Organisation der MAKS mutete eher an wie Pfeifen im Walde. Die Leistungsschau der russischen Luft- und Raumfahrt hat ihre einstige Attraktivität verloren.

MAKS 2015

Das begann schon mit einem riesigen Autozirkus gleich hinter dem Eingang, wo gepimpte Rennwagen mit Höllenlärm und quietschenden, vor allem aber qualmenden Reifen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen suchten, und es endete mit zweifelhaften „Rennen“ von Autos gegen Sportflugzeuge oder Hubschrauber. Der „Höhepunkt“ war, als ein Formel-1-Rennwagen gegen eine MiG-29 antrat. Kopfschütteln bei den Fachbesuchern. Dafür hatten sie nun so viel Geld ausgegeben?

Diesem Salon mangelte es vor allem an ausländischen Ausstellern. Mit fliegendem Gerät war nur einer vertreten, und in den Hallen verloren sich die wenigen internationalen Gäste. Airbus, die ESA und das DLR beispielsweise zeigten wenigstens den guten Willen zur Präsenz in der angespannten wirtschaftlichen und politischen Krise, in die sich Russland immer mehr selbst hineinmanövriert. Selbst der einstige Bruder und heutige Feind Ukraine wurde unter diesen Bedingungen schmerzlich vermisst.

Die Organisatoren berichteten immerhin von 600 einheimischen und 155 ausländischen Ausstellern aus 30 Ländern, doch außer den genannten waren kaum bekannte Namen darunter. Dennoch wurde der Salon trotzig als Sieg über die Sanktionen gefeiert. Mehr als 110 Flugzeuge sollten im Static Display zu sehen sein, aber dieses wurde am Anfang und am Ende vor allem von historischen Maschinen geprägt. Darunter ragte die 1.44 von Mikojan heraus, die erstmals öffentlich gezeigt und natürlich von allen Seiten fotografiert wurde. Zieht man diese und die Jäger des Zweiten Weltkrieges ab – sehr schön anzuschauen, aber leider nicht im Flug gezeigt –, dann relativierte sich die Begeisterung schnell.

Immerhin ragte aus den langen Reihen gut bekannter Fluggeräte einmal mehr die Präsentation von Rostvertol heraus. Die russische Hubschrauberindustrie verdient gutes Geld auf den internationalen Märkten, und das zeigte sie auch. Auffallend war auch in diesem Jahr wieder die gekonnte Lackierung der Modelle, doch viel Neues war nicht zu sehen, sieht man einmal von dem Experimentalhubschrauber PSW ab (eine Erläuterung der Abkürzung war nirgends zu finden). Die Mi-8 mit dem neu gestalteten, beinahe futuristisch anmutenden Bug dient vor allem der Erprobung neuer Rotorsysteme, mit deren Hilfe die Geschwindigkeit der Mi-28N um zehn und die der Mi-35M um 13 Prozent gesteigert werden soll.

Neu war immerhin auch die Ka-52K Alligator, die navalisierte Variante des Kampfhubschraubers von Kamow, die für den Einsatz auf den geplanten Landungsschiffen der Mistral-Klasse entwickelt worden ist. Das Geschäft mit den Franzosen ist wegen des Krieges in der Ukraine inzwischen geplatzt, und wenn auch die Russen derartige Schiffe nun selbst bauen wollen, so wird deren Indienststellung noch eine ganze Weile dauern. Bis dahin wird der Hubschrauber wohl ein Einzelexemplar bleiben.

Auch auf dem Gebiet der Verkehrsflugzeuge sieht es derzeit eher trübe aus. Davon konnten die täglichen, beeindruckenden Vorführungen der A350 XWB von Airbus nicht ablenken, denn aus dem eigenen Lande war nur der Superjet von Suchoi zu sehen. Der ist allerdings hinlänglich bekannt. 

Weniger schön klang da die Ankündigung, dass der Hersteller Aviacor in Samara die Endmontage der An-140 einstellen muss, weil 34 ukrainische Zulieferer eben nicht mehr zuliefern. Theoretisch könnte Russland hier selbst eingreifen, aber die Entwicklung und Produktion einheimischer Teile würden zu lange dauern. Also baut man aus den noch vorhandenen Teilen die letzten Maschinen zusammen, darunter drei für das Verteidigungsministerium. Auch die Zukunft der An-148 in russischen Diensten ist unsicher; Rossija als größter Betreiber hat im April bereits sechs Exemplare außer Dienst gestellt.

Der Vergleich F-22 mit T-50 endet zugunsten Suchois

Suchoi T-50. Foto und Copyright: Suchoi

Mit Spannung erwartet wurden indessen wieder die Demonstrationen der Kampfflugzeuge, die eindeutig das Konstruktionsbüro Suchoi dominierte. Manöver der Spitzenklasse wurden vom Publikum jubelnd begrüßt – 400 000 Besucher sollen es während der ganzen Woche gewesen sein –, und natürlich wollten alle die T-50 in Aktion erleben. Die war vor zwei Jahren noch ganz neu, wurde aber bereits recht sportlich vorgeflogen, denn in diesem Jahr zeigte Cheftestpilot Sergej Bogdan alles!

Kein Wunder, dass Hersteller und Organisatoren zufrieden auf Vergleiche verwiesen, welche in jüngster Zeit in westlichen Fachblättern mit der F-22 von Lockheed gezogen worden waren. So kann die T-50 allein vier Anti-Radar-Raketen Cha-58UshKE in den internen Waffenschächten befördern, während die F-22 gerade einmal zwei 450-kg-Bomben mitführen kann. Auch das Luft-Luft-Raketen-Arsenal des russischen  Superjägers ist weit vielseitiger. Zudem verfügt die T-50 über eine Ausstattung für die elektronische Kriegführung und Abwehr, während Lockheed auf eine solche unter Hinweis auf die Stealth-Eigenschaften des Raptors verzichtet hatte.

Zu guter Letzt wird noch auf die hervorragenden Manövriereigenschaften dank der Schubvektorsteuerung verwiesen sowie auf einige grundlegende Unterschiede in der Strategie des Luftkrieges. In den USA überlässt man die elektronische Luftkriegführung ausschließlich der Air Force. In Russland hingegen gibt es ein ausgeklügeltes Zusammenspiel zwischen den Bodentruppen, der weitreichenden Luftabwehr und den Luftstreitkräften, wenn es darum geht, den Gegner bereits auf große Entfernungen vom Ziel auszuschalten. Als Beispiel sei nur das System Krasucha-1 genannt, das ausschließlich dazu dient, die AWACS zu blenden. Wohlgemerkt: Das alles sind Analysen westlicher Experten. Der Stolz der Russen darauf war überdeutlich zu spüren.

FLUG REVUE Ausgabe 11/2015

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