in Kooperation mit
11 Bilder

Luftverkehrsregion Nummer Eins

Fluggesellschaften Asiens

In der Spitzengruppe des weltweiten Luftverkehrs rückt der Wachstumsmarkt Asien langfristig voran. Doch auch in Fernost herrscht kein völlig ungebremstes Wachstum.

Asien - Riesenmarkt mit Riesenairlines

Ende September 2013 musste die IATA, der weltweite Verband von 240 Linienfluggesellschaften, ihre Finanzprognose für das Jahr 2013 leicht senken. Statt eines noch im Juni vorhergesagten Airline-Jahresgewinns in Höhe von 4,6 Milliarden Dollar sagt die IATA für die Region Asien/Pazifik nun nur noch 3,1 Milliarden Dollar für 2013 voraus. Damit liegt Asien allerdings im weltweiten Trend. IATA-Chef Tony Tyler zieht folgendes Fazit für die Airlinebranche: „Insgesamt sehen wir die Dinge positiv. Die Profitabilität wächst weiter. Aber es gibt auch einige Tempobremsen. Im Frachtgeschäft ist ein Plus ausgeblieben, und in den Schwellenländern hat sich das Wachstum abgeschwächt. Auch der Anstieg des Ölpreises war ein Dämpfer. Wir blicken aber optimistisch in Richtung Jahresende. Für 2014 erwarten wir eine Verdopplung der Gewinne, verglichen mit dem Jahr 2012.“ Immerhin lag der Bereich Asien/Pazifik im Monat September, laut IATA, mit 8,5 Prozent Passagierwachstum deutlich über dem globalen Durchschnitt von 5,5 Prozent. Nur die IATA-Region Nahost, geografisch ebenfalls zu Asien gehörend, übertraf ihn noch mit 10,4 Prozent Zuwachs.

Wegen unterschiedlicher Geschäftsjahresgrenzen und Veröffentlichungspflichten ist es nicht ganz einfach, für das Jahr 2013 die größten Airlines Asiens zu ermitteln. Gemäß den verfügbaren Angaben zeichnete sich bei Heftschluss folgende Rangfolge ab:

Die größte Luftverkehrsgesellschaft Asiens und seit 34 Jahren größte Airline Chinas ist China Southern Airlines. Der Gigant aus Guangzhou transportierte 2012 mit gut 500 Flugzeugen rund 86 Millionen Passagiere und steht damit weltweit an fünfter Stelle. Die Passagierzahlen für Januar bis September 2013 nennen 69,3 Millionen beförderte Passagiere. Bis Jahresende 2012 beförderten die Chinesen während 10,37 Millionen Flugstunden nahezu 600 Millionen Passagiere – ohne Zwischenfall. Zur modernen Flotte gehören auch fünf Airbus A380, die bisher einzigen in China.

Als Asiens Nummer zwei gilt China Eastern Airlines, die im ersten Halbjahr 2013 rund 37,8 Millionen Passagiere beförderte. Auch die Nummer drei nach Passagieren kommt aus China: Air China. Der Flag Carrier aus Peking gibt für die Monate Januar bis Oktober 65 Millionen Fluggäste an. Mit der privaten indonesischen Lion Air steht auf Rang vier erstmals eine nicht-chinesische Airline. Die Niedrigpreis-Fluggesellschaft, die sich im März mit einer spektakulären Bestellung von 234 Airbus A320 auf einen Streich weltweite Aufmerksamkeit sicherte, gehört zu den großen Aufsteigern der Branche und profitiert vom Wachstum einer neuen Mittelklasse in Asien. Gerade übernahm sie ihre 100. Boeing 737. Die Luftfahrtanalysten des CAPA Center for Aviation in Sydney schätzen, dass bis zum Jahr 2020 rund 2,5 Milliarden Menschen in Asien zur Mittelklasse zählen werden, die sich Reisen per Flugzeug leisten können. Mitte November stand auch in Malaysia eine Tochter von Lionair kurz vor der Betriebsaufnahme. Rund 32 Millionen Passagiere erwartet die Fluggesellschaft für 2013.

Mit 30,4 Millionen Passagieren von Januar bis September scheint Air Asia aus Malaysia 2013 mindestens auf einen ähnlichen Rang zu kommen. Die von dem früheren Musikmanager Tony Fernandes geführte Gruppe hat sich bereits erfolgreich nach Thailand ausgebreitet. Dagegen scheiterten Pläne, auch in Japan Fuß zu fassen, und Air Asia verkaufte ihre Anteile an der japanischen Tochter an ANA. Eingestellt wurden zudem Langstreckenflüge nach London mit geleasten Airbus A340-313X. Ab 2017 erhält Air Asia jedoch neue Airbus A350, mit denen Tony Fernandes einen zweiten Anlauf in Richtung Europa wagen will.

Mit gut 30,1 Millionen Fluggästen zwischen Januar und September 2013 folgt auf Rang sechs die All Nippon Airways Group aus Japan. Die spätestens als Erstbetreiber der Boeing 787 weltbekannt gewordene Airline baut systematisch den Tokioter Flughafen Haneda für ihre Langstreckenflüge aus. Im selben Zeitraum beförderte die Japan Airlines Group mit dem Drehkreuz Tokio-Narita rund 28,6 Millionen Passagiere.

Tauziehen um die Drehkreuzflughäfen

11 Bilder

Mit 31,4 Millionen Passagieren im Geschäftsjahr 2010/2011 dürfte die stark wachsende Emirates Airline mindestens nahe an ihre japanischen Konkurrenten kommen. Auch wenn die Fluggesellschaft aus Dubai geografisch entfernt von ihren ostasiatischen Wettbewerbern beheimatet ist, prägt Emirates mittlerweile auch den Flugverkehr in Ostasien mit. Bis zum Jahr 2020 will Emirates auf 70 Millionen Passagiere im Jahr wachsen. So verändern die von Emirates via Dubai umgeleiteten Verkehrsströme zwischen Europa und Asien bereits die Drehkreuze in Fernost. Singapur hat deswegen bereits angekündigt, den Flughafen Changi, Heimatbasis und Drehkreuz von A380-Erstbetreiber Singapore Airlines, auszubauen und mit spektakulären Gartenlandschaften im Terminal für noch höheren Aufenthaltskomfort neue Gäste anzulocken. Einen anderen Weg gegenüber der neuen Konkurrenz aus Nahost wählte die australische Qantas. Sie kooperiert mit Emirates und lässt ihre Flüge von Australien aus nun in Dubai und nicht mehr in Singapur zwischenlanden.

Mit Cathay Pacific folgt auf dem vorläufigen Rang neun wieder eine chinesische Fluggesellschaft. Cathay profitiert von ihrem bestens ausgebauten und weiter wachsenden Drehkreuz Hongkong, an dem sie vor allem mittelgroße Großraumjets wie die Boeing 777 und den Airbus A330 einsetzt. Von Januar bis September wurden 22,3 Millionen Passagiere befördert. Cathay setzt wegen ihrer vorwiegenden Geschäftsreiseklientel auf möglichst viele Abflugzeiten pro Tag und Route, was kleinere Flugzeuge begünstigt. Weder die Boeing 747-8 Intercontinental noch die A380 wurden deswegen bisher bestellt. Boeing 747-8-Frachter hat Cathay allerdings geordert.

Auf Rang zehn liegt Korean Air mit 24,3 Millionen Fluggästen im Jahr 2012. Die Koreaner, zugleich die größte Frachtairline der Welt, setzen sich mit ihrem komfortablen Drehkreuz-Flughafen Seoul-Incheon und mit hohen Standards an Bord bereits erfolgreich auf die Landkarte vieler chinesischer Touristen und Umsteiger. Schon ist der Ausbau des Flughafens auf etwa die doppelte Kapazität angekündigt.

Das Wachstum der asiatischen Airlines und ihr Flugzeugbedarf machen schon lange die großen Flugzeughersteller hellhörig. Boeing und Airbus versuchen im Rahmen langfristiger Marktstudien den Bedarf für ihre Produkte in Fernost einzuschätzen. So rechnet Airbus, wegen des erwarteten hohen Wachstums in der Region Asien/Pazifik und der stark zunehmenden Verstädterung, mit einem Bedarf von 47 Prozent aller Verkäufe sehr großer Flugzeuge (622 Stück) bis zum Jahr 2032. Kunden aus Nahost werden laut Airbus dagegen nur 26 Prozent der Verkäufe in diesem Segment (345 Flugzeuge) bewirken. Damit ist Asien der größte von Airbus vorhergesagte A380-Markt.

Auch dem innerasiatischen Verkehr prognostiziert Airbus eine deutliche Zunahme. 6,4 Prozent jährliches Wachstum über die nächsten 20 Jahre erwarten die Flugzeugbauer. Damit werde sich der Anteil asiatischer Routen am weltweiten Flugangebot (RPK) von heute einem Drittel auf über die Hälfte erhöhen. Schon heute sei die Flugzeuggröße auf den Routen in Asien ungewöhnlich hoch. Als wichtigste Verkehrsströme aus Asien sagt Airbus, neben den dominanten innerasiatischen Regionen, die Ziel- und Quellregionen Nordamerika, Europa und Nahost voraus. Über die nächsten 20 Jahre liege das durchschnittliche Wachstum der verkauften Passagierkilometer in Asien bei 5,8 Prozent pro Jahr. Während derzeit 4650 Flugzeuge in Asien im Einsatz stünden, wachse der Bestand bis zum Jahr 2032 auf 11 164 Flugzeuge. Davon entfielen in dieser Zeitspanne 10 664 auf neue Flugzeuge.

Auch Boeing erwartet vergleichbare Absatzchancen im Bereich Asien/Pazifik. Die Amerikaner machen aber immer deutlicher darauf aufmerksam, dass sich die erhofften Aufträge nur realisieren lassen, wenn auch das benötigte Personal zur Verfügung stehe. So sagt Boeing für die nächsten 20 Jahre einen Bedarf für 192 300 neue Piloten und 215 300 neue Techniker alleine in der Region Asien/Pazifik voraus. Mehrfach wurde die Bedarfsvorhersage für Asien bereits angehoben; nun ist sie schon doppelt so hoch wie die für Europa.

„Das Thema Personalbedarf geht die ganze Luftfahrtbranche etwas an“, sagte Sherry Carbary, Vorstand von Boeing Flight Services auf der Dubai Airshow. „Wenn wir diese neue Generation von Piloten und Technikern erreichen wollen, müssen wir sie auf völlig neue Art ansprechen und trainieren. Bei Boeing sehen wir uns ständig innovative, neuartige Trainingsmethoden an. Wir wollen weg von Papier und Schultafeln und hin zu Tablet-Computern, E-Books, computerspielartiger Aufbereitung und zu dreidimensionalen elektronischen Modellen. Luftfahrt muss genauso eine vielversprechende Karriereoption für die Jugend der Welt sein, wie sie es für uns war.“

FLUG REVUE Ausgabe 01/2014

Zur Startseite